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Periodical volume 15. Mai 1897, No. 20

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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nahm diesen Beweis von dankbarer Ergebenheit mit seiner 
gewohnten Huld und Gnade auf. Am 9. November waren 
die rechte Hand und die Füße des Königs etwas dünner 
geworden. Dieser Umstand gab ihm einige Hoffnung auf 
Genesung, aber freilich nicht den Aerzten, die darin vielmehr 
ein schlimmeres Symptom zu sehen glaubten. Am 10., 
Freitags, zeigte der linke, geschwollene Fuß zugleich eine Röte, 
durch welche ungefähr ein Theetopf von „wäfferigter Feuchtig 
keit" geflossen war. An eben diesem Tage statteten Ihre 
Majestät die Königin einen Besuch bei ihrem Gemahl ab. 
zogen am Lager, oder vielmehr am Sitze des Kranken aus 
ihrem Muff eine leichte, blauseidene, wattierte Decke hervor, 
und legte sie mit eigenen Händen über ihn. 
Der König dankte dafür mit Rührung und liebevoller 
Freundlichkeit, behielt diese Decke nachher bis an sein Ende, 
und fand sie wegen ihrer Leichtigkeit sehr wohlthuend. Drei 
Tage vor seinem Tode gab der König selbst, da seine 
Schmerzen sich mit jeder Stunde vermehrten, die Hoffnung zu 
seiner Genesung auf und erwartete den Tod mit Standhaftig 
keit. Während dieser Zeit sagte er einmal zum Herrn General- 
Chirurgus Görcke: „Ich bin ein Mensch und muß wie 
ein anderer Mensch leiden. Aber ich bitte Gott, daß 
er mir meine Leiden möge ertragen helfen." (Dabei 
faltete er die Hände). Ter Gencral-Chirurgus erwiederte: 
„Gott hat in dem Kriege, wo Ew. Majestät sich allen Gefahren 
aussetzten, so wunderbar über Sie gewacht und Sie beschützt; 
er half Ihnen gewiß auch Ihr Leiden ertragen." Nun schwieg 
der König wieder, und sprach nach einiger Zeii von anderen 
Dingen. Niemand sagte etwas zu seinemMrost. da er bei 
einer so ruhigen Fassung dessen, nicht bedurfte. Zwei Tage 
vor seinem Tode äußerte er von selbst gegen die bei ihm 
befindlichen Personen: „Ich fühle, daß wir uns bald trennen 
müssen." Nach einer Pause fügte er hinzu: „Ich habe meine 
Pflicht gethan; die Feldzüge haben mir geschadet." 
(Schluß folgt.) 
Kleine Mitteilungen. 
Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin, 
dessen Porträt wir auf Seite 237 bringen, ist der Sohn des am 
10. April d. I. in Cannes nach langen schweren Leiden verstorbenen 
Großherzogs Friedrich Franz III. und der Großfürstin Anastasia. 
Der jugendliche Großherzog ist am 9. April 1882 geboren, er war daher 
gerade 15 Jahre alt, als sein Vater starb, dessen Herzensgute und 
ritterlich-vornehmer Sinn sich hoffentlich auf den jungen Fürsten vererbt 
hat, an dessen Stelle während der Minderjährigkeit desselben Herzog 
Johann Albrecht, der thatkräftige Präsident der deutschen Kolonial- 
Gesellschaft, in Mecklenburg-Schwerin die Regierung führt. - e. 
EiM^uMich.WiWlM^«MM-ÄkMW»MWM«dMMdftrcicher 
vom 80. November 1739. Unter dem 30. November 1739 erließ König 
Friedrich Wilhelm I von Preußen nachfolgendes Edikt gegen die Zigeuner 
und andere Landstreicher: 
Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden, König in Preussen, 
Marggras zu Brandenburg, des Heil. Römschen Reichs Ertz-Cämmerer 
und Churfürst, Souverainer Printz von Oranien, Reufchatel und Vallcngin, 
in Geldern, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Berge, Stettin, Pommern, 
der Cassuben und Wenden, zu Mecklenburg, auch in Schlesien zu Crossen 
Hertzog, Burggraf zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden, Camin, 
Wenden, Schwerin, Ratzeburg. Ost-Frießland und Meurs, Graf zu 
Hohenzollern, Ruppin der Marck, Ravensberg, Hohenstein, Tecklenburg, 
Lingen, Schwerin, Bühren und Lehrdam, Herr zu Ravenstein, der Lande 
Rostock, Stargard, Lauenburg, Bütow, Arlay und Breda, rc. rc. re. 
Thun kund und fügen hiemit zu wissen: Demnach zu Unserm nicht 
geringen Mißfallen vielfältig wahrgenommen worden, daß man Unsere 
wegen derer auf dem Lande sich so häufig ziehenden Ziegeuner, herum 
streichenden Bettler, und Vagabonden, verschiedentlich emanirte heilsahme 
Verordnungen sehr schlecht beobachte, ja fast gäntzlich ausser Augen setze, 
Wir aber sothanen, zum besten des gemeinen Wesens gereichenden, Pa 
tenten überall vollkommenes Gnügen geleistet wissen wollen: 
Als renovircn und bestätigen Wir sämtliche dieserhalb publicirte 
Edicta, sonderlich dasjenige, so unterm 20. December 1727. so 
ernst- als nachdrücklich ergangen, daß alle fremde Bettler und Land- 
verderbliches loses Gesindel sich relitirircn, und gäntzlich ausser Landes, 
die Einheimischen aber an die Oerter ihrer Gebührt, oder wo sie 
bishero einige Jahre gewöhnet und sich sonst genehret haben, begeben 
sollen: Gestalt dann alle diejenige, so irgend wo sonsten angetroffen und 
aufgegriffen werden, gleich nach den Vestungen gebracht, und daselbst 
nach Maßgebung Unserer Circulair-Ordre vom 25 April 1728, so an 
lämbtliche Gouverneurs ergangen, so fort aufgenommen werden müssen. 
Jmgleichen renovircn Wir auch die gedruckte Instruction vom 20. No 
vember 1730. wie cs mit Aufhebung der Ziegeuner und anderer Land 
streicher zu halten, auch was Massen, umb das Land von dem liederlichen 
Gesindel rein zu halten, und das Betteln zu verhüten, selbiges so gleich 
bey den Grentzen im ersten Dorffe anzugreiffen, und wegzuschaffen sey: 
Schärffen aber und extendiren zugleich selbige Kraft dieses dahin, 
daß von nun an diejenige Gerichts-Obrigkeit, so dergleichen Ziegeuner, 
Landstreichern, und Land-Bettlern, wissentlich einen Auffenthalt, oder 
gar eine Herberge und Nachtlager, in ihren Gütern verstattet, und nicht 
so fort, oder wenigstens als bald es nur seyn kan, in Conformität 
Unsere Verordnungen, selbe angehalten und aufgehoben, mit Verlust der 
Jurisdiction, oder ein Tausend Thaler Straffe an Gelde, angesehen; 
die Schultzen und Gemeinde aber, so hierunter säumig, oder bemelden 
Gerichts-Obrigkeiten nicht behörig hülffliche Hand geleistet haben, mit 
empfindlicher Leiber- und nach Befinden auch so gar Vestungs-Straffe 
unablässig angesehen werden sollen. 
So bald nun ein solcher Zigeuner, oder anderer herum »eignender 
Bettler und Landstreicher, attrappiret wird, und aus dessen Aussage 
erhellet, daß er bey hellem Tage durch ein oder anders Doiff durch 
gegangen, auch etwa daselbst gebettelt oder sich sonsten verdächtig gemacht, 
und von Leuten gesehen nicht aber arrctiret wordene So muß dos 
Protocoll so fort der Regierung eingesand werden, welche alsobald durch 
einen fiscalischen Bedienten ex Offica es untersuchen und die Schuldigen 
nach diesem Edict straffen lassen muß. Massen denn allen llnseren 
Regierungen, Krieges- und Domainen-Cammern, Justitz-Collegiis, 
General-Fiscal und fiscalischen Bedienten, Acmbtern, Gerichts-Obrigkeiten 
und Befehlshabern injungiret wird, rejpcctive darüber, wie über alle 
andere, der Zigeuner, Land-Bettler und Landstreicher halber ergangenen 
Verordnungen, nachdrücklich zu halten, und damit sich niemand mit der 
Unwissenheit entschuldigen möge, dieses Edict alle Jahr von denen 
Canzcln ablesen zu lassen. 
Uhrkundlich unter Unserer höchsteigenhändigen Unterschrifft und 
aufgedruckten Königlichen Jnnsicgel. Gegeben Berlin, den 30. No 
vember 1739. Fr. Wilhelm. 
fürsten SHtall’ "fast '*ofö Statthalter der 
Mark auf dem Berliner (Cölner) Schlosse, während sein Vater die 
fränkischen Besitzungen verwaltete. Im Jahre 1473 hatte er sich mit 
der Prinzessin Sophie Margarete von Sachsen verlobt, aber zum Heiraten 
fehlte ihm — Geld. Kläglich klingen die Briefe, die er an seinen Vater 
jchreibt. Er sei doch groß genug für ein Weib und Margarete groß 
genug für einen Mann. aber er wußte nicht, „wie er sich schmücken und 
woher sie es nehmen sollten", obgleich „es nun wohl Zeit wird, daß 
solches angefangen würde zu machen", denn „es ist Ew. Liebe wohl 
wissentlich, wir vermögen's an dem unsrigen hier nicht." — Wir sind 
in unserer Haushaltung gar geringe versehen mit Bettgewand, Lacken, 
Polster, Tischdecken imd allen anderen das dazu dient, dazu (wozu) auch 
etwaiges Geld gehört. Auch wie schwach wir an Silbergeschirr, ist Euch 
wissentlich. Denn wir haben nicht mehr an Silbergeschirr, als wie die 
Ew. Liebe zugeschickten Zettel innehalten, ausgenommen 12 silberne 
Löffel, die wir nach Eurer Abreise haben machen lassen." Bei dem Ge 
danken an die vielen Gäste, die mit Dienern und Pferden zu der Hoch 
zeit kommen würden, seufzt der arme Kurprinz: „Und allen diesen 
Leuten Ausrichtung zu thun mit aller Nothdurfft und Zugehörung, 
nachdem der Hafer sehr theuer ist, das versteht Ew. Liebe besser, denn 
(ob) wir das schreiben können, wo das hinauslaufen will, zumal, da 
wir keinen Pfennig dazu - irgend-) woher zu nehmen wissen." Die Hoch 
zeit fand erst am 24. August 1P76 und gewiß unter diesen Umständen 
nicht sehr glänzend und prachtvoll statt. 
Der letzte Verwundete von Spichcrn, der infolge der schweren 
Verletzung seiner Lunge noch im Jahre 1874 das Garnisonlazareit von 
Saarbrücken nicht verlassen durste, war der Füsilier August Fender der 
10 Compagnie 48. Regiments Als in Saarbrücken am 9. August 1874 
das großartige Denkmal an den Sieg von vom 6. August auf dem 
Winterbcrg eingeweiht wurde, vergaß man dieses „Letzten von Spichcrn" 
bei dem der Einweihung folgenden Festmahle nicht: eine für den Armen 
bei der Tafel veranstaltete Sammlung ergab die Summe von 170 Thlr. 
Damit war eben auch gleichzeitig Veranlassung gegeben, daß in den
        
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