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Periodical volume 8. Dezember 1894, Nr. 49

Full text: Der Bär Issue 20.1894

585 S> 
Don Fürstenberg nach Kychen. 
Eine Herbstfahrt von Grnst Friedet. 
(Mit Abbildungen.) 
(Schluß.) 
Kühle. — Rctzow mit Ktrchenruine. — Störche. — Lhchen, Stargarder Thor, vermauertes 
Thor. — Johanneskirche, Altertümer derselben. — Der ZenSsee mit Umgebung. — Rück 
fahrt nach Fürstenberg i. Mecklbg. — Das Schliemann-Haus daselbst. 
Durch das armselige Dörfchen Sähle nördlich fahrend, 
gelangten wir über hügeliges, sandiges Feld nach dem etwas 
gröberen Dorf Retzow, in welchem sich die ebenfalls von 
Herrn Tismar glücklich aufgenommene, höchst malerische Kirchen- 
Ruine befindet, deren Abbildung (S. 584) hier beigefügt 
wird. Bergau a. a. O., S. 630, sagt: „Retzow, Dorf, 
4 firn nordwestlich von Lychen. Alter Besitz des Heiligen 
Geist-Hospitals zu Lychen. Soll im Kriege 1440 verwüstet 
worden sein. (Fidicin, Territorien. Bd. IV, S. 161.). Ruine 
einer Kirche, Granitquaderbau, anscheinend aus dem 14. Jahr 
hundert. Langhaus, ohne Chor und Turm, gerade geschlossen. 
19 m lang, 9 m breit. Auf der Ostseite zwei schmale Spitz- 
bogenfenster. Portale spitzbogig, von Granit. Es stehen die 
Umfassungswände und die hohen Giebel in ziemlich guter 
Erhaltung." 
Auf dem östlichen Giebelfirst hat der Adebar sein Nest 
aufgeschlagen. Im allgemeinen hat sich, wie hierzu bemerkt 
werden mag, die Zahl der Störche auch im Templiner Kreise 
recht verringert, seitdem die Jäger dem die deutschen Farben 
tragenden Langbein nachstellen, weil er dann und wann ein 
junges Häslein verzehren soll. An der Nordseite find Reste 
eines viereckigen, kapellenartigen Anbaus zu bemerken. 
Das Innere der Kirche liegt derart voller Trümmer 
und Schutt, daß erzählt wird, man habe sich im Jahre 1806 
vergeblich bemüht, dort für einen in den Kämpfen mit dem 
zurückweichenden preußischen Heere gefallenen französischen 
[ Offizier eine Gruft zu graben. Gleichzeitig haben darin 
mehrere Bäume Wurzel geschlagen, u. a. ein uralter, knorriger 
Hollunderbaum, der sich durch eine besonders korkartig aus 
gebildete Rinde auszeichnet. Der Kirchhof mit einer ver- 
sallenen, rohen Feldsteinmauer und einem wetlerschiefen, elenden 
Holzgitterthor, sieht sehr verwahrlost aus und könnte doch 
mit geringen Aufwendungen in einen würdigeren Zustand ver 
setzt werden. 
In südwestlicher Richtung, zwischen nördlich dem Wurl- 
See und dem Nesselpfuhl, südlich dem Großen Lychener 
und dem Stadtsee. gelangten wir nach dem uralten, freund 
lichen Städtchen Lychen. in dessen nächster Nähe noch der 
ansehnliche Oberpfuhl und der langgestreckte Zens-See liegen. 
Lychen, schon 1248 als Stadt genannt, ist schon wieder 
holt beschrieben worden und soll daher nur kurz berührt 
werden. Herr Mühlenbefitzer Lieutenant d. R. Scherz machte 
in gewohnter Weise den freundlichen, ortskundigsten Führer, 
teilte auch wiederum dem Märkischen Museum allerhand Fund 
stücke zu. Ueber andere von Herrn Scherz und dem Kustos 
des genannten vaterländischen Instituts, Herrn Rudolf Buch 
holz, kürzlich gemachte Funde aus wendischer und christlich, 
mittelalterlicher Zeit in und bei Lychen hat der letztere im 
Monatsblatt der „Brandenburgia", Bd. III, S. 32—37, aus- 
jährlich berichtet. 
Uns zog insbesondere das alte Stargarder Thor 
(siehe obige Abbildung) an. ein quadratischer Bau im 
Norden der Stadt, mit Nischen und Satteldach von schlechter 
technischer Ausführung, wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts (Bergau a. a. O.. S. 514). Neben 
der jetzigen, von Westen her in die Stadl führenden, von uns 
befahrenen Landstraße liegt, ziemlich verfallen, eines jener 
merkwürdigen vermauerten Stadtthore, von denen die Sage 
Das Stargarder in fitjrtjc« in der Uckcrmarh. 
Nach einer photographischen Aufnahme von F. Tismar.
        
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