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Periodical volume 10. April 1897, No. 15

Full text: Der Bär Issue 23.1897

meisten Jagdgäste — ausgelacht. Auf diesen lustigen Zweck bezieht sich 
auch die Inschrift, die auf einer silbernen Platte an dem Geweihbecher 
angebracht ist. Sie lautet wörtlich: „Bon Sr. Majestät dem König an 
Ihre Majestät die Königin. Mit der Bitte gnädigst gestatien zu wollen, 
daß dieser problematische Becher bei den großen Jagdpartien (in der 
Grimnitz, Lctzlingcn, der Potsdamer Gegend) in Jbrer Majestät Namen 
den Jagdjüngsten vorgesetzt werde, um auf Ihrer Majestät Gesundheit 
zu trinken ohne sich zu besabbern. Fritz." E. Fr. (Brandenburgia.) 
Für die Ausschmückung der Sieges-Allee hat der Kaiser einen 
weiteren Auftrag vergeben. Emil Graf von Görtz, der Direktor der 
Weimarer Kunstschule, ist mit der Ausführung einer Gruppe betraut 
worden. Graf Görtz erhielt vor zwei Jahren bei dem kaiserlichen Aus 
schreiben für die Ergänzung des Pergamenischen Kopfes eine ehrende 
Anerkennung. Von den 32 Gruppen sind jetzt 20 vergeben (nicht 18, 
wie wir zu der Notiz in No. 11 berichtigend bemerken), von denen 
allerdings zwei durch den Tod von Enke und Bärwald erledigt sind. 
Ueretns -Nachrichten. 
Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. Sitzung 
vom 10. März 1897. Herr Graf Lippe-Wcißenfeld legte das 
Ordensbuch vor, welches, 1844 in Brüssel von A. Wahlen herausge 
geben, 341 Großoctavseiten französischen Text und sehr viele Illustrationen 
enthält. Unerwähnt mußte hier bleiben eine den „Vivatbändern" gleich- 
geartete Medaille d. d. 19. IV. 1758, über deren Entstehung und Zweck 
Graf Lippe mitteilte: Am genannten Tage besetzten, nach Zurücklreibung 
des Feindes, preußische schwarze Husaren die rheinische Stadt Emmerich 
Die dortigen gutpreußischen Einwohner stifteten zur Kundgebung ihrer 
großen Freude, ihrem früheren Landcsherrn wieder anzugehören, jenes 
Gedenkstück. 
Herr Archivrat Dr. Bailleu behandelte, unter Hinweis auf die 
Hundertjahrfeier, die Bestrebungen des Prinz-Regenten für eine 
Reform der Kriegsverfassung des deutschen Bundes. In 
Anlehnung an bisher unbenutzte Denkschriften und Briefe des Prinzen, 
hauptsächlich aus dem Jahre 1860, aus denen er die wichtigsten Stellen 
wörtlich mitteilte, wies der Vortragende nach, daß der Prinz, infolge 
der bei der Mobilmachung des Jahres 1859 gemachten Erfahrungen, 
im September dieses Jahres zugleich mit der preußischen Heeresreform 
auch eine Reform der Kriegsverfassung des deutschen Bundes in Angriff 
genommen habe. Der Zweck des Prinz-Regenten war dabei ein doppelter. 
Einerseits erstrebte er die Beseitigung der praktisch ohnehin undurchführ 
baren Bestimmung der Bundeskriegsverfassung, nach welcher im Falle 
eines Krieges ein einheitliches Bundcsheer, dem auch 3 preußische 
Armeekorps angehörten, aufgestellt und dann vom Bundestag ein 
Bundesoberfeldherr gewählt werden sollte. Der Prinzrcgcnt wünschte 
für den Fall eines deutschen Krieaes mit einer Großmacht eine Zwei 
teilung des Bundeshcers in der Weise, daß die norddeutschen Bundes 
truppen dem preußischen, die süddeutschen Truppen dem österreichischen 
Heere angeschlossen würden. Feiner verlangte der Prinz, im deutschen 
Bunde wie in Preußen, eine Verstärkung der Wehrkraft und eine Er 
höhung der Kriegsbereitschaft. Dies Ziel sollte erreicht werden durch 
eine Vermehrung des Prozentsatzes der Bundcsmatrikel, Durchführung 
einer ununterbrochenen 3jähiigen Dienstzeit, Einführung des preußischen 
Reglements für die Kontingente eines Bundeskorps, Gleichheit des 
Gewehrkalibers, Annahme der preußischen Mobilmachungsordnung, 
Vermehrung und Verschärfung der Bundesinspektionen u. s. w. Leider 
ist dies umfassende Reformprogramm in seinem vollen Umfang damals 
überhaupt nicht zur Verhandlung gekommen. Nur die Frage der Ein 
teilung des Bundcshecres und des Oberbefehls ist in vielen Sitzungen 
am Bundestage erörtert worden, wobei die preußischen Vorschläge 
namentlich bei den Mittelstaaten lebhaften und nachhaltigen Widerspruch 
fanden. Die Folge war das völlige Scheitern dieser an die Mobil 
machung von 1859 anknüpfenden Reforutbcwegung. 
Hirr vr. V. Loewe sprach sodann über die Allodifikation 
der Lehen in der Mark im Jahre 1717. Als die auf dem Lehn 
wesen beruhende Hceresversassung sich in den Kriegen des 17. Jahrhunderts 
für jedes ernste Unternehmen als unbrauchbar erwies, gestattete man in 
Brandenburg wie anderwärts den Vasallen, die Verpflichtung zur 
Stellung der Lehnpferde durch Zahlung einer Geldsumme abzulösen, 
ohne daß man schon daran dachte, die noch bestehenden Rechtsgrundlagen 
des Lehnwesens anzugreifen. Das erste Mal wurde im Jahre 1712 in 
einer vielleicht von Katsch entworfenen Denkschrift der Gedanke erwogen, 
die Staatseinkünfte dadurch zu vergrößern, daß man den Vasallen die 
Lehen zu freiem Eigentum überließe und sie dafür zur 'Zahlung eines 
jährlichen Canons verpflichtete. Das Projekt scheiterte damals am Wider 
spruch der Geheimen Räte. Es wurde erst gegen Ende des Jahres 1716 
auf Betreiben von Kaisch wieder aufgenommen. Hervorzuheben ist das 
ganz besondere, sich in zahlreichen eigenhändigen Verfügungen und 
Marginalien äußernde Interesse, das der König an der Durchführung 
des Reformwerkes nahm, wenigstens soweit es die Mark betraf. Es 
erging am 5. Januar 1717 das Edikt beirtffend die Aufhebung der Lehen 
in allen Gebieten der Monarchie, das den Vasallen die Verwandlung der 
Lehngüter in freies Eigentum verhieß, wofür sic für jedes Ritterpferd 
einen jährlichen Canon von 50 Thalern zahlen sollten. Die hierüber 
eingeforderten Erklärungen der märkischen Stände sprachen sich fast ohne 
Ausnahme gegen die geplante Veränderung aus; neben den Klagen über 
die Höhe des Canons brachten fast alle den Einwurf vor, daß das aus 
der Allodifikation sich ergebende freie Verfügungsrecht' die Interessen der 
alteingesessenen Familien aufs tiefste schädigen würde. Der König ent 
schloß sich bald, den Canon auf 40 Thaler herabzusetzen, zugleich be 
gnügte er sich damit, die Convertierung vorerst nur in der Mark durch 
zuführen, weil in den übrigen Provinzen die lehnrechtlichen und die 
damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Verhältnisse sehr verschieden 
waren; überdies trat überall die Abneigung der Vasallen gegen die Ver 
wandlung hervor. Die märkische Ritterschaft stimmte schließlich in ihrer 
Mehrheit dem Reformwerke zu, dafür gewährte ihr der König in der 
Assccuration vom 30. Juni 1717 das Recht, durch Familienverträge die 
alten lehnrechtlichen Bestimmungen über Erbgang, Ausstattung der 
Töchter, Consens d,r Agnaten u. s. w. wiederherzustellen. Nur die alt 
märkische Ritterschaft widersetzte sich noch weit rhin der Reform und mußte 
schließlich durch Exccution zur Zahlung des Canons angehalten werden. 
Betrachtet man somit diese Reform in dem großes Zusammenhange der 
Auflösung des Lehnwesens, so kommt ihr hierfür keine allzugroße Be 
deutung zu, sie wurde in erster Linie zu finanziellen Zwecken ins Werk 
gesetzt, und mehr als einmal äußerte der König, er wolle den Vasallen 
chre Lehen gern belassen, wenn sie nur den Canon zahlen wollten. 
Kjjchertisch. 
Das Pflanzenreich. Ein Handbuch für den Selbstunterricht, sowie ein 
Nachschlagcbuch für Gärtner, Lanv- und Forstwirte und alle 
Pflanzcnfrcunde. Bearbeitet von Prof. vr. K. Schumann, 
Kustos am Königl. Botanischen Museum zu Berlin und Privat- 
docent, vr. E. Gilg, Assistent am Königl. Botanischen Garten 
zu Berlin und Privaldocent. Erscheint in 20 Lieferungen zum 
Preise von je 30 Pf. und umfaßt 54 Druckbogen mit 480 Ab 
bildungen und 6 bunten Tafeln. Preis komplett, fein geheftet 
6 Mk., hochfein gebunden 7 Mk. 50 Pf. Verlag von I. Neu 
mann, Neusamm. 
Mit dem genannten Werke, von welchem uns die ersten beiden 
Hefte vorliegen, wird unseren Lesern ein Werk geboten, welches sie in 
jeder Beziehung fesseln und anrege» wird, und dessen Anschaffung wir 
nicht genugsam empfehlen können, zumal der Preis derselben ein ganz 
besonders wohlfeiler genannt werden muß. 
Die erste Lieferung dieses hochwichtigen Werkes beginnt mit einer 
geschichtlichen Einleitung von Professor vr. K. Schumann, in der der 
Verfasser in kurzer, übersichtlicher und knapper Form alles Wissenswerte 
aus der langen Gffchichte der botanischen Wissenschaft den Lesern vor 
Augen führt Als ein Meister des Stils in Wort nud Schrift fesselt 
derselbe den Leser von Seite zu Seite, und trotz der Fülle des Stoffes, 
den der Verfasser als einer der besten Gelehrten seiner Wissenschaft wie 
wenig andere beherrscht, fühlt der Leser, am Ende des Kapitels angelangt, 
keine langweilige Ermüdung, da in weiser Auswahl das Interessanteste 
in den Vordergrund gerückt, das Nebensächliche nur gestreift wird. 
Ueberall treten uns die großen Fragen unserer Wissenschaft entgegen, und 
durch die kritische Beleuchtung und klare, verständliche Darstellung der 
einzelnen Theorien wird jeder gebildete und denkende Leser unbewußt zu 
eigenem Urteil, zu eigenem Nachsinnen veranlaßt. 
Von größtem, allgemeinem Interesse ist auch der zweite Abschnitt: 
Kurzer Ueberblick über den Bau und die wichtigsten Lebensfunktionen 
der Pflanzen von vr. E. Gilg. Als ein Schüler Schwendeners ist der 
Verfasser mit den Lebensvorgängen und den anatomischen Verhältnissen 
der Pflanze aufs eingehendste vertraut, soweit eben unsere Kenntnis der 
selben reicht. Auch hier wird jeder Pflanzenlicbhaber eine reiche Fülle 
interessanter Thatsachen und Probleme berührt finden. — Kurz, jeder 
einzelne Teil erscheint geeignet, dem gebildeten Laien eine sichere Quelle 
der Belehrung in botanischen Fragen zu sein, welche zu beherrschen bei 
dem immer tiefer in das Volk eindringenden Verständnis für die Natur 
wissenschaften die unabweisbare Pflicht eines jeden ist. Die Selbst- 
belehrung wird erleichtert durch zahlreiche, mit überraschender Treue dar 
gestellte bunte und schwarze Abbildungen. Ein solches Buch sollte in 
keinem deutschen Hause, in keiner Familie, vor allem aber in der Bücherei 
keines gebildeten Landmannes, Gärtners und Forstmannes fehlen. Die 
dem ersten Hefte beigefügte Farbentasel „Obstgcwächse" ist von größter 
Schönheit. Jedermann kann sich übrigens selbst davon überzeugen, da 
die erste Lieferung des Werkes auf Verlangen von der Verlagsbuch 
handlung umsonst und postfrei versandt wird. 
Phryne. Ein Lied aus Alt-Hellas. Von Karl Winderlich, Dresden, 
Leipzig und Wien 1896. E. Piersons Verlag. 141 S. 
Preis 2,00 Mk., geb. mit Goldschnitt 3,00 Mk. 
Ein ergreifender Sang aus dem alten Hellas auf dem Hinter 
grund der Zeit, da man sich nach Alexanders des Großen Tod noch 
einmal auf den Ruhni des Vaterlandes und die alte Heldenhaftigkeit 
besann. Der Verfasser besitzt eine reiche Phantasie in der Schilderung 
der Natur und eine große Menschenkenntnis in der Zeichnung seiner 
Helden sowie eine Tiefe des Gefühls und Kraft des Ausdrucks, wie 
sie selten gefunden werden. Das kleine Werk birgt einen Reichtum 
von dichterischer Schönheit, alles ist schön, formvollendet und warm 
empfunden. b. 
Reden von Heinrich von Treitschkc tut deutschen Reichstage 1871 —1884, 
mit Einleitung und Erläuterungen. Von vr. Otto Mittelstädt, 
Leipzig 1896. Verlag non S. Hirzel. 224 S. Preis 2,40 Mk. 
Die vorliegenden, nach den stenographischen Berichten des Reichs 
tags veröffentlichten Reden sind mehr als eine bloße Auswahl und doch 
auch weniger, als eine vollständige Sammlung derselben. Der Heraus 
geber hat sich darauf beschränkt, einige der echtesten Erzeugnisse der 
Treitschkeschen Genius der Vergessenheit dieser schnell lebenden Tage zu 
entreißen, dagegen kürzere Improvisationen und rein persönliche Aus-
        
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