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Periodical volume 27. Februar 1897, No. 9

Full text: Der Bär Issue 23.1897

Das Heer, schon ohne Mut und Trost. 
Wird noch von einem frühen Frost 
Echt nordisch aufgerieben. 
Und wie dann immer, spät und früh. 
Die furchtbaren Kosaken 
Ihm Reiter, Fußvolk, Artillerie 
Auf allen Seiten packen. 
Und alles miserabel ward. 
Da brummt der Große in den Barl: 
„O wär' ich doch zu Hause!" 
Das Heer erstarrt, die Garde stirbt. 
Die Rosse find verloren; 
Und auch die heil'ge Schar verdirbt, 
Mit Frost in Nas' und Ohren 
Sucht Fürst und Herzog, General, 
Der Obrist wie der Korporal, 
So gut er kann, das Weite. 
Auf einem Bauernschlitten flieht 
Der große Wellbezwinger, 
Den man sonst nur im Pompe ficht. 
Und bläst fich in die Finger. 
Er reist' inkognito, allein, 
Zehntausend flüchten hinterdrein 
In ihren Pelzsaloppen. 
Das Elend niemand schildern kann, 
Es läßt fich nicht beschreiben, 
Von viermal hunderttausend Mann 
Zehntausend übrig bleiben. 
Zehntausend and're, krank, halbtot, 
Fleh'n himmelan, daß ihrer Not 
Gott bald ein Ende mache. 
In Lumpen und in Pelz gehüllt 
Sind die erfror'nen Glieder. 
Ein Wimmern jeder Brust entquillt, 
Dort finken tot fie nieder. 
Unüberwindlicher, schau' an! 
O sieh dein Werk, du großer Manu, 
Die Hölle macht's nichts besser! 
Auch starben. Menschenfeind, durch dich 
Schon früher Millionen 
In Krieg und Elend. Sicherlich 
Wird Satan einst dir lohnen; 
Doch auch hienieden sei dir schon 
Europas Spott, der Erde Hohn 
Zum Recompens verliehen. 
Und da du aller Gegner bist. 
Soll jeder auch dich hassen, 
Dich Jude. Herde, Türk und Christ 
Mit glüh'ndem Haß erfassen. 
Kein Mensch folgt deinem Sterne mehr. 
Die Rache aber zieht einher. 
Dich vollends zu verderben. 
In nah' und fernen Ländern weilt 
Der Haß. den du geschaffen, 
In England. Schweden, Rußland eilt 
Man rüstig zu den Waffen. 
Und an dem Brei, den man dir kocht 
In Deutschland, das du unterjocht, 
Wirst du noch lange schlucken. 
Denn Volk um Volk fich feindlich neigt 
Jetzt gegen die Hyäne, 
Und an der Elb' und Weser zeigt 
Dir alles schon die Zähne. 
Und dein Präfekt Hieronymus*) 
Wird deutscher Krone Hochgenuß 
Wohl nicht mehr lange schmecken. 
Ha, Hermanns kräfiiges Geschlecht 
Wird wieder auferstehen 
Und für die Freiheit und sein Recht 
Zum Kampf mit Freuden gehen. 
Der stolze neue Varus fällt. 
Und Jubel füllt die neue Welt, 
Die er in Ketten legte. 
Wohlauf. Napoleon! Bind' an, 
Du kannst ja in Dekreten 
Mit viermal hunderttausend Mann 
Rasch in die Schranken treten. 
Nebst hunderttausend Kavall'rie, 
Dem Moniteur fehlt es ja nie 
An Nullen und an Lügen. 
Der Moniteur hat lange schon 
Von Englands Fall gesprochen. 
Es hat in ihm die Nation 
Schon längst den Hals gebrochen. 
Doch kam noch nicht der Bankerott. 
Denn immer macht der liebe Gott 
Den Moniteur zu Schanden. 
Noch stehet hoch Brittannia — 
Trotz jenem eklen Pinseln — 
Als Bonapartes Gegner da 
Auf den genomm'nen Inseln 
Und legt ihm seine Flotten fest 
Und lächelt über seinen Rest 
Von vierthalb faulen Schiffen. 
Auch knüpfet für die Folgezeit 
Ihm England schwere Banden 
Und machet seine Herrlichkeit 
Vor aller Welt zu Schanden. 
Es hat noch Sterlinge und Macht, 
Er aber hat nur Flitterpracht 
Und Sklaven und Spione. 
Auf, Bonaparte, schaue an 
Der Feinde dichte Reihen! 
Sie alle stehen Mann für Mann. 
Der Rache fich zu weihen. 
Mach' Frieden! Gieb den Raub heraus. 
Sonst wirst du bald im bittern Graus 
Pater peccavi beten!" 
Das hier wiedergegebene Gedicht kennzeichnet fich aller 
dings durch eine gewiffe Derbheit, doch kann man ihm sonst 
*) Der bekannte König Jerome von Westfalen. Die Prophe 
zeiung traf ein, denn schon am 30. September 1613 wurde dieser „König 
Lustik" durch den russischen General Ttschernitschcff aus Caffel vertrieben.
        
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