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Periodical volume 3. Februar 1894, Nr. 5

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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Der Minister muß sich demnach viel um seine neue Be 
sitzung gekümmert haben, und das ist umsomehr anzuerkennen, 
als er in seiner Stellung als Geheimer Kriegsrat und Ober- 
Auditeur in den Marken und später als Kriegs- und Justiz- 
Minister außerordentlich umfangreiche Geschäfte zu bewältigen 
hatte. Das Wirken dieses Mannes, dem Döberitz so viele 
Wohlthaten zu verdanken hat, ist in der Geschichte der Ver 
waltung des preußischen Staates von so hervorragender Be 
deutung, daß wir seine näheren Lebensumstände an dieser 
Stelle flüchtig berühren wollen. 
.Christoph Katsch wurde am 15. September 1665 zu 
Halle als der Sohn des Pfänners und Oberbonmeisters 
Christoph Katsch geboren. Er besuchte das Gymnasium zu 
Halle, studierte in Leipzig Jurisprudenz und war darauf in 
seiner Heimat als Advokat thätig. Nach seiner Verheiratung 
mit der Witwe des Kanonikus Jacobi (1687) wandte er sich 
nach Berlin, um dort seine Praxis weiter auszuüben. Durch 
seine Tüchtigkeit und seine Geschicklichkeit in Erledigung ver- 
schiedener schwieriger Rechtsfälle zog er die Aufmerksamkeit der 
Leiter des Justizwesens auf sich und wurde am 10. März 1703 
zum ordentlichen Mitgliede des Hof- und Kammergerichts in 
Berlin berufen. Nachdem er im Jahre 1705 geadelt worden 
war (Diplom vom 18. Januar 1705), wählte man ihn 1706 
mit Ueberspringung mehrerer älterer Vordermänner in die 
Justizabteilung des Geheimen Staatsrates und ernannte ihn 
gleichzeitig zum Oberaudileur in den Marken. Seiner 
Unermüdlichkeit und Strenge, mit welcher er dieses Amt ver 
waltete, hatte er es zu verdanken, daß er die Aufmerksamkeit 
des Kronprinzen Friedrich Wilhelm erregte und auf dessen 
Empfehlung hin 1712 zum Geheimen Kriegsrat und 
Dezernenten für Justizsachen im General-Kriegskommiffariat 
erwählt wurde. In dieser Stellung entfaltete Katsch eine 
umfangreiche Thätigkeit und machte sich besonders um die 
Aufstellung fester Normen für Justiz- und Verwaltungsbehörden 
äußerst verdient, so daß ihn Friedrich Wilhelm I., welcher 
seine Arbeitskraft und Energie erkannte, am 8. Juni 1718 
zum Wirklichen Geheimen Etats- und Kriegsrat und zum 
Generalauditeur der gesamten Armee ernannte und seine 
ferneren Verdienste um die Verwaltung des preußischen Staats 
1723 durch seine Ernennung zum dirigierenden Minister und 
Vizepräsidenten des General-Direktoriums belohnte. Wie weit 
das Vertrauen ging, welches Friedrich Wilhelm in seinen 
Minister setzte, beweist der Umstand, daß Katsch in einer ge 
heimen Instruktion angewiesen wurde, die Thätigkeit der 
anderen vier Minister des General-Direktoriums zu über 
wachen und über jede Nachlässigkeit und Parteilichkeit der 
selben dem Könige Mitteilung zn machen. Da Katsch es sich 
angelegen sein ließ, das Vertrauen seines Königs in jeder 
Weise zu rechtfertigen, so erregte er oftmals bei seinen Amts 
genossen Anstoß und war bald einer der gehaßtesten Männer 
seiner Zeit — ein Zeichen, daß er unermüdlich und ohne 
Rücksicht auf sich selbst seinem schweren Amte gerecht zu 
werden strebte. Sein Name wird daher stets eine ehrenvolle 
Erwähnung in den Annalen des preußischen Beamtentums 
finden. 
Im Jahre 1720 war die erste Gemahlin des Ministers 
von Katsch gestorben. Er vermählte sich bald darauf mit 
Christiane Elisabeth Freun von Wolfskehl-Neichenberg, 
welche ihn überlebte und ihm nach seinem am 2. Juli 1729 
erfolgten Tode*) im Besitze der Güter Döberitz und Ferbitz 
folgte. Frau von Katsch dürste sich persönlich nur wenig um 
die Verwaltung ihres Besitztums gekümmert haben, da sie als 
Hofdame der Königin und seit 1733 als Oberhofmeisterin der 
jungen Kronprinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig- 
Bevern genötigt war. hauptsächlich in Berlin zu leben und 
die Obliegenheiten ihres Amtes sie in erster Linie in Anspruch 
nahmen. Ein Jahr vor ihrem Tode (sie starb am 5. Oktober 1748 
zu Berlin) übertrug sie die Rittergüter auf ihren Neffen, den 
Geheimen Ober-Finanz-, Kriegs- und Domänen-Rat Freiherrn 
Friedrich Carl von Bo ersteI**), Erbherrn auf Wester-Egeln 
bei Magdeburg. Dieser starb bereits nach zwei Jahren 
(16. November 1750) und hinterließ die Besitzungen seinem 
Sohne, dem Geheimen Rat Karl von Boerstel, welcher 
Domdechant zu Brandenburg war und infolge dessen häufig 
in Döberitz verweilte. Er wurde auch nach seinem Tode 
(8. Januar 1771) im Erbbegräbnis der dortigen Kirche bei 
gesetzt. Die Güter wurden nun zwei Jahre lang für seinen 
minorennen Sohn verwaltet und gelangten dann 1773 durch 
Verkauf in den Besitz des ehemaligen Obristen Karl Anton 
von Schätze!. Dieser scheint seinen ständigen Wohnsitz in 
Döberitz gehabt zu haben; er starb auch dort am 22. August 1780 
am Blutsturz und wurde, wie der vorige Besitzer, im Erb 
begräbnis unter der Dorfkirche bestattet. Seine Söhne ver- 
kauften 1785 die Rittergüter an die Gräfin Ernestine Caroline 
von Eickstädt - Peterswalde, die fiebennndsechzigjährige 
Witwe des Geheimen Etats-Ministers von Eickstädt. 
Die Herzensgüte und der Wohlthätigkeitsfinn dieser Be 
sitzerin werden in den Döberitzer Kirchenbüchern rühmend 
hervorgehoben. Sie unterstützte den Prediger und den Schul 
lehrer mit jährlichen Gehaltszulagen bis zu 150 Thalern und 
sorgte für die Armen von Döberitz und Ferbitz. indem sie 
ihnen ein Legat von 2000 Thalern aussetzte, von welchem 
die Zinsen vierteljährlich unter die Bedürftigsten verteilt werden 
sollten und zur Zeit noch verteilt werden. Die Gräfin starb 
am 2. Mai 1799 in Berlin am Schlagfluffe, tief betrauert 
von den Dorfbewohnern, welche ihr so viel Gutes zu ver 
danken hatten. 
Der Gräfin folgte im Besitz der Rittergüter von 1799 
bis 1810 der Kammerherr Baron von der Reck, vermutlich 
der Schwiegersohn der Verstorbenen, da seine Gemahlin eine 
geborene Gräfin von Eickstädt-Peterswalde war und er auch 
die anderen Güter der alten Gräfin Kützkow und Behnitz in 
der Provinz Sachsen erbte. Von ihm gingen die Besitzungen 
auf den Ober-Landesgerichts. Präsidenten Freiherrn von der 
Reck über, mit welchem 1817 die Reihe der adligen Besitzer 
abschließt. 
In dem genannten Jahre wurden die Rittergüter von 
dem Kaufmann und ehemaligen Rittergutsbesitzer Christoph 
Gottfried Rvgge käuflich erworben und der Grundbesitz nach 
und nach durch Ankauf von sieben Bauerngütern bedeutend 
vermehrt. Da der Gutsherr fast ausschließlich in Berlin 
lebte, so verpachtete er seine Besitzung zunächst an einen Amt 
mann. bis im Jahre 1824 sein einziger Sohn, der Lieutenant 
*) Dieser Datum findet sich in dem Totenregistcr der Pfarre zu 
Döberitz: in den meisten Werken wird der 89 Juli als Todestag an 
gegeben. 
**) Nicht von Brösel, wie Fidicin Territor. 111., 2. Abt., S. 9, 
fälschlich angiebt, und Bardey, Gesch. von Nauen u. Osthavelland, S. 478, 
daraus wortgetreu entlehnt.
        
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