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Periodical volume 27. März 1897, No. 13

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Und weil er treu war, liebte er die Treuen — 
Kein Schmeichler durfte seinem Throne nah'n! 
— O Schauspiel, selbst die Gottheit zu erfreuen: 
Die Wahrheit war es, die wir um ihn sah'n! 
O deutschen Glückes Morgensonnenschein! 
Wle sich die Mutter freuet ihrer Kinder, 
Mein Vaterland, so schlug Dein Herz geschwinder: 
Der Menschheit größte Männer waren Dein! — 
So aber, wie der Sonne Strahlenpfeile 
Zusammenbindet das geschliffene Glas. 
So wurde eins durch ihn zu Deutschlands Heile, 
Was es an Geistesgröße nur besaß! — 
Und fieggekrönt, geschmückt mit tausend Kränzen, 
Wie gütig blieb der König und wie schlicht! — 
Wohl beugte ihn die Last von neunzig Lenzen: 
Des Herzens Frühlingsglut verlöschte nicht! — 
— Zehn Jahre find's! Von Land zu Lande scholl 
Ein ungeheurer Schrei der Lust, der Wonne! 
Hoch im Zenith stand deutschen Glückes Sonne — 
Ihm jauchzten wir, von Lieb' und Ehrfurcht voll! 
Wir sahen ihn! Mit uns'ren Augen schauten 
Wir in das königliche Angesicht! 
Er stand, umtost von tausend Jubellauten: 
Das ist Erinn'rung, die kein Sturm zerbricht! — 
DgS Leiterstsndbild des Msrionsl-DenkmslK zu Werlin. 
— Treu, tapfer, weise — deutsch mit einem Wort, 
So ward er seines deutschen Volkes Segen, 
Und alle Herzen flogen ihm entgegen. 
Von Lieb' erfüllt, die nimmermehr verdorrt! — 
Wir liebten ihn! Für seinen Kaiser schickte 
So Arm als Reich zum Himmel sein Gebet! 
Für ihn, den spät die Ernte noch erquickte, 
Die Ernte deffen, was er früh gesät! — 
Der Ort war heilig, den sein Fuß betrat! 
Dem, der ihn sah, ward höchstes Glück zu eigen — 
Mit Lorbeer- kamen wir und Eichenzweigen 
Und streuten Rosen ihm auf seinen Pfad! — 
— Nun hat zum Schlaf geschloffen sich sein Aug', 
Um auszuruh'n vom langen, langen Tage. — 
Unsterblicher, Du mehr als Held der Sage, 
Heut' spüren tief wir Deines Geistes Hauch! 
Du, den vor hundert Jahren heut' geboren 
Der Frauen edelste im deutschen Land, 
Von deutschen Männern sei es Dir geschworen: 
Fest steht, was uns gegründet Deine Hand! 
Und ob dereinst uns Tod umgraut und Nacht, 
Wir stehen treu zu Deines Enkels Throne! — — 
Dir aber sei. Du aller Länder Krone, 
O Vaterland, ein brausend Hoch gebracht!
        
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