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Periodical volume 3. Februar 1894, Nr. 5

Full text: Der Bär Issue 20.1894

€ 63 & 
Erben und Nachkommen an diesen Contract dergestalt 
sestiglich verbunden haben, daß sie keine änderung 
darunter vornehmen, sondern praegtiren und geben 
sollen, was oben versprochen worden; solle aber 
12. Der Herr Weizmann mit Tode abgehen oder ander- 
werts vociret werden, alsdann wird dieser jetziger 
Contract resolviret und aufgehoben, so daß sowohl 
dem Patrono als Successori im Predigtambte frei 
stehen soll, seine vier Pfarr-Hueffen mit dem Zehendt 
von Ritter-Hueffen, und was ihm vermöge Jnventarii 
zukommt, wieder an sich zu nehmen, wofern sie sich 
nicht unter einander weiter vergleichen können. Und 
gleichwie dieser Vergleich und Contract bis approbation 
des hochlöbl. Consistorii geschloßen, und vom Patrone 
sowohl, als zeitigen Prediger unterschrieben, also wollen 
beyderseits das geistliche Conoistoriurn umb con- 
finnation hierdurch angetreten und ersuchet haben. 
So geschehen Döbritz, den 12ten Sept. 1719. 
(Siegel.) v. Katsch. (Siegel.) George Fried. Weizmann 
p. D. et Ferb. 
Der Vertrag ist mit dem Siegel des Ministers, welches 
die verschlungenen Initialen C. v. K ausweist, und dem 
Siegel des Predigers Weitzmann versehen. Letzteres ist ein 
Wappenfiegel, welches einen Säemann zeigt, während der 
Helm einen Mann mit Aehren und Sichel trägt. Die könig 
liche Bestätigung des Vergleichs datiert vom 12. Februar 1720. 
Weitzmann blieb bis zum Jahre 1729 in Döberitz, 
darauf verzog er nach dem Tode seiner Gatlin nach Wuster 
mark, wo er 1743 starb. 
(Schluß folgt.) 
Kleine Mitteilungen. 
Das gosmo ber „Akcrbornischcrr (Befeüydjaft 
vom Deutschen Hause" tu Gbeeswalbe, vesien Abbildung 
wir auf S. 57 bringen, ist ein rühmlicher Beweis von dem erfreulichen 
Aufschwung, den dar Städtchen am Finowkanal in den letzten Jahren in 
baulicher und geselliger Beziehung genommen hat. Dar Kasino steht vor 
den Thoren der Stadt an der Promenade in überaus schöner Umrahmung 
von hundertjährigen Buchen und Kiefern. ES fügt sich mit seinem 
malerischen Aeußern sehr glücklich in dar anmutige LandschastSbild der 
märkischen Schweiz und bildet mit seinen sinnreich durch Geweihe, Waffen 
und Jagdbilvern ausgeschmückten Räumen einen sehr schönen Versammlungsort 
für die Mitglieder der „Akademischen Gesellschaft vom Deutschen Hause". 
Der Entwurf rührt, wie wir der „Deutschen Bauzeitung" entnehmen, 
von dem Berliner Architekten Ernst Jacob her und wurde unter seiner 
Leitung durch dar Baugeschäft von E. u. H. Krause in EberSwalde her 
gestellt. —e. 
Dio Disnskirche in Dovlin gehör, zu den wenigen 
Gotteshäusern der deutschen ReichShauplstadt, welchen eine gewisse 
monumentale Bedeutung nicht abzusprechen ist, und welche sich über die 
durch die Kärglichkeit der vorhandenen Mittel bedingte Schablonenhasligkeit 
der modernen kvangelischen Kirchenbaulen emporheben. Dies veranlaßt 
un«, der kleinen Skizze, die der XIII. Jahrgang des „Bär" von der 
Zionskirchc gebracht hat (a. a. O. S. 49), eine schönere Ansicht unter 
Wiedergabe der Umgebung der Kirche anzureihen (s. Abb. S. 61). Die 
ZionSkirche ist 1861 als Votivkirche gestiftet. Am 14. Juli 1861 fand in 
Baden-Baren das Attentat des Leipziger Studenten Oskar Becker auf 
König Wilhelm I. statt, und zum Gedächtnis an bie glückliche Errettung 
von diesem ruchlosen Anschlage wurde dar Gotteshaus im äußersten 
Norden Berlins errichtet. Der erste Entwurf zu dem Gebäude wurde von 
Möller ausgestellt, später aber von Baurat Orth bearbeitet und in den 
Jahren 1866 bis 1873 zur Ausführung gebracht. Die ZionSkirche hat 
den Vorteil einer hohen, sehr günstigen und schönen Lage. Sie ist eine 
kreuzförmige, gewölbte Bocksteinkuche im Rundbogenstil mit kurzem Lang- 
hause, massivem Turm an der Front und halbrundem Chor. Die Länge 
der Kirche beträgt 38 m, die Breite des KreuzschiffS 26 m, die des Lang- | 
Hauser 25 m. Der Turm ist rund und 67 m hoch. Die Fassaden 
gestaltung ist originell und ansprechend, wenngleich sie hier und da der 
ausgesprochenen Krasl zu entbehren scheint. Aelteie Motive sind mit Erfolg 
im modernen Sinne selbständig durchgebildet, die Gesamtwirkung ist eine 
befriedigende. Bei dem Anblick vom Chor und von den Seiten her stellt 
sich da« Aeußere mit seiner lebendigen Gliederung, den krönenden Zwerg- 
gallerien und der Terracotten-Dekoration am entsprechendsten dar. Die 
hohe, freie Lage ist vortrefflich benutzt und vermehrt den monumentalen 
Charakter de« Bauwerks. — e. 
Die kaiserlichen Drinzen unb ber Schneeschuh- 
sport. Rach einer Mitteilung der „Tourist", Berlin W., Köthencr- 
ftraße 26, werden sich der Kronprinz deS deutschen Reicher und die 
Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert dem in unserm Vaterlande so rasch 
zu Ehren gekommenen Schneeschuhsport widmen. Die Geschäftsstelle des 
genannten Blatter hat kürzlich für die drei kaiserlichen Prinzen Schneeschuhe 
liefern müffen, die den hohen Empfängern ganz besondere Freude bereitet 
haben sollen. DaS Vorbild der deutschen Kaisersöhne dürste für die Ver 
breitung der so überaus zuträglichen Leibesübung, namentlich unter der 
heranwachsenden Jugend, besonders wirksam sein. Auch dürsten die An 
griffe, welche von unkundiger Seite neuerdings gegen da« Schneeschuhlaufen 
und insbesondere gegen die Verwendung der Schneeschuhe in der Armee 
gerichtet worden sind, ihre beste Widerlegung dadurch finden, daß die 
kaiserlichen Prinzen in dieser Kunst ausgebildet werden. Wenn von der 
selben Seite her behauptet wird, bar Beiseitelegen der Schneeschuhe für 
HeereSzwecke fei wohl nur eine Frage der Zeit, so steht dem übrigens auch 
dar entgegen, daß dar preußische KriegSministerium wohl schwerlich die 
Kosten für die Anschaffung der Schneeschuhe aufgewendet und noch in 
diesem Winter bei der Geschäftsstelle der „Tourist" in Berlin umfangreiche 
Nachbestellungen für weitere Jägerbalaillone gemacht haben dürfte, wenn 
die Resultate der angestellten Uebungen nicht allseitig befriedigt hätten. 
Das Gebicht als Leborrscottor — Im Jahre 1743 
wurde der beim Regiment „Prinz Heinrich" als Lieutenant stehende Ewald 
Christian von Kleist, bekannt als Dichter de« „Frühlings", in einem Zwei 
kampfe schwer am Arme verwundet. Da ihm jede ernstere Beschäftigung 
verboten war, lag er gelangweilt und mißmutig im Bette. Plötzlich öffnete 
sich die Thür und herein trat ein junger Mann, der sich «IS Gleim, Haus 
lehrer beim Obersten von Schulz, vorstellte. Er erkundigte sich nach dem 
Befinden Kleists und verhehlte nicht, daß ihn auch ein wenig Neugierde 
hergeführt, da er gehört habe, der Herr Lieutenant beschäftige sich in seinen 
Mußestunden, geradeso wie er, mit der Poesie. Da Kleist darüber klagte, 
daß ihm der Arzt dar Lesen verboten habe, erbot sich Gleim, ihm vorzu 
lesen, und wählte dazu Gedichte seiner eigenen Feder. Einer derselben 
war an den Tod gerichtet, der dem Dichter seine Geliebte geraubt hatte. 
Ueber die darin vorkommenden Zeilen: 
„Tod, war willst du mit dem Mädchen? 
Mit den Zähnen ohne Lippen 
Kannst du er ja doch nicht küffen!" 
mußte Kleist so heftig lachen, daß der Verband sich löste und die Wunde 
stark zu bluten anfing. Erschrocken eilte Gleim fort, einen Arzt zu holen. 
Dieser untersuchte die Wunde und fand, daß sie durch die Nachlässigkeit 
deS Feldscherers bereits brandig geworden war, daß aber bei fernerer un 
geschickter Behandlung der Verlust der Arme«, ja deS Leben« zu befürchten 
gewesen sei. Aus diese Weise wurde dar Gediibt zum Lebensretter. 
Kleist aber und Gleim blieben zeitlebens die besten Freunde. E>. 
Angeblich wonblschev Hrnenfunb in Uen- 
Ruppin. — Auch S. 39 d. I. wird im „Bär" von der Auffindung einer 
wohl erhaltenen, angeblich wendischen Urne aus schwarzer Thonmaffe erzählt 
und bemerkt, daß sich dies Gefäß unter einem Gebäude de« Grundstücks Kom- 
missionSstr. 14 bei Ausschachtung einer Kellers, bei einem Backsteinherv aufge 
funden habe. Nach der unverkennbaren Beschreibung handelt er sich hier um ein 
deutscher, mittelalterlicher, wahrscheinlich dem 14. Jahrhundert angehöriges 
Töpfer-ErzeugniS von wohlbekanntem TypuS. Dergleichen Gefäße sind im Lauf 
der letzten 20 Jahr vielfach besprochen und abgebildet worden. Sie werden 
fast ausnahmslos in ehemaligen oder noch jetzt erhaltenen Kellern gesunden 
und sind zumeist bei Gelegenheit von Bränden verschüttet worden. Sie 
kommen ab und zu auch sorgfältig eingemauert oder sonst versteckt vor, 
alsdann haben sie, wie ebenfalls längst nachgewiesen, eine symbolische Be 
deutung. Sie sind in diesem letzteren Falle mit Flüssigkeit (Bier, Meth, 
Milch, Wein) gefüllt gewesen, oder e« lag darin ein Ei, ein Hasenkopf, 
ein Schlüffe! oder dgl. oder eine Art Opfer, welche« für da« Bestehen 
deS Hause« gebracht wurde. Mit den Wenden haben diese Gefäße absolut 
nichts zu thun und ist jede diesbezügliche Kombination entschieden ab 
zuweisen. In der mittelalterlichen Abteilung deS Märkischen MuseumS sind 
viele dergleichen Gesäße aus den verschiedensten Teilen der Provinz Branden 
burg und der Auslandes. Ich habe mich über die Bedeutung, Herkunft 
und Anfertigung dieser harten, schwärzlichen, klingenden, glasurlosen Töpfer 
ware bereits im „Bär", Jahrgang I (1875), S. 152 flg., und Jahr 
gang II (1876), S. 24 flg., ausführlich ausgesprochen, auch gelegentlich 
*) Die betreffende Mitteilung war uns von Herrn Profeflor 
Dr. K. Ed. Hasse in Neu-Ruppin zugegangen. D. R.
        
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