Path:
Periodical volume 20. März 1897, No. 12

Full text: Der Bär Issue 23.1897

144 
deren Reform er sich aussprach, oder andere in die Verhandlungen hin 
eingezogene Angelegenheiten." Als Abgeordneter für Wirsitz hat der 
Prinz auch einer Sitzung der durch die Ereignisse des 18. März ge- 
schaffenen National-Versammlung beigewohnt. An den parlamentarischen 
Beratungen hat er jedoch sich nicht beteiligt, sondern nnr in einer kurzen 
Rede sein Einverständnis mit der iru geschaffenen Lage der Dinge aus 
gesprochen. 
Kaiser Wilhelm I. mid seine Brandeuburgcr. Am 10. September 
1874 hatte die 5. Division (Brandenburger) die Ehre, zum ersten Male 
wieder nach dem ruhmreichen französischen Feldzüge vor Sr. Majestät 
zu manövrieren. Der Kaiser kam direkt von Berlin in Begleitung 
zahlreicher fremder Offiziere auf das nördlich der Bahn Berlin-Frank 
furt a. O. belegene Manöverfeld bei den Dörfern Petershagen und 
Falkenberg. Die Truppen erwarteten in Versammlungsformation den 
Allerhöchsten Kriegsherrn. Das Füsilier-Bataillon des 48. Regiments 
(jetzt Inf.-Regt. von Stülpnagel) war der erste Truppenteil, an den 
Se. Majestät von links her heransprengte. Als der Kaiser an das 
Bataillon herankam, parierte er sein Pferd, besichtigte die Seitenrichtung 
der ersten Staffel und den Vordermann der damals noch auf dem linken 
Flügel stehenden Offiziere und wandte sich darauf zu dem zu seiner 
Linken reitenden englichen Feldmarschall Sir Hugh Rose, Lord Straith- 
nairne. Dieser, als der rangälteste der fremdherrlichen Offiziere, 
hatte die Ehre, unmittelbar hinter Seiner Majestät reiten zu dürfen. 
Der Feldmarschall führte nun sein Pferd neben den Kaiser, und da hörte 
ich, der ich etwa drei Schritt von Seiner Majestät auf dem linken Flügel 
der ersten Staffel stand, deutlich wie Allerhöchstderselbe zu dem Engländer, 
der beiläufig gesagt, die gefangenen Seapoys durch die Kanonen hatte 
„wegblasen" lassen, die für uns Brandenburger erhebenen Worte sprach: 
„Von diesem Regimente sah ich am Morgen des 17. August kaum 
einige hundert Mann um seine Fahnen — es ist eins der bravsten 
Regimenter meiner Armee!" In ähnlicher Weise äußerte sich .dann 
Seine Majestät in seiner Kritik am Schluß des Manövers über die ge 
samten Regimenter: „Es freut mich, eine Division wiederzusehen, die ich vor 
vier Jahren beinahe decimieit auf dem Schlachtfelde von Vionville antraf. 
Sie brachte mir damals nach der für sie so verhängnisvollen Großthat in 
ihren Trümmern die rührenden Beweise der höchsten Liebe und Verehrung 
entgegen, und das war mir eine Genugthuung nach sa schweren Verlusten!" 
An jenem 17. August 1870 war Se. Majestät an dem Biwak 
des 2. Bataillons des 4. Regiments vorübergekommen und hatte den 
Leuten mit den Worten gedankt: „Ich danke Euch, daß Ihr so dem 
Beispiele Eurer Offiziere gefolgt seid!" Und als die Division später 
auf dem Weitermarsch unter lautem Jubel an ihrem Kriegsherrn vorbei- 
dcfilierte, reichte dieser dem Major von Mellenthin, dem früheren Chef 
der 8. Compagnie, dem Eroberer von Fehmarn 1864, als seine alte 
Compagnie vorüberkam, mit den Worten die Hand: „So wie sie damals 
gezeigt hat, daß sie zu Wasser ihre Pflicht zu thun versteht, so hat sie 
es auch jetzt zu Lande gezeigt!" F. B. 
Küch erlisch. 
Wilhelm der Große. Ein Bild seines Lebens. Historisch erforscht von 
Prof. Dr. Ernst Berner. Berlin 1897. Verlag von Alexander 
Duncker. Preis 5 Lieferungen zu je 1 Mk. 
Neben der von Prof. Oncken verfaßten Darstellung des Lebens 
Kaiser Wilhelms 1. bürste die Arbeit Prof. Berners, von der die erste 
Lieferung vorliegt, Anspruch auf wissenschaftlichen Wert erheben können. 
Das Bernersche Werk ist keine Gelegenheitsschrist, keine Festgabe, die 
mit den Festtagen ihre Bedeutung verliert: es ist vielmehr das Produkt 
langjähriger, wissenschaftlicher Studien in abgerundeter, ausgereifter 
Darstellung. Auf Bilderschmuck ist verzichtet worden: an illustrierten 
Werken, die das Leben Wilhelms des Großen behandeln, ist .ja auch 
kein Mangel. Die erste Lieferung führt bis zur Vermählung des 
Prinzen von Preußen (11. Juni 1829). Wir sehen dem Weitererscheinen 
mit Spannung entgegen. —e. 
Die Nummer 2801 der „Illustrierten Zeitung" in Leipzig bringt 
abermals eine neue reiche Serie Bilder über das umstrittene Kreta, und 
zwar Ansichten von Retimo, Kissamo, Candia, Platania (wo das 
griechische Expeditionscorps unter Oberst Vaffos landete), der Sudabai; | 
ein ganzseitiges Bild zeigt uns „das Geschwader der europäischen Groß- 
m ächte vor Kanea", und in einer besonderen Abbildung wird uns der 
Kreuzer 2. Klasse „Kaiserin Augusta", das einzige deutsche Schiff bei dem 
Geichwader, vorgeführt. Kleinere Bilder zeigen uns Kretenstsche. Volks- 
ttzpen, Stroßentrümmer nach dem Brand in Kanea und griechische 
Aufständische (letztere nach einer photographischen Momentaufnahme); 
die Porträts des Kronprinzen Konstantin, des Prinzen Nikolaus von 
Griechenland, sowie des griechischen Ministerpräsidenten Theodor 
Delyannis reihen sich der Bilder- und Artikelserie über Kreta an, 
während der Leitartikel: „Kreta" über die Geschichte des herrlichen Ei 
lands orientiert, das seit den Tagen der Phönizier immerdar als eine 
begehrenswerte Beute erschien. Dieselbe Nummer ziert eine Reihe von 
Faschingbildern, darunter die große doppelseitige Kunstbeilage: „Ein 
Münchener Faschingsball" (nach einem für die „Illustrierte Zeitung" 
gemalten Oelbild von Rene Reinicke) und das höchst anmutig nach 
einer Skizze von Hoiang gezeichnete ganzseitige Bild des Specialzeichners 
der Illustrierten, Limmer: ..Ein Fastenbrauch in der Mark Brandenhurg, 
Brezelverteilung an die Kinder m der Priegnitz." Das alte Wort von 
Faschings Ende: „Fort von Lustgesang und Reigen" wird höchst drastisch 
durch das Bilv: „Aschermiitwoch" (nach einem Gemälde von Edmund 
Lenkry) illustriert, und ein lustiges, humoristisch angehauchtes Bild, das 
Georg Tippel aus einem von der Insel Bornholm mitgebrachten Land- 
schaflsmotiv mit der Signatur: „Carnevale" gestaltet hat, dürfte auch 
die Naturforscher ungemein interessieren. Letztere, sowie die Liebhaber 
der freien Natur finden noch in dem Bilde: Der Schwarz- oder Silber 
fuchs (nach dem im Zoologischen Garten zu Leipzig befindlichen Exemplar 
von Herm. Schüßlcr gezeichnet) den schönsten arktischen Fuchs der Welt 
vorgeführt. Eine wertvolle Zugabe der Nr. 2801 sind die „Marine- 
tabellen Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm," eine verkleinerte Facsimile- 
Nachbildung der kaiserlichen Originale. 
Zur Centenarfeier machen wir aufmerksam auf eine überlebens 
große Büste Sr. Majestät des hochscligen Kaisers Wilhelm I., die in 
feinem Gips (in Elfenbeinthon) ausgeführt und im Jahre 1888 nach 
dem Leben in einer Privataudicnz modelliert wurde. Die 
0,80 m hohe Büste ist von der Bildhauerwerkstätte der „Jschyrota" in 
Treptow, Eichenstraße, für 15 M. zu beziehen und dürfte der üblichen 
Massemvare bei den bevorstehenden Festlichkeiten in Vereinen und öffent 
lichen Versammlungen bei weitem vorzuziehen sein. 
Dr. H. Brendicke, Kurfürstcnstr. 41. 
Inlzalt: Weihelicd zum 22. März. Von Paul Warncke. 
— Kaiser Wilhelm der Große. — Kaiser Wilhelm- 
Medaillen (Mit sieben Abbildungen). Von Dr. Gustav Albrecht. 
— Kaiser Wilhelm der Große an sein Volk. Von Fr. Bücker. 
— Elegie auf Kaiser Wilhelm I. Von Bruno Emil König. 
— Kleine Mitteilungen: Die Trauerstraße für Kaiser Wilhelm I. 
(Mit Abbildung.) — Ein Jugendbrief Kaiser Wilhelms des Großen. — 
Kaiser Wilhelms I. Lieblingsblume. — Kaiser Wilhelm als Prinz von 
Preußen im Jahre 1848 in England und seine Rückkehr nach Preußen. 
— Kaiser Wilhelm als Parlamentarier. — Kaiser Wilhelm 1. und 
seine Brandenburger. — Büch erlisch. 
n JL am ■ — ■ ■ ■ vom einfachsten bis zum 
BraUI-AUSStattUngen elegantesten Pariser Genre. 
Herren-Wäsche jeder Art. » Betten und Bett-Wäsche. « Gardinen. « Tafel-Wäsche. 
Eigene Weberei p |_ |S] aC |g e WäSChegeSChäft ^ Ble i ch Anstalt 
Herrnhut i. Sa. Hoflieferant Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin. Herrnhnt !. Sa. 
Berlin W., Mohren-Strasse 27/28, am Grensdarmen-Markt. 
Q Dgrtto..ä,oii toa, Jk^fc.TV 
Veranlwortlichec Redakteur und Verleger: Fr. Zi liessen in Berlin N. 68., Schönhauser Allee 141. 
Druck ver Buchdruckerei Gutenberg, Berlin dl., Schönhauser Allee 141a. — Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist untersagt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.