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Periodical volume 1. Mai 1897, No. 18

Full text: Der Bär Issue 23.1897

der Mark Brandenburg und der angrenzenden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Grrist G Darde»), Dr. R> Ksvinguier. Professor Dr. Krocizvr, Dr. H. HrendtcKe, Ttzeodor Fontane, Stadtrat 
G. Fviedel, Rictiard George, Ford. Meqer, Gymnasialdirektor a. D. Dr. W. Krtiwartz und G. o. Mitderrbruei» 
herausgegeben von 
Friedrich Zillessen. 
XXIII. !! ver „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede postanftalt (tto. 809), Btichbandlunq und Seitungs- !! 1. Mai 
Jahrgang. ! spedition für LMk. 60 Pf. vierteljÄhrl, ru beziehen. Auch die Geschäftsstelle — Berlin bl. 58,Schü»h. Allee 141 — nimmt jgyj 
M 18. I Bestellungen entgegen, Jnseraten-Aufträge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. Petitzeile kostet 40 Pf. 
Finis Poloniae. 
Historischer Roman von C. Gründlor. 
(16. Fortsetzung.) 
VI. 
Endlich, am 11. September, setzte sich auch die preußische 
Armee in Bewegung. 
Durch den unaufhörlichen Regen der letzten Tage waren 
die Wege aber aufgeweicht und kaum passierbar geworden. 
Dazu herrschte die größte Verwirrung. Die Kolonnen gerieten 
durcheinander und mußten oft weite Umwege machen. Erst 
in tiefer Nacht kam man an dem nächsten Lagerplatz an. Die 
einzelnen Truppeukörper konnten die ihnen angewiesene Stelle 
im Dunkeln nicht finden. Die verfaulten Schlingen der Zelt 
tücher zerrissen, und der kalte Wind schlug die Tücher über 
dem Kopf zusammen. Und dies angesichts der französischen 
Armee, die dicht gegenüber unter Dumouriez bei St. Juvin 
und Grandpre stand, wie der Kronprinz in seinem Tagebuche 
erzählt. 
Allein bei den Franzosen sah es, wo möglich, noch schlimmer 
aus. Das gegenseitige Mißtrauen unter den Kommandierenden 
hatte einen bedenklichen Grad erreicht. Die Pariser Frei 
willigen hausten wie Räuberbanden im eigenen Lande. Dabei 
halten sie weder Ausdauer im Marsche, noch Disziplin oder 
Mut im Gefecht. — 
Der österreichische General Clairfait, durch einige preußische 
Truppen verstärk», machte den Versuch, die Umgehung der 
Argonnen auszuführen. Er griff die Franzosen unter Chasot 
am 14. September bei Bois le Comte an. Die österreichische 
Artillerie eröffnete das Feuer auf die gegenüberstehende 
französische Artillerie, unter deren Schutz starke Infanterie- 
Kolonnen vorgezogen waren. 
Die Ziethen-Husaren, welche etwas seitwärts postiert 
waren, machten, ungeachtet des ungünstigen Terrains, eine 
stürmische Attacke auf die französische Infanterie. Sie wurden 
mit einen Hagel von Flintenschüssen empfangen. Ob 
wohl nicht wenige fielen, brauste das Regiment doch wie 
ein Gewittersturm weiter über das Blachfeld und war nach 
wenigen Augenblicken mitten in der feindlichen Infanterie, ehe diese 
Zeit gehabt hatte. Colonne zu formieren. Wie da die Säbel 
auf die Köpfe der bestürzten Franzosen hernieder sausten! Ein 
panischer Schrecken ergriff sie, und in wildester Flucht stürzte 
sich die Infanterie auf die Artillerie, die eiligst aufprotzte und 
auf der nächsten Höhe Deckung suchte. Ueberall erscholl der 
Ruf: Sauve quipeut! Zehntausend Mann waren vor einer 
Handvoll preußischer Husaren geflohen. Die Flüchtlinge 
stießen Verwünschungen aus gegen die Generale, welche Ver 
räter seien, und mehr als fünfzehnhundert Deserteure liefen 
querfeldein und verbreiteten in Paris und durch ganz Frank 
reich die Nachricht, die Nordarmee, die letzte Hoffnung des 
Vaterlandes, sei vernichtet und der Weg nach Paris stehe 
dem Feinde offen. 
Dumouriez schrieb am folgenden Tage der Nationalver 
sammlung: „Ich war genötigt, das Lager von Grandpre auf 
zugeben. Der Rückzug war angetreten, als ein panischer 
Schrecken die Armee befiel; zehntausend Mann ergriffen die 
Flucht vor fünfzehnhundert preußischen Husaren. Der Verlust 
beläuft sich auf fünfzig Mann und einige Bagagewagen. 
Alles ist wieder in Ordnung, und ich sage gut für alles." 
Der Paß von Grandpre war frei. In dem Heere der
        
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