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Periodical volume 22. Mai 1897, No. 21

Full text: Der Bär Issue 23.1897

Nadelhölzern am besten die Stadlluft verträgt, am meisten 
vertreten ist. Hotteia japonica begrenzt den Ep Heu und 
giebt die Linien wieder, die jedoch in der Wirklichkeit viel 
weniger auffallen wie auf dem Plan (siehe S. 245). 
Um den in der Mitte befindlichen Gaskandelaber baut 
sich eine Blattpflanzengruppe aus Sparmannien, Abutilon, 
Aralien und Dianellen auf, aus denen hohe Cordylincn, 
Chamaerops und Yuccas hervorragen. Im Winter ersetzen 
Rottannen, Thuja und Buchsbaum ihre Stelle. Einzeln aus 
dem Rasen erheben sich sechs prächtige Gunnera scabra, an 
die sich kleine Gruppen aus Scirpus nata]ensis anschließen. 
Ein Kreis aus Lobelien umschließt das ganze Mittelstück. 
Die an der äußeren Peripherie dieses Mittelkreises liegenden 
sechs Akroterienformen werden im Sommer mit Pelargonien 
in einheitlichen Farben, dunkelrot. rot oder rosa, und die diese 
Beete umgebenden Bänder mit Lobelien bepflanzt. Im 
Frühjahr sind es vornehmlich Vergißmeinnicht und Stief 
mütterchen, im Herbst Astern, die hier ihre Verwendung finden. 
Die Mittelgruppen auf den Rasenbahnen längs der Krausen 
straße werden ebenfalls mit dekorativen Pflanzen mehr tropischen 
Charakters, die beiden links und rechts vom Steindenkmal 
befindlichen mit großen Phormium tenax besetzt; Funkia 
Sieboldii, Funkia alba und verschiedene Jrisarlen fassen 
diese Gruppen ein, die im weiteren Umkreise noch von einem 
Band aus Monatsrosen umgeben werden. 
Die mittleren Rasenflächen weisen zwei Springbrunnen 
auf. Diese wirken nicht allein durch die Großartigkeit des 
Wasserstrahls, sondern zeichnen sich auch durch ihre zweckent 
sprechende Gestaltung aus. Das Bassin ist aus Beton her 
gestellt und mit Tuffsteinen belegt, die, in äußerst geschickter 
und natürlicher Anordnung gruppiert, allmählich in den Rasen 
übergehen und die Begrenzung des Wassers bilden. An 
geeigneten Stellen im Waffer oder am Rande find zwischen 
den Steinen Iris, Funkten, Canna und ähnliche Stauden 
gepflanzt, wodurch die Monotonie des Steines verdeckt 
und eine gewisse Lebhaftigkeit erzeugt wird. Diese Art Bassins 
verdienen unbedingt vor denen, die sich mit einem Rand aus 
Mauerwerk gleichmäßig über den Rasen erheben, den Vorzug, 
da sie ein leichteres und gefälligeres Aussehen haben. 
Die auf dem Plan eingezeichneten Baulichkeiten zeigen 
unter a. Bedürfnisanstalt für Männer, b. eine gleiche für 
Frauen, c. eine Trinkhalle, d. Anschlagsäulen, die teilweise 
vorhanden waren und leider ein notwendiges Attribut groß 
städtischer Plätze bilden. 
Der Platz hat innerhalb der Fahrdämme eine Fläche 
von 11935 qm, während die Schmuckfläche 10035 qm 
beträgt. Die Anlage wurde im Frühjahr 1887 während 
eines Zeitraumes von zweieinhalb Monaten von dem jetzigen 
Garteninspektor Herrn A. Fintelmann, unter der Oberleitung 
des Städtischen Gartendirektors, von dem auch der Entwurf 
herrührt, ausgeführt und kostete einschließlich der Unterhaltung 
im ersten Jahre und der gesamten Pflasterungs- und Regu- 
lieiungskosten — die Wege find alle aus Mosaiksteinen her- 
gestellt — 70000 Mark. Ganz Berlin schaute gespannt diesem 
Werke zu, und selten ist wohl den allgemeinen Verkehrsbedürf- 
nissen und der Geschmacksrichtung besser entsprochen worden 
als hier. Die Schmuckanlage des Dönhoff-Platzes dürfte daher 
mit Recht als ein Juwel unter den neueren Werken der 
deutschen Gartenkunst angesehen werden. 
II. Zur Geschichte der „Vossischen Zeitung". 
(Schluß.) 
Der jähe Zusammenbruch des preußischen Staates im 
Jahre 1806, der Handel und Wandel lahm legte, brachte 
naturgemäß die beiden Berliner Zeitungen (oie „Voffische" 
und die „Spenersche") in eine sehr gefährdete Lage: beide 
mußten sich den franzöfischeu Machthabern fügen, wenn sie 
weiter bestehen wollten. Ueber das furchtbare Unglück von 
Jena und Auerstädt berichtet die „Voffische Zeitung" am 
18. Oktober 1806 mit gewöhnlichen Lettern: „Laut vorläufig 
eingegangenen Nachrichten hat die Armee des Königs am 14. 
dieses bei Auerstädt eine Schlacht verloren; die näheren Um 
stände find noch nicht bekannt, doch weiß man, daß Se. Majestät 
der König und dessen Brüder, Kgl. Hoheiten, am Leben find." 
Diese lakonische Notiz ist bezeichnend für die inhallliche 
Unbedeutendheil und Dürftigkeit, welche die Berliner Zeitungen, 
und die deutschen überhaupt, noch am Anfang des 19. Jahr- 
hunderis aufzuweisen halten. Sie waren durch die Hemmnisse 
der Zensur und durch die Gleichgiltigkeit des mittleren Bürger 
standes weit hinter den französischen und englischen Zeitungen 
zurückgeblieben. In politischen Dingen kannten sie nur eine 
überaus vorsichtige Berichterstattung, ohne Untersuchung von 
Ursache und Wirkung, ohne Charakteristik der handelnden 
Personen. Daß sie nach dem Zusammenbruch des Staates 
unter der franzöfischeu Zensur ihre Nachrichten zwangs 
weise aus franzöfischeu Blättern abdruckten oder aus dem 
schändlichen „Telegraphen", der mit französischem Gelde erhalten 
wurde, daraus kann ihnen kein billig Denkender einen Vorwurf 
machen. Der Versuch des Gegenteils wäre Selbstmord gewesen; 
eine nicht franzosenfreundliche Nummer hätte die Preffe gar 
nicht verlassen dürfen. Wie kann man auch von den Zeitungs 
schreibern, die man seit Jahrhunderten zu elnfachen Reportern 
herabgewürdigt halte, einen Mut verlangen, den die Behörden 
nicht besaßen? Mahnte doch der Fürst Hatzfeldt, der Civil- 
gouverneur Berlins, am 19. Oktober 1806 mit den zahmen 
Worten zur Ruhe: „Der Ueberwinder ehrt nur ruhige, männ 
liche Hingebung im Unglück; ruhige Fassung ist dermalen 
unser Los," und der Berliner Magistrat verbot sogar „bei 
Todesstrafe, den Franzosen irgend einen Widerstand zu leisten," 
und forderte „bei Leibesstrafe" jeden auf, sich während des 
Einzuges ja ruhig zu verhalten" (Vosslsche Zeitung" vom 
21. Oktober 1806). 
So fügten sich beide Berliner Zeitungen dem französischen 
Zwange und zeigten während der Franzosenzeit ein französisches 
Gepräge, welches aber weder auf die Gesinnung ihrer Heraus 
geber noch ihrer Leser einen Rückschluß zuläßt. Die Franzosen 
wußten jede Zeile zu unterdrücken, die ihnen nicht gefiel: so 
bringt die „Voss. Ztg." vom 1. November 1806 eine Statistik 
über die Industrie zweier französischer Departements, offenbar 
als Lückenbüßer für Artikel, die der französische Zensor gestrichen 
hatte. Die „Spenersche Zeitung" teilt am 6. November 1806 
mir, „auf Befehl" sei der Druck der Nummer unterbrochen 
und ein Artikel durch andere ersetzt worden (vergl. Pufahl, 
Berlin zur Franzosenzeit, S. 16 u. ff.) Dieser Ton der 
Berliner Zeitungen hat dem Ruf der Hauptstadt in hohem 
Maße geschadet; „er berechtigte die Fernerstehenden zu den 
traurigsten Schlüffen in Bezug auf die Herausgeber der
        
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