Path:
Periodical volume 1. Dezember 1894, Nr. 48

Full text: Der Bär Issue 20.1894

*; 573 
konnten — es gab Zank. Lärm, Prügel an allen Enden. 
Die Büttel versuchten nach Möglichkeit Ruhe zu stiften, er 
reichten jedoch nur, daß der Festplatz sich bald leerte. Hier 
war die Freude nun genügend ausgekostet, jetzt strebten die 
jenigen, die nach Abwechselung verlangten, nach dem Marien- 
berg, wo bei dem abzubrennenden Osterfeuer noch Lärm und 
Unfug in Fülle zu erwarten war. 
(Fortsetzung folgt) 
Hinter den Coulissen der Kriegsgeschichte. 
Von Gart Stichler. 
(Nachdruck verboten.) 
„Der Krieg ist eine Wissenschaft für Hochgebildete, eine 
Kunst für Mittelmäßige und ein Handwerk für Unwissende/' 
äußerte einst Friedrich der Große in philosophischer Weise. 
Dieser Ausspruch hatte in seiner Zeit eine gewiffe Berechtigung, 
die nicht bloß die Feld 
herrn, sondern auch die 
Geschichtsschreiber betraf, 
welche, vom engeren 
Standpunkte ausgehend. 
Kriegsverlauf und Kiiegs- 
ergebnlsse beleuchteten auf 
eigene Art. 
Die neuere Kriegsbc- 
schreibung muß bekannt 
lich den wissenschaftlichen 
Anforderungen ent 
sprechen, die eine ein 
gehendere Würdigung 
thätig gewesener Kräfte 
und bedingender umstände 
verlangen. Anders war 
es in der eigenartigen 
Zopfzeit, in der das 
beste Geschichtsmaterial 
gewöhnlich in wohlver 
wahrten Staatsarchiven 
geborgen und damit der freien Benutzung entzogen wurde. 
Wie die damalige Kriegführung viel Geheimdienste bean 
spruchte, die gegenwärtig weit besser durch sachgemäße Leistungen 
von Generalstabsoffizieren und vorgehenden Reiterabteilungen im 
Felde ersetzt werden, so verlangte auch die damalige Staals- 
regierungsweise noch Jahrzehnte nach beendetem Kriege Ge 
heimhaltung und Verdeckung interessantester Vorgänge und 
Beziehungen, die beim Beginn und während dem Verlaufe der 
Feldzüge maßgebend waren im Slaatskabinette wie auch bei 
der Heeresleitung. 
Man sprach und man schrieb in der Zopfzeit vom 
„Kriegslhealec," während man jetzt von „Kriegsschauplätzen" be 
richtet, obgleich nun wieder in neuester Zeit diejenigen Heeres - 
bewegungen und Kriegsübungen als die besten gelten, bei 
denen die etwaigen Schaulustigen das Vorhandensein großer 
Heeresabteilungen kaum wahrnehmen können. 
Im Zeitalter der schlesischen Kriege war die Bezeichnung: 
„Kriegstheater" nicht ganz unberechtigt, denn mitunter wurde 
der Krieg mehr scheinbar als wirklich geführt. Gilt jetzt im 
allgemeinen der Grundsatz, den Gegner aufzusuchen und bald 
möglichst mit großer Massenverwendung den Entscheidungs 
kampf zu wagen, so galt es damals als große Fertigkeit, den 
Krieg in die Länge zu ziehen, den Gegner mit Märschen zu 
ermüden oder irrezuführen, und wohl auch den Feldzug 
durch Kunstpausen zu unterbrechen. Dabei konnten dann 
Vorfälle stattfinden, die gegenwärtig als unmöglich und daher 
auch fast unglaublich erscheinen müssen. 
So ernst und so grauenhaft auch der Krieg sich zeigt mit 
erschütternden Begebenheiten und verhängnisvollen Wechsel 
fällen, so bieten uns Einblicke hinter die Eoulisten der Kriegs 
geschichte dennoch manch kurzweiliges oder auch direkt erheitern 
des Bild, wenn wir mit sachgemäßer Forschung den Personen 
und den Ereignissen näher treten, die in dieser Hinsicht Be 
achtung verdienen. 
Und nicht bloß das. auch manches geschichtliche Vorurteil, 
welches im Laufe der Zeit tief einwurzelte und dann auch 
dauernd sich behaupten 
konnte, wird dabei im 
Keime getroffen und zer 
stört. 
Wie wird noch gegen 
wärtig von der Spionage 
gefabelt, die angeblich 
von Friedrich dem Großen 
in den schlesischen Kriegen 
herangebildet und vielfach 
mit „größten Erfolge" 
benutzt worden sein soll. 
Genauere Forschuug in 
den Berichten glaub 
würdiger und bestunter, 
richteter Zeitgenossen lie 
fert dagegen die Beweise, 
daß Friedrich II. in 
seinen ersten Feldzügen 
keine Armeekundschafter 
verwendete und später die 
gefährlichsten Leute dieser 
Art, die seinen Gegnern dienten, auf seine Seite zog, um sie 
darauf abseits zu stellen vom eigentlichen Kriegsbereiche. 
Reichsgraf Karl Christoph von Schmettau, der im Jahre 
1741 den österreichischen Heeresdienst als Oberst verließ, in 
die preußische Armee übertrat und dann unter Friedrich dem 
Großen die Dienste eines Generalquartiermeisters leistete, 
schrieb wörtlich über die preußische Kriegsführung im ersten 
schlesischen Feldzuge: „Während des Feldzuges war man ge 
nötigt, sich bei jedem Reisenden oder Bauern zu erkundigen, 
um Nachrichten von den Bewegungen des Feindes einzuziehen, 
weil man. wie schon oben gesagt (v. h. in seinen Aufzeichnugen), 
wenig Husaren hatte und keine Spione bezahlte." Das 
Fehlen der Spionenverwendung auf preußischer Seite rügte 
Schmettau wiederholt, um die Erschwerung seiner Thätigkeit 
kla zustellen. 
Bei Beginn des zweiten schlesischen Krieges im Jahre 
1744, wurde der geheime Anschlag des sächsischen Ministers 
Graf Brühl gegen Berlin nicht durch den Spürsinn preußischer 
Diplomatie entdeckt, sondern durch den damaligen schwedischen
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.