Path:
Periodical volume 24. November 1894, Nr. 47

Full text: Der Bär Issue 20.1894

Unter Mitwirkung 
Dp. R. i36riu0ttier, Dr. A. KverrdicKe, |[o«tnwe, Stabtrat G. Fvier-ei. 
Ford. Wlerzov, Gyinnastatdirektor a. D. Dr. Mt. Krtstvarl; und v. MtiidorrDvrrris, 
herausgegeben von 
Friedrich Lilleffen und Richard George. 
XX 
Jahrgang. 
M 47. 
Der „8är" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt sNo. 709), Buchhandlung und 
Zeitungsspedition für 2 Mk. 80 pfg. vierteljährlich zu beziehen. 
24. Mooemder 
1804. 
Her Hchühling See Klostevvoigis. 
Lin Leirbild ait^ dem sechzehnten Jahrhundert. 
Von S. Kuctzlzsttz. 
(5. Fortsetzung). 
W^er Wind war nach Osten umgesprungen, das beulete auf 
**** frischeres Wetter für morgen. Mochte der Luftzug auch 
kühl sein, was that dies den heißblütigen Menschenkindern, 
die sich am Tanz aus dem Weinberg zu erfreuen hofften? 
Selbst Frau Ursula fand ihre gute Laune wieder, als 
sie sah, wie die Arbeit/unter den flinken Händen Elses dahinflog. 
Das Mädchen hatte den Wunsch, schnell fertig zu werden, und 
dieser, nicht die Freude an der Arbeit, wie die Muhme ver 
meinte, war es, der sie rastlos vorwärts trieb. Else wußte 
sogar den Meister zu veranlassen, auf der Diele Ordnung zu 
schaffen, Klaus brachte sie durch Gegenversprechungen dahin, 
seinem gewohnten Nichtsthun zu entsagen und die Werkstätte 
festlich aufzuputzen. Der Lehrjunge mußte Wasser heran 
schleppen, Haute den Garten säubern, auf daß der Osterhase 
sich darin wohl fühle, und Bärbchen verstand sich wohlgemut 
dazu, überall im Wege zu stehen, in der löblichen Absicht, 
ebenfalls Hilfe zu leisten. — 
„Sie kann alles, was sie will, hat aber leider fast immer 
ihren Eigenwillen, 's ist ein Blitzmädchen." vertraute Frau 
Ursel dem Klostervoigt an. als die beiden Alten ein Weilchen 
bei einander saßen. 
Pater Gottfried war der einzige, der seine gute Laune 
noch nicht wiedergefunden hatte, die Furche auf seiner Stirn 
war vertieft, sein Auge blickte selbst auf Else finster, er blieb 
auch der Hausfrau gegenüber einsilbiger denn je. Daß der 
Geselle schon forlgewandert war, hörte er augenscheinlich mit 
Befriedigung. Er hatte den hinterlistigen Menschen nie leiden 
mögen und ärgerte sich über Jochen, der schier aus Bequem 
lichkeit sich zu keinem Wechsel entschließen konnte. 
„Er versteht sein Handwerk, kommt einer ins Haus, 
der nichts kann, dann geht die Karre rückwärts, so arbeitet 
doch einer; — 's liegt am Meister, wenn die Leute nichts 
taugen, Voigt." nahm Ursula Partei für den Rothaarigen. 
Ja freilich, es lag an dem Meister, das wußte der Voigt 
wohl, und nun sorgte er sich noch heimlich um diesen wegen 
morgen — was konnte er da noch für Dummheiten machen! 
Else schlich dem Voigt nach, als er aus der Gartenpforte 
ging, sie wußte, er schloß nun die Mauerpforte. Richtig, er 
hielt sein Wort, sie sah, wie er sich bückte, einen Stein auf 
hob, wieder niederlegte und dann dem Klosterkirchhof zuschritt. 
Sie eilte dem Voigt nach. 
„Habt Dank, Pate. Ihr seid so gut!" 
„Gut? Sage lieber schwach. Du schwarze Hexe," ent- 
gegnete er finster. 
„Was habe ich Euch gethan, daß Ihr mir böse seid? 
Weicht mir nicht aus. ich weiß es. Seit dem Karfreitag — 
der Schinderhannes — Ihr wißt, was er meinte, schon längst 
wollte ich Euch befragen." 
Der Voigt lachte gepreßt. 
„Narretei! Mich ärgerte des Unehrlichen Gebahren, 
laß es gut sein! — Du willst also wirklich Osterwasser holen? 
Gesellschaft wirst Du zum Glück nicht finden, die anderen 
Jungfern ziehen durch das Stadtthor, das öffnet der 
Thorwart wie alljährlich gegen vorheriges Entgelt schon vor 
Sonnenaufgang. Soll sich da früher mancher junge Geselle 
in Frauenkleidern mit durchgeschlichen haben, drum sehe ich 
gern, wenn Du Dich fern hältst." 
„Ich gehe so zeitig, da ist noch niemand Fremdes zu 
Wege. Geruhsame Nacht, Pate!"
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.