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Periodical volume 20. Oktober 1894, Nr. 42

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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Urnenfunde auf der Feldmark des Dorfes hin. Der Name 
des Ortes, der bis in das 16. Jahrhundert hinein in den 
Urkunden dalghe oder dalge geschrieben wird, ist wohl vom 
slavischen daleku — tief, vertieft gelegen — herzuleiten und 
würde der Lage des Dorfes in einer Senkung am Abhange 
des Höhenzuges entsprechen. In den ersten Zeiten der An- 
siedlung muß sich in der Nähe von Dalgow ein See oder ein 
größerer Wasserlauf befunden und ein Teil der Bewohner die 
Fischerei daselbst ausgeübt haben, denn der zum Bahnhof 
führende Weg trägt noch heute den Namen „Kietz", was auf 
die Anwesenheit von Fischern hindeutet. Sicherlich dehnte sich 
das Havelländische Lug ehemals seeartig bis Rohrbeck. Dalgow 
und Seegefeld aus. Auf eine wendische Bevölkerung des 
Dorfes weisen ferner mehrere Graburnen hin, welche im 
Jahre 1830 beim Ban der Chanssee auf dem der Schule ge 
hörigen Acker und auf dem Acker des Bauerngutsbesitzers 
Schönbeck gefunden wurden.*) Außerdem wurde M Jahre 
1890 eine Graburne von unglafiertem Thon in einer Sand 
grube am Bahnhof ausgegrabcn, welche außer dem Leichen 
brand eine Bronzespirale, wohl einer Fibula angehörend, und 
mehrere viereckige Bronzeblättchen enthielt. Dieselbe ist leider 
zertrümmert worden. 
Urkundlich erwähnt wird das Dorf Dalgow erst im Jahre 
1271. Um diese Zeit ist ein Ritter Rudolf von Schueit- 
lingen (Rodolphus, miles noster specialis, dictus de 
Snetglinghe) in „Dalghe“ begütert und überläßt von seiner 
Besitzung 7 Hufen, welche er von dem Markgrafen zu Lehen 
hat, dem Nonnenkloster zu Spandau, in welches seine 
Tochter aufgenommen werden soll. Ob Rudolf von Schneit- 
lingen Besitzer des ganzen Dorfes oder nur Teilinhaber war. 
geht aus der Urkunde nicht hervor, doch scheint letzteres der 
Fall gewesen zu sein, weil dem Landbuche zufolge der Mark 
graf in früherer Zeit die Bede, das Obergericht und den 
Wagendienst in Dalgow besaß. Ueberhaupt findet sich bis 
zum Jahre 1375 über die Besitzer des Dorfes keine bestimmte 
Nachricht. Dasselbe wird indes in der Zwischenzeit zweimal 
erwähnt. Im Jahre 1344 übernachtete ein Herzog von 
Braunschweig in „Dalga" und wurde dgselbst auf mark 
gräfliche Kosten verpflegt (Riedel Cod. III. 1. S. 20). Ver 
mutlich war es Herzog Otto von Braunschweig, welcher sich 
nach seiner Besiegung behuss Einigung über die Abtretung 
der Altmark an den Hof Ludwig des Aelteren begab. — Im 
Jahre 1359 verleiht Ludwig der Römer auf die inständige 
Bitte des Ritters und Rates Marquardt Lauterbach (Luter 
beck) 4 Hufen in „Dalgen", die sogenannten „Wegershuven", 
mit allen Gerechtsamen dem Kloster zu Zehdenick zum 
Eigentum. Die Einkünfte aus den betreffenden Ländereien 
sollten allerdings vorläufig den beiden Töchtern des Lauterbach, 
welche als Nonnen im Kloster weilten, zu gute kommen, und 
erst nach dem Tode der beiden Edelfräulein sollten die Hufen 
zu den Tafelgütern des Klosters hinzugezogen werden. Der 
Umstand, daß der Markgraf in der betreffenden Urkunde (d. 
d. Havelberg am 31. März 1359 bei Riedel, Ood. I, 13. 
*) Ueber den Verbleib der Urnen ist nicht? bekannt, weder im 
Märkischen Museum noch in demjenigen für Völkerkunde sind Urnen au? 
Dalgow vorhanden. Ja der Sammlung de? letzteren Institut? <11. 3375) 
befindet sich nur ein Armband aus Sitbervrahtgeflecht, welches nebst Münzen 
aus dem 10. und II. Jahrhundeert auf der Feldmark von Dalgow beim 
Sleingraben gefunden wurde und bereits von Ledebur (Heidn. Altertümer) 
erwähnt wird. Obige Angabe über die Urnensunde zu Dalgow ist der 
dortigen Schulchronik entnommen. D. V. 
S. 135) bemerkt, die Hufen hätten bisher ihm gehört, und 
daß er für sich und seine Nachkommen auf alle init denselben 
verbundenen Gerechtsame verzichtet, läßt erkennen, daß der 
Markgraf der eigentliche Besitzer des Dorfes Dalgow war. 
Dieses Besitzverhälluis muß sich indes unter der Regierung 
Ottos des Faulen sehr geändert haben, denn das Landbuch 
von 1375 zählt nicht weniger als zehn abgabenberechtigte 
Inhaber auf. Die eigentlichen Besitzer sind die Söhne eines 
Berliner Patriziers Johann Trebus, welche zehn Husen 
sowie die Bede und das Obergericht nebst dem Wagendienst 
innehaben. Dann folgen vier geistliche Besitzer: die Kirche 
zu Stolp, deren Altar mit der Pacht von 4 Hufen dotiert 
ist, die Nonnen zu Zehdenick und die zu Spandau, welche 
die Pacht von 5 bezw. 3 Hufen einziehen, und eine geistliche 
Brüderschaft, die Oraciferi, denen die Pacht von 3 Hufen 
zusteht. Das Dorf Gütergotz besitzt in Dalge 6 Fceihufen, 
das Dorf Vehlefanz die Pacht über 2 Hufen; außerdem sind 
Johann von Selchow, die Söhne des Johann Prigarde und 
der Bürger Claus Reiche (Clawes Dimes) aus Spandau zur 
Erhebung einzelner Pächte berechtigt. Der Pfarrer hatte eine, 
der Schulze zwei Freihufen inne. Die Pacht, welche die 
einzelnen Hufeninhaber entrichteten, war verschieden und 
wurde wahrscheinlich nach dem Ertrage des Ackers bemessen, 
an Bede bezahlten alle das Gleiche. Außer den Hüfnern 
wohnten noch 10 Kossäten im Dorfe, welche je 1 Schilling 
und 2 Hühner zu entrichten hatten; die jährliche Abgabe des 
Krügers betrug ein Schock Hühner. 
Gegen Ende des 14. oder im Anfang des 15. Jahrhunderts 
ging Dalgow in den Besitz der Familie von Hake, und zwar an 
die Linie Bornim-Stülpe über, bei welcher es bis in die 
zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts verblieb. Im Jahre 
1412 wurde Heinrich Hake, bekannt durch seine Verteidigung 
der Stadt Frankfurt a. O >432 gegen die Hussiteu, als 
Besitzer des Ober- und Niedergerichls und der Bede von 
23 Hufen zu Dalge belehnt, welche Gerechtsame bereits sein 
Vater besessen hatte (Fidicin, Territor. III, 2. S. 7.) — 
Bald nach dem Besitzantritt des Heinrich Hake trug sich in 
Dalgow ein Ereignis von bedeutender Tragweite zu. Caspar 
Gans von Puttlitz wurde nämlich in seiner Fehde mit dem 
Bischof von Brandenburg am Andreastage des Jahres 1413 
von dem Stiftshanptmann des Bischofs, Hans von Redern, 
in einem Banerahause 'jtt Dalgow gefangen genommen und 
über Pritzerbe nach Ziesar gebracht. Diese Gefangennahme, 
welche Klöden in seinem Buche „Die Ouitzows und ihre Zeit" 
(3. Aufl. III. S. 10) recht anschaulich schildert, befreite Kur 
fürst Friedrich I. von seinem gefährlichsten Gegner und trug 
viel zum Gelingen der kurfürstlichen Pläne bei. — Als die 
nächsten Besitzer von Dalgow werden dann der Hofrichter 
Achim Hake, der als kurfürstlicher Rat im Streite Friedrich 
des Eisernen mit den Schwesterstädten Berlin und Kölln eine 
Rolle spielte, und dessen Brudersöhne Otto und Heinrich 
Hake genannt, welche 1435 mit den gleichen Gerechtsamen 
wie ihr Vorfahr belehnt werden (Riedel I, 11. S. 339). 
Neben den Hakes waren Benediktus Hoppenrade und das 
Domkapitel zu Brandenburg in Dalgow begütert. 
Ersterer wird 1412 mit „drio stuck geldes czu dalge" 
belehnt ititb ist nach dem Lehnsregister von 1442 noch im 
Besitz gewisser Pächte. Das Domkapitel erkaufte im Jahre 
1419 von dem Kloster zu Zehdenick die demselben gehörigen
        
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