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Periodical volume 19. Juni 1897, No. 25

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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und für das er vergebens in verschiedenen Bädern Heilung suchte, ein 
jähes Ende. Nicht nur dem Künstler, sondern auch dem vornehm- 
liebenswürdigen Menschen, der sich jüngerer Talente in freundlichster 
Weise annahm, gebührt ein teilnahmvolles Andenken. 
Schlechtes Beispiel. Der bekannte Berliner Professor M. war 
ein großer Feind der Lüge. Als er einst bemerkte, daß sein elfjähriger 
Sohn eine Notlüge gethan hatte, hielt er ihm einen strengen Sermon 
und schloß seine Rede mit den Worten: „Also merke Dir, daß der ein 
schlechter Mensch ist, der eine Lüge aussprichl!" Nach kaum einer 
halben Stunde läutete cs. „Ocffne, Arthur/' sagte der Vater, „und 
wenn cs der Stcuereinziehcr ist, so sage ihm, ich sei nicht zu Hause, er 
solle ein andermal wiederkommen." (!I) — dn— 
Such erlisch. 
Amsterdam — diese interessante, wund rbare Stadt — in seiner ganzen 
Vielseitigkeit kennen zu lernen, gestattet uns die soeben eingelroffene 
neunte Lieferung des Prachtwerkes „Die Hauptstädte der Welt" 
(Schlesische Buchdruckerci, Kunst- und Verlagsanstalt v. S. Schottlaender, 
Breslau). Es war keine leichte Aufgabe, allen Anforderungen bei der 
Beschreibung gerecht zu werden; der Verfasser hat sie jedoch glänzend 
gelöst. Mit derselben Sicherheit führt er uns durch die berühmten Kunst 
sammlungen wie durch die interessanten Diamantschleifereien: durch die 
schönen, Wunderwerke moderner Architektur ausweisenden Straßen, wie 
durch das unsaubere Ghetto. Der Stil ist im Rahmen des ganzen 
Werkes gehalten: geistvoll und anregend. Zu erwähnen wären noch 
die zahlreichen Illustrationen und Kunstbeilagen, von denen hier einige 
genannt sein mögend Hans Herrmann, Fischmarkt in Amsterdam; Selbst- 
porträt Rembrandts und seiner Frau; Paul Meyerheim, Amsteroamer 
Büchertrödler u. a. Preis der Lieferung 50 Pfg.; d>s ganzen Pracht 
werkes 30 Mk. 
Der Nummer 2833 und 2814 der Illustrierten Zeitung in Leipzig 
(resp. die Himmelfahrts- und Pfingstnummer derselben) zeichnen sich durch 
einen sehr reichen Inhalt und Illustrationen nebst begleitendem Text 
aus. Die beiden großen doppelseitigen Bilder: „Die Himmelfahrt 
Christi", Deckengemälde von Gebhard Fugel (in 2813) und: „Pfingst- 
predigt" nach einem Gemälde von demselben Meister (in Nr. 2814) machen 
einen geradezu überwältigenden Eindruck und sind ganz dazu angethan, 
eine weihevolle Stimmung zu den genannten Festtagen in dem Beschauer 
wachzurufen. Da Pfingsten, wie kein anderes Fest, in die freie Natur 
hinauslockt, so waren in den beiden Nummern die schönen Landschaftsbilder 
ganz am Platze, in der Himmclfahrtsnumnicr (2813) die Ansichten von 
der Bastei in der Sächsischen Schweiz zu deren 100 jährigen, Jubiläum 
(im Mai vor 100 Jahren wurde die Bastei, dieser Glanzpunkt der 
Sächsischen Schweiz, zum ersten Male in der Litteratur genannt) und 
in der Pfingstnummer (2814) die Ansichten von der Kirchenruine Paulin 
zelle in Thüringen, die früher nur durch eine lange Fußwanderung zu 
erreichen war und jetzt durch die an der berühmten Abtei Paulinzellc 
vorbeisührende Bahnlinie: Arnstadt Blaukenburg-Saalkeld den Touristen 
so nahe gerückt ist. Die Reichshaiiptstadt ist in der Himmelfahrtsnummer 
(2813) durch eine Ansicht des neuen Doms nach seiner Vollendung und 
eine Wiedergabe des Bismarck-Denkmols in der Villenkolonie Grune- 
wald vetreten, während die Pfingstnummer,2814) aus Berlin den Prozeß 
Tausch-Lützow durch sechs Bilder: 1. der Gerichtshof, 2. die Angeklagten 
und ihre Verteidiger, 3. die Anklagebchörde, 4. von der Geschworenen 
bank, 5. Aufrufen der Zeugen, 6. das Auditorium aufrollt. Die begleitende 
Skizze dazu stammt aus der Feder des in letzter Zeit vielgenannten, 
markig schreibenden Schriftstellers A. Oskar Elaußmann in Berlin, der 
früher bekanntlich Kriminalbeamter war. Die ganzseitigen Bilder: 
„Herzensecho" (nach einem Gemädc von I. Bernard), „die Macht zu 
Lande" (Marmorgruppc am neuen Flügel der Wiener Hofburg), „der 
Ramolkopel im Otzthat" (nach der Natur gezeichnet von M Zeno Diemer), 
das Äadettcnschulschiff Charlotte" (Originalzeichnung von Willy Stöwer), 
„das am 6. Mai enthüllte Maria Theresia-Denkmal in Preßbnrg", 
sowie die Ansichten von der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und 
Gewerbe-Ausstellung zu Leipzig und von der Allgemeinen Gartenbau- 
Ausstellung zu Hamburg sind Zierden beider Nummern. 
„Ueber Kakaoernährung" haben die Herren Dr. Alfred Beddies, 
städtischer Nahrungsmittelchemiker, und Physiker Dr. med. Tischer eine 
Studie erscheinen lassen lBerlin, Verlag von Conrad Skovnik), deren 
wesentlichster Verdienst darin besteht, in exaktwiffenschaftlicher Darstellung 
die Gleichwertigkeit der wohlfeileren deutschen Kakaomarken mit den neuen 
sogenannten holländiscben Kakaos zu erweisen. Die Versuche wurden 
mit van Houtens Kakao und den Hallenser Marken Helios, Sanitas, 
und Economia von der Kakao-Versand-Compagnie Theodor Reichardt 
vorgenommen. Die Schrift dürfte dazu beitragen, den Kakao, der nicht 
nur, wie Kaffee und Thee, ein Genußmittel, sondern auch ein Nährmittel 
ist, die ihm zukommende Verbreitung zu erschließen. Die Autoren 
plädieren auch in ihrer Studie nachdrücklich für die ausschließliche Ver 
wendung der billigen und hochwertigen deutschen Erzeugnisse. 
Inhalt: Pints Poloniae. Historischer Roman von 
C. Gründler lFortsetzung). — Rudolf Lange und die Feier 
seines 80. Geburtstages. (Mit2 Abbildungen.) — Ein Charakter 
bild aus der Zeit vor 300 Jahren. — Dietrich von Quitzows 
Tod. — Kleine Mitteilungen: Zum sechzigjährigen Regierungs 
Jubiläum der Königin Viktoria vor England. Das 175jährige Jubiläum 
der Garnisonkirche. Aus der Geschichte des früheren Schlosses, jetzigen 
Seminars in Cöpenick. Osfiziers-Mundierungen unter Friedrich dem 
Großen. Garten-Costüm-Fcst im Marmor-Palais zu Potsdam. Der 
Kronprinz als Amateurphotograph. Zur Parade am 24. November 1834. 
August von Heyden f. Schlechtes Beispiel. — Büchertisch. 
Wieder ein neues Preisausschreiben finden wir in Nr. 31 der 
Wochenschrift für die deutsche Frauenwelt „Von Haus zu Haus" in 
Leipzig, an dem sieb alle fcdergcwandten Hausfrauen und solche, die es 
werden wollen, beteiligen können. Auf Grund eigner Erfahrung sollen 
die Leser und Leserinnen gute Bezugsquellen angeben und besprechen, 
die alles für Haus und Familie Notwendige umfassen, und aucki auf 
praktische Weihnachtsgeschenke hinweisen Es sind 100 wertvolle Preise 
ausgesetzt. Der erste Preis besteht in einem hocheleganten Salon- 
Pianino von P. Ritmnller u. Sohn in Göttingen (Wert 900 Mark), 
dem sich andere kostbare Preise anschließen. Näheres ist aus Nr. 31 der 
Wochenschrift „Von Haus zu Haus" zu ersehen, welche auf Verlangen 
von Adolf Mahn's Verlag in Leipzig überall hin kosten- und portofrei 
versandt wird. 
MF* g>n|crati; nictocn nun eer GeschäflSsrelle Berlin .N., Schönhauser Allee 141, — Fernsprechuelle 111 8461, — sowie ovn allen rennoneen- 
BureauS entgegengenommen. — Der Preis für die 4sach gespaltene Petit-Zeile beträgt 40 Pf. 
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