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Periodical volume 3. November 1894, Nr. 44

Full text: Der Bär Issue 20.1894

« 542 fr— 
betreffenden einzelnen Landcsbedürfiiisie und 2. eine einheitliche 
Zentralstelle zur Feststellung der allgemeinen Reichsbedürfniffe 
geschaffen würde. Um die Regierungen für die Kosten zu 
gewinnen, sei es wichtig, auf Leistungen hinweisen zu können. 
Als Beispiel legte Prof. Brecher drei höchst sauber gearbeitete 
Karten vor: I. über die Besitzungen des Klosters Lehnin bei 
seiner Säkularisierung im Jahre 1542; 2. über die prä 
historischen Fundorte (Ringwälle). Burgen und Kirchen der 
Mark Brandenburg vom 9—16. Jahrhundert; 3. über das 
Bistum Brandenburg mit seinen Grenzen gegen das Kurfürsten 
tum Brandenburg wie gegen das Erzbistum Magdeburg kurz 
vor seiner Säkularisierung 1539. Archivrat Dr. Grotefend 
berichtet, daß in Mecklenburg das Ministerium die Kosten 
für die Grundkarten bereits bewilligt habe. In der Provinz 
Sachsen find nach dem Bericht des Prof. Dr. Schmidt 
(Halle) bereits schon 30 000 Mk. für die Vorbereitungen 
(Meßkarten u. s. w.) verausgabt. Auch in Hessen, in 
Elsaß-Lothringen und in Schleswig ist nach Prof, 
v. Thudichums Bericht die Herstellung der Grundkarten ent 
weder schon beschlossen oder doch in guter Aussicht. 
Nach einem kurzen Gang durch die Stadt, ;bei welchem 
neben den Bornemannschen Sammlungen und der Karl 
Alexander-Bibliothek (besonders reich an Luther-Litteratur) die 
in diesen Tagen auf Prof. Dr. Stecheles, des rührigen 
Vorstandes des Lokalkomitees, von ihren Gerüsten befreite 
herrliche Nikolaikirche besichtigt wurde, folgte das in der 
gehobensten Stimmung verlaufende Festessen im „Großherzog 
von Sachsen." 
Der dritte und letzte Tag, der 12. September, brachte 
um 9 Uhr morgens in einer Sektionsversammlung den Vor 
trag des Baumeisters und Streckenkommissars Jacobi 
(Homburg v. d. H.) über deu Limes, bei welchem vor allem 
die neuesten Entdeckungen über das Grübchen, das vor dem 
Limes als eigentliche Grenze herläuft, klar gelegt wurden. 
Dann fand um 9^ Uhr die dritte Hauptversammlung 
statt. In dieser wurde zuerst von dem Vorsitzenden die Antwort 
Sr. k. Hoheit des Großherzogs auf die telegraphische Be 
grüßung seitens der Versammlung verlesen, dann kam die 
Berichterstattung über die Delegierten- wie die einzelnen 
Sektions-Sitzungen an die Reihe. Ueber letztere möge außer 
dem bereits Berichteten noch nachgetragen werden, daß die 
Sektion IV (für Archivwesen) den Antrag des Archivrats 
Dr. Prümers (Posen) auf Schaffung einer archivalischen 
Ausstellung, und zwar zu Marburg i. H., sich zu eigen 
gemacht hat. Endlich wurde für die Zukunft die Absicht kund 
gegeben, die für das Ganze so wichtigen Sektionsfitzungen 
auch zeitlich mehr in den Vordergrund zu stellen und nur noch 
je einen kürzeren Vortrag halten zu lassen, in welchem über 
die geschichtliche Bedeutung des betreffenden Gebiets Auskunft 
gegeben und über das, was dort seither in Bezug auf die 
Altertumsvereine geschehen ist, ins Licht gestellt werde. 
Den Schluß der diesjährigen Tagung bildete ein gemein 
schaftlicher Ausflug über Ruhla nach den Schlössern Alren- 
stein und Liebenstein. War auch der Himmel ziemlich 
bewölkt, so war doch die Stimmung eine äußerst gehobene, und 
die gemeinsame herrliche Wanderung über den das industrie 
reiche Ruhla im Norden und das elegante Luftkurbad Lieben 
stein nebst Altenstein im Süden trennenden Gebirgskamm des 
Thüringer Waldes lohnte die Freunde der Geschichis- und 
Altertumsforschung reichlich für alle Anstrengung und Arbeit 
der vorangegangenen Tage. 
Girre Krr>t-, Sorrrrrrel-, Kirr- tmi» Fieisrh-Tasca 
aue dem Satire 1758, mit dem PolizelJnsiegel versehen, ist der 
„Allgem. Fleischer-Zeitung" im Original zur Verfügung gestellt worden. 
Die Publikation, vom 1. Februar 1758 datiert, also 138 Jahre alt, ist in 
Großquart gedruckt, dar Papier hat fich ganz vorzüglich erhallen — ein 
Beweis, um wieviel bester das Papier damals war. als heute. Bon be 
sonderem Jntercsie werden die Bestimmungen der Taxa über den Fleischverkaus 
sein, aber auch die weiteren Bestimmungen der Beiordnung sind so inieresiant, 
daß wir sie hier sämtlich, und zwar buchstabengetreu, folgen lassen wollen: 
Brod-, Semmel-, Bier- und Fleisch-Taxa 
der König!. Preußischen beyden Chur- und Haupt-Städle Brandenburg im 
Monat Febr. de« 1758. Jahres. 
1. DeS BrodiS: Und da der Roggen gilt 1 Thl. — Gr. — Pf. 
Dazu an Ungeld, für Ziese, KriegeS- 
metze, Accise, Metze, Mahlgeld, Fähr 
lohn, dem Bäcker für Holx und Backe- 
lohn — 8 - 6 » 
JnSgesamr l Thl es ist. e Pf. 
Muß ein Dreyer Brodt wiegen — Pfund 17 Loth 1 / 2 Qu. 
ein Sechs Pfennig Brodt 1 - 3 - — - 
ein Groschen Brodt... 2 - 6 • — - 
ein Zwey Groschen Brodl 4 - >2 - — - 
ein Hausbacken Brodt äLGr. 4 - 31 - — - 
2. Der Semmel: Und da der Weizen gilt — Thl. 21 Gr. — Pf. 
Dazu an Ungeld, für Ziese, KriegeS- 
Metze, Accise, Metze, Mahlgeld, Fuhr- 
lohn, dem Bäcker für Holtz und Backe 
lohn — 16 - 8 - 
Insgesamt 2 Thl. 13 Gr. es Pf. 
Muß eine Semmel ä 3 Pf. wiegen 7 Loth 3>/z Qu. 
Jedoch muß aller gut, auf der Unterseite rein, und wohl auSge- 
backen seyn, auch die rechte Gewichte haben. WiedrigensallS eS soll con- 
fiScirt, unter die Armen auSgelheilet und die Contravenienten, wenn es 
oft geschiehet, überdem hart bestrafet werden. 
3. Des einheimischen BiereS: Und weil 
der Gersten bis 1 Thl. 5 Gr. —Pf. ge 
golten: so ist das Faß Bier, welches 
gut und untadelhaffi gebrauen werden 
muß, mit Zuziehung der Jnteresienten, 
angeschlagen zu 5 Thl. 18 Gr. 6 Pf. 
Und daS Quart klar oder Wassermaaß 
_ 
8 
•PI 
Die Tonne Brühahn 
2 - 
13 
- 
— 
- 
DaS Quart Brühahn 
— 
— 
8 
- 
DeS fremden BiereS: Und soll gegeben 
wilden daS Quart Brühahn .... 
— 
I 
- 
6 
- 
DaS Quart Duchstein 
— 
1 
- - 
6 
- 
DaS Quart Coltwitzer 
— 
1 
r - 
6 
- 
DaS Quart Ruppiner Bier 
— 
1 
- 
3 
- 
DeS Fleischer und zwar 
dar Pfund Rind-Fleisck>, dar beste vor 
— 
I 
- 
6 
- 
dar geringste vor 
— 
I 
- 
4 
- 
Das Pfund Kuh Fleisch, daS beste vor 
— 
1 
. - 
2 
- 
daS geringste vor....... . 
— 
— 
— 
DaS Pfund Hammel Fleisch, dar beste vor 
— 
1 
- 
4 
- 
dar geringste 
— 
— 
— 
DaS Pfund Schweine Fleisch, dar beste vor 
— 
1 
- 
6 
- 
dar geringste 
— 
— 
— 
Dar Pfund Kalbfleisch, das bene vor 
— 
1 
- 
2 
- 
dar geringste vor 
— 
— 
— 
Kopf, Maul, Füsse, Rücken-Knochen u. 
Ribben-Speer dar Pfund ä . . . . 
— 
1 
- 
3 
- 
Da» Gekröse vom Kalbe, dar beste vor 
— 
2 
- 
6 
- 
Kopf und Füsie vor 
— 
2 
- 
6 
- 
Da« Geschlinge vor 
— 
2 
- 
6 
- 
Rinder Kaidaunen. Nieren, Hertz dar Pfund ä 
— 
8 
- 
Eine grosse Ochsen Zunge ... - 
- - 
4 
- 
8 
- 
Eine geringere „ 
- - 
3 
- 
— 
•S 
Eine Hammel Zunge - 
- - 
— 
6 
r 
Geschlinge - 
- - 
1 
- 
3 
- 
Kaidaunen........ - 
- - 
1 
- 
4 
- 
Kleine Mitteilungen. 
!
        
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