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Periodical volume 10. Juli 1897, No. 28

Full text: Der Bär Issue 23.1897

der Mark Krandenvurg und der llugren^euden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Ernst G. Karder), Dp. K. Küringuter, Professor Dp. Srectier, Dp. H. Srondtctre, ©lieoboc Fsntane, Stadtrai 
E. Friedet, Rictiard George, Ferd. Mleger, Gymnasialdirektor a. D. Dp. M. Krtkronriz »nd E. u. Miidendruct» 
herausgegeben von 
Friedrich ZMefsen. 
XXIII. Der ,BLr" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist dnr<b iede Potianiialt ITClo 809), Ruchhandlnna »nd Zeitungs- 
Jahrgang. spedition kür 2Mk.nOPf. viertelsLhrl. zu beziehe» Auch die Geschäftsstelle — Berlin H. 58,Schönh. Allce141— nimmt 
M 28. Bestellungen entgegen. Inscratcn-Austräge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. Petitzeile kostet 40 Pf. 
10. Juli 
181,7. 
Finis Poloniae. 
Historischer Roman von C. Grundier. 
(27. Fortsetzung.) 
f ei Krieg gegen die französische Republik wurde im Jahre 
1797 ohne wesentlichen Erfolg geführt. Der Herzog 
von Braunschweig hatte am 6. Januar das Oberkommando 
über die preußischen Truppen an den Feldmarschall Möllen 
dorf abgegeben. Preußen, das bis jetzt von allen gegen 
Frankreich verbündeten Mächten die größten Opfer an Menschen 
und Geld gebracht halte, verlangte vom deutschen Reich 
wenigstens Verpflegung seiner Truppen. Da dies auf Be° 
treiben Oesterreichs abgeschlagen wurde, schloß es am 19. April 
ein Abkommen mit England und Holland, nach welchem sich 
diese Länder verpflichteten, sofort zwei Millionen Thaler, ferner 
monatlich 300 000 Thaler und außerdem für jeden Mann 
monatlich 10 Thaler Brot- und Fouragegeld Subfidien zu 
zahlen. Möllendorf that aber keine Schritte, um den Fran 
zosen das Vordringen am Mittelrhein zu wehren. Er lag 
bis gegen Mitte Juli ruhig an der Lauter. 
Der österreichische General Wurmser war gegen die Fran 
zosen nicht glücklich gewesen. Mil einem österreichischen Korps 
und den ihn unterstellten Reichstruppkn hatte er einen Angriff 
auf die von den Franzosen besetzten Verschanzungen bei 
Weißenburg. die sogenannten Weißenburger Linien, gemacht, 
bei welchem die bunt zusammengewürfelten Reichstruppen auf 
den ersten Vorstoß der Franzosen hi» wie die Schneeflocken ausein 
andergeflogen waren. Die Preußen hatten zwar am 80. Sep 
tember nochmals bei Kaiserslautern — zum dritten Male 
lu diesem Feldzuge — über die Franzosen gesiegt; allein, da 
die Engländer keine Hilfsgelder inehr zahlen wollten, so waren 
sie am 23. Oktober auf das rechte Rheinufer zurückgegangen. 
Schon vorher, am 5. Oktober, waren 20 000 Mann von der 
Rheinarmee zur Verstärkung der preußischen Truppen in Polen 
abgezweigt worden. Unter ihnen befanden sich auch die Ziethen- 
Husaren, zu welchen der Rittmeister Karl Aegedius von 
Krummensee bereits Mitte Juni zurückgekehrt war. 
* * 
* 
In dem bei der zweiten Teilung Polens von Preußen 
neu erworbenen Landesteile bewegte sich auf der Straße 
zwischen ©liefen und Sompolno — wenn man diese Schlangen 
linie von ausgefahrenen Wagengleisen und Löchern, die bald 
über die Aecker, bald durch Moräste führte, überhaupt noch 
eine Straße nennen konnte — ein langer Reiterzug dem Dorfe 
Podgowice zu. Die roten Attilas und die Pelze mit der 
gelben Verschnürung ließen die Reiter als preußische Ziethen- 
Husaren erkennen. Ihnen voran ritt der Rittmeister Karl 
von Krummensee mit einem zweiten Offizier. Eine Reihe 
Gepäck- und Proviantwagen, teilweise mit requirierten Pferden, 
vier neben einander gespannt, dazu die Burschen mit den 
überzähligen Osfizierspferden beschloffen den Zug. 
Die Soldaten mußten schon einen langen Marsch hinter 
sich haben, denn sie waren über und über mit Staub bedeckt, 
und ihren ermüdeten Tieren sah man die Erschöpfung an. 
Das ärmliche Nest, das sie jetzt betraten, schien jedoch wenig 
Aussicht auf Erholung zu versprechen. 
Eine Doppelreihe elender, aus Erde und Holz zusammen, 
geklebter Hütten, deren zerfetzte Slroh- oder Rohrdächer sich 
kaum in Manneshöhe über dem Erdboden erhoben, stand in 
unregelmäßigen Abständen an der Straße. Kein Schornstein
        
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