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Periodical volume 6. März 1897, No. 10

Full text: Der Bär Issue 23.1897

der Mark Brandenburg und der angrenMden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Ernst E. Kcrrders, Dr. R« K^riirguiov, Professor Dr. SrLctsvr, Dr. H. Krendictre, Ttzeodsr Fnntano, Stadtrat 
G. Friedet, Rltizard George, Ford. Mencr, Gymnasialdirektor a. D. Dr. M. Krtnnarh »nd G. r>. MikdenDruch 
XXIII. 
Jahrgang. 
M 10. 
herausgegeben von 
Friedrich Zillessen. 
Der „Bär'' erscheint wöchentlich ain Sonnabend und ist durch jede postanstalt (No. 809-, Buchhandlung nnd 
Zeiwngssxedition für 2 Mk. 50 psg. vierteljährlich zu beziehe». 
6. Marz 
1897. 
Finis Poloniae. 
Historischer Roman von G. Grundier. 
(9. Fortsetzung.) 
(A^ie Vorbereilungen zum Kriege wurden eifrig betrieben. 
(3© Die Kantonnements-Rekruten wurden eingezogen, in den 
nicht zu Preußen gehörigen deutschen Ländern zogen die Werber 
umher. Pferde wurden angekauft, Magazine errichtet, die 
rheinischen Festungen armiert, und in der ganzen Armee 
verwaltung herrschte die fieberhafteste Thätigkeit. 
Konnte auch die preußische Heereseinrichtung damals schon 
zu den vollkommensten der Well gerechnet werden, so war 
sie doch weit entfernt davon, einen Vergleich mit der jetzigen 
aushalten zu können. Wenn jetzt, wie es der letzte große 
Krieg bewiesen hat, innerhalb vierzehn Tagen ein Heer von 
Hunderttausenden, mit allem aufs sorgfältigste ausgerüstet, an 
der Grenze steht, so bedurfte es damals mehrerer Monate, 
um nur sechzig- bis achtzigtausend Mann auf dem Kriegsschau 
platz erscheinen zu lassen. Das mangelhafte Transport- und Nach 
richtenwesen jener Zeit und das Fehlen großer, leistungsfähiger 
Fabriken zur massenhaften Anfertigung von Bedarfsgegen 
ständen verlangsamten die ohnehin schon so schwerfällige Ver 
waltungsmaschine noch bedeutend. Während jetzt der Telegraph 
die Befehle und Nachrichten in wenigen Stunden in die ent 
ferntesten Gegenden trägt, war damals das schnellste Be- 
sörderungsmiitel der Pferderücken, und es dauerte viele Tage, 
oft Wochen, ehe eine Nachricht von einem Ende der Monarchie 
bis zum andern kam. Während ferner jetzt bei einem aus 
brechenden Kriege alle Eisenbahnen vorübergehend zu Kriegs 
zwecken in Beschlag genommen werden und zahllose Züge 
Truppen, Geschütze, Munition. Proviant u. s. w. in unab- 
läsfiger Folge Hunderte von Meilen weit befördern, mußte 
damals noch alles zu Fuß oder mit Fuhrwerk fortgeschafft 
werden. Tausende von Bauern wurden aufgeboten und mit 
ihren Gespannen oft wochenlang umhergeschleppt. Hierzu 
kamen die schlechten Wege. Chausseen gab es fast gar nicht. 
Trat Regenwetter ein, so war ein Fortkommen kaum möglich, und 
die fortzuschaffende Last des einzelnen Fuhrwerks mußte auf ein 
überaus bescheidenes Maß herabgemindert werden. Trotz alledem 
wollten die vornehmen Befehlshaber ihre gewohnte Bequemlich 
keit nicht entbehren, fie führten einen großen Troß von Gepäck- 
und Küchenwagen, Dienern, Köchen und Lakaien mit sich, 
während der gemeine Soldat nicht selten an allem Mangel litt. 
Der junge Lieutenant im Ziethen-Husarenregiment Karl 
Aegidius von Krummensee hatte es durch Vermittelung seines 
ihm wohlwollenden Obersten erreicht, daß der Sohn des Schäfers 
seines Vaters, Christian Nitzschke, ihm als Bursche zugeteilt 
worden war. Zur Vervollständigung seiner Equipierung und 
namentlich, um noch ein gutes Pferd aus der väterlichen 
Koppel auszuwählen, hatte er einen achttägigen Urlaub er 
halten. 
An einem schönen Junitage traf Karl Aegidius auf dem 
elterlichen Gute ein. Der Himmel > hatte schon lauge in 
glänzendem Blau gelächelt, als sollte ihn nie wieder em 
Wölkchen trüben. Die Heuernte war in vollem Gange. 
Ueberall auf den langgestreckten Wiesen an beiden Seiten des 
Sees sah man geschäftige Hände. Die weißen Hemdärmel 
der Mäher, welche in langen Reihen taklmäßig das saftige 
Gras im Morgentau niederlegten, blitzten weithin in der 
Morgensonne. Ihnen folgten in Scharen die Mägde und 
Arbeiterinnen, den Kopf verhüllt durch das landesübliche grell 
bunte Kopftuch, dazu hochgeschürzt, um das Gras zum Trocknen
        
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