Path:
Periodical volume 8. Dezember 1894, Nr. 49

Full text: Der Bär Issue 20.1894

« 589 &■ 
Alles schien somit auf den Untergang des evangelischen 
Glaubens und auf die Vernichtung Kur-Brandenburgs hin 
zudeuten, da erstand in der höchsten Not dem Protestantismus 
und auch Brandenburg der Retter in Gustav Adolf. Ge 
trieben von aufrichtiger Frömmigkeit, beschloß dieser Fürst, den 
bedrängten Glaubensgenossen in Deutschland zu helfen. War 
doch auch Schwedens Selbständigkeit und die Zukunft des 
Protestantismus daselbst bedroht, wenn die Macht des katho 
lischen Kaisers sich immer weiter nach Norden erstreckte. Neben 
her mochte auch — 
wir erinnern an 
die Idee des bal 
tischen Reiches, die 
Gustav Adolf vor 
schwebte — Pom 
merns Besitz locken, 
dessen Herzog. 
Bogislav XIV., 
kinderlos war und 
an der Schwelle 
des Grabes stand. 
Bezeichnend indes 
für die edlen Be 
weggründe, die den 
König vor allem 
leiteten, ist ein 
Schreiben, in wel 
chem er dem schwe 
dischen Reichsrat 
die Notwendigkeit 
des Krieges gegen 
den Kaiser ausein 
ander setzte: „Nicht 
bloß Hab und 
Gut," sagt er da 
selbst, „die natio 
nale Selbständig 
keit Schwedens 
stehen auf dem 
Spiele. Höher 
als diese zeit 
lichen Güter 
muß jedem das 
Kleinod des 
evangelischen 
Glaubens stehen. 
Den Glauben 
gilt es zu ver 
teidigen. wenn es gilt, gegen diesen Feind das Vaterland 
zu verteidigen. — Die Absicht der Katholischen ist allgemein 
kundig und offenbar. Seit lange wollen sie nichts anderes 
Gustav Adolf. 
Nach dem Gemälde von Miercveld. 
als Ausrottung und Untergang der rechtgläubigen Evan 
gelischen." 
Am Abend des 24. Juni 1630 landete der edle Streiter 
für den evangelischen Glauben mit seinen Truppen auf Usedom. 
Es war am hundertjährigen Gedächtnistage der feierlichen 
Uebergabe des Augsburgischen Bekenntnisses an den Kaiser. 
Sobald Gustav Adolf die deutsche Erde berührt hatte, fiel er 
auf die Kniee und betete mit lauter Stimme. Den umstehenden 
Herren des Gefolges traten Thränen in die Augen, als sie 
den König mit 
tiefer Inbrunst den 
Beistand des Höch 
sten für sein Werk 
anrufen hörten. Der 
fromme Fürst aber 
sagte zu ihnen: 
„Weinet nicht, son- 
dern bittet Gott aus 
Eures Herzens 
Grunde! Fleißig 
gebetet, ist halb 
gesiegt!" Kaiser 
Ferdinand II. spot 
tete. als man ihm 
die Landung Gu- 
stav Adolfs in 
Deutschland 
meldete: „Da 
haben wir halt 
wieder einmal ein 
Feind'l mehr auf 
den Hals gekriegt." 
Er sollte sich jedoch 
bald überzeugen, 
daß er die Bedeu 
tung des „Schnee 
königs" bei weitem 
unterschätzt hatte. 
Im Fluge säu 
berte Gustav Adolf 
mit seinem nur 
15000 Mann star 
ken Heere Pom 
mern, dessen Her 
zog Bogislav er 
einen Bündnisver 
trag aufzwang. Für 
den Fall des Ab 
lebens des Herzogs wurde in diesem Vertrage das Herzogtum 
Pommern den Schweden zugesichert, bis die Erbfolge geregelt sei 
und Schweden seine Kriegskosten zurückerhalten habe. (Schluß folg».) 
Klrinr Mitteilungen. 
Seit bev feierlichen Miedereröffnung des König 
lichen Opernhauses sind am 7. Dezernder diese« Jahre« fünfzig 
Jahre verfiosien. Ein gewaltiger Brand halte am 18. August 1843 den 
unter der Regierung Friedrich« de« Großen durch Knobelsdorf erbauten 
Musentempel vollständig vernichtet, so daß nur die rauchgeschwärzten 
Mauern die einstige Stätte der Kunst bezeichneten. Seit dem Brande de« 
Schauspielhauses im Jahre 1817 hatte Berlin eine solche Feuersbrunst 
nicht mehr erlebt. Aus Befehl de« König« Friedrich Wilhelm IV. wurde 
unverzüglich mit den Ausräumungrarbeiten begonnen und der Baurat 
Langhan« mit der Ausführung de« Neubau« beauftragt; letzterer sollte in 
pietätvoller Rücksicht, abgesehen von einigen baulichen Berbesierungen, in 
derselben Gestalt wieder ausgeführt werden, welche da« Theater vor 
dem Brande gehabt hatte. Nachdem der Schutt und die Trümmer fort 
geräumt worden waren, untersuchte man die stehengebliebenen Reste de« 
Gebäude« und fand, daß die UmfasiungSmauern noch stark genug waren, 
um beim Neubau Verwendung zu finden. Am 1. September 1843 wurde
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.