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Periodical volume 27. Januar 1894, Nr. 4

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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dinstn, Rouchhunren*) und czehnden, vnd sust mit 
allen andern ozugehorungen, fryheiten vnde gerechtig- 
keiten, nichts uszgnnommen vnd in aller mass, als 
vnser lieber getruwer Gelfhert toyse dasselbe dorff 
vormals vnde bisheren inne gehabt vnde bisheren be 
sessen hat“, an das Stift „Unserer lieben Frau" auf 
dem Berge bei Brandenburg (Riedel a. a. O. I, 9., S. 209). 
Nach der Reformation gelangte Döberitz an den Kur 
fürsten von Brandenburg zurück, welcher es 1581 im Tausche 
für Dyrotz an Hans Roch zu Parne überließ. Von diesem 
scheint der erste Grund zu dem nachhrrigen Ritterguie gelegt 
zu sein, denn im Jahre 1610 waren in Döberitz zwei Ritter 
fitze vorhanden, welche Baltzer und Jeremias Roch besaßen, 
und zu welchen 23 Hufen, der Busch, die „Helle" genannt, 
Viehtrift über die Feldmarken Rohrbeck und Seeburg und 
das Recht gehörten, daß die Einwohner die Freckhorst, Trinden- 
mehnung und kleine Eichhorst zu Wiesen machen durften, 
dafür aber dem Amte Spandow Zins zahlen sollten (Fidicin 
Territ. III., 2. Abt., S. 9). Baltzer Roch, der außer 
Döberitz noch Falkenrehde. Hoppenrade, Schonn (j. Marquardt). 
Paaren (a. d. Wublitz), Rohrbeck, Seeburg und Wernitz besaß, 
starb 1614 ohne Leibeserben, und seine Güter fielen infolge- 
desien wiederum dem Kurfürsten von Brandenburg zu. der fie 
nun den Söhnen des verstorbenen kurbrandenburgischen Ober- 
Kammerhenn Ludwig von der Gröben verlieh. Es waren 
dies die vier Brüder Ernst, Herr auf Kotzeband und Amts 
hauptmann zu Zossen. Otto Joachim, Jobst Heinrich und 
Ernst Ludwig von der Grüben. 
Bei diesem Befitzübergange bestanden noch 7 Bauerngüter 
mit 21% Hufen, von welchen Ernst von der Grüben 
jedoch bald 3 Hufen auskaufte und als freie Ritterhufen zu 
seinem Besitze schlug. Dieser Ernst von der Grüben scheint 
schließlich der alleinige Inhaber von Döberitz gewesen zu sein, 
denn nur er wird in den vierziger Jahren als Erbherr auf 
Döberitz erwähnt, und der Besitz desselben ging auch auf 
seinen Sohn Detlev über, der um 1645 als Herr auf 
Paaren, Dölnitz und Döberitz genannt wird. Detlev von 
der Groben erschoß sich im Jahre 1662 und hinterließ eine 
Tochter Ursula Margareta und zwei Söhne Levin und 
Ernst Heinrich, von welchen letzterer als Erbe der väter 
lichen Güter in Döberitz folgte. Ernst Heinrich von der 
Grüben war mit Ehrentraut von Platen vermählt, und dieser 
Ehe entsprossen drei Kinder, eine Tochter Anna Ehren traut 
und zwei Söhne Konrad Heinrich (geb. 17. Januar 1672) 
und Levin Ludwig (geb. 8. Dezember 1675). Auf diese 
drei Kinder scheint beim Tode des Vaters Ernst Heinrich (am 
6. Mai 1681) der Besitz von Döberitz gemeinschaftlich über 
gegangen zu sein, und da fie noch minderjährig waren, so 
wurde das Gut von ihrer Tante Ursula Margareta von 
der Grüben verwalket. Letztere muß die Verwaltung wohl 
bis zu ihrem Tode am 13. Juli 1698 geführt haben, denn 
im Sterberegifter von Döberitz findet sich unter dem an 
gegebenen Datum die Bemerkung: 
„Anno 1698, d. 13. July . ... ist gestorben virgo 
nobilis Urs. Margr. von der Groben, hactenus 
Pensionaria an float Ihres verstorbenen Bruders Ernst 
Heinrich de Groben, aetatis 63. ann: u. s. w.“ 
*> Rauchhuhn, eine jährliche Abgabe der Dorfbewohner von jeder 
Herdstätte. 
Nach dem Tode ihrer Tante traten dann die Brüder 
Konrad Heinrich und Levin Ludwig in den eigentlichen 
Besitz von Döberitz. und zwar ebenfalls gemeinschaftlich mit 
ihrer Schwester Anna Ehrentraut. Dieser Anteil der 
Schwester an der Besitzung geht aus einer Stelle in einem 
handschriftlichen Aufsatz des nachmaligeu Pastors Wöllner 
vom Jahre 1757 hervor, welcher gegen Ende des 17. Jahr 
hunderts „2 Adeliche Fräulein von der Grüben" als Be 
sitzerinnen des Rittergutes Döberitz angiebt, und diese beiden 
Fräulein können nach dem bisher Gesagten nur Ursala 
Margareta und ihre Nichte Anna Ehrentraut sein. Wöllner, 
welcher bei dem Mangel an schriftlichen Aufzeichnungen nur 
durch mündliche Ueberlieferung von den Befitzverhältnissen der 
Familie von der Grüben gehört hatte, begeht hier einen 
kleinen Irrtum, indem er nur die beiden Fräulein und nicht 
auch die beiden Söhne Ernst Heinrichs als Besitzer bezeichnet, 
denn letztere waren ebensogut Inhaber des Erbes wie die 
Schwester. Möglich ist es jedoch auch, daß Anna Ehrentraut, 
welche einige Jahre älter war als ihre Brüder und daher 
auch eher großjährig wurde als diese, schon früher in den 
eigentlichen Besitz des Erbes getreten ist und thatsächlich mit 
der Tante zusammen die Verwaltung des Rittergutes leitete. 
Nur auf diese Weise ließe sich bei dem Mangel an Nachrichten 
die Bemerkung des Pastors Wöllner erklären. 
Diese vier zuletzt genannten Mitglieder der Familie von 
der Grüben werden in dem alten Taufregister von Döberitz 
aus den Jahren 1684—1701 mehrfach als Paten erwähnt: 
Ursula Margareta 1692 und 1695 als „virgo nobilis 
Ursula Margaretha de Groben“, Anna Ehrentraut 
1698 als „Frl. Anna Ehrentrud de Groben aus Dobritz“, 
Konrad Heinrich 1687 als „Cüne Heinrich von der 
Groben. Nob Döb.“ und 1690 und 1698 als „Mons. 
Curt*) Heinrich de Groben. Nob Düb.“,*'Levin Ludwig 
1692 als „Mr. Ludwig de Groben. Nob. Döberitz.“ 
Außerdem finden sich die Namen der beiden letzteren auf den 
von ihnen gestifteten Kirchenglocken von Döberitz (s. vor. Nr.). 
Konrad Heinrich und Levin Ludwig von der Grüben, 
welche beide Offiziere in brandenburgischen Diensten waren, 
veräußerten im Jahre 1711 Döberitz an den Geheimen 
Kriegsrat, späteren Minister von Katsch. Dieser kaufte das 
Rittergut Ferbitz, welches früher als Filial zu Döberitz ge 
hört hatte, hinzu und trat seinen Besitz am Trinitatisfeste des 
Jahres 1711 an. 
Bis zu diesem Zeitpunkte fließen die Nachrichten über 
Döberitz ziemlich spärlich und beschränken sich auf die mit 
geteilten Notizen, denn die alten Kirchenakten sind in den 
Wirren des dreißigjährigen Krieges, wie in den meisten 
märkischen Dörfern, ein Raub der Flammen oder eine Beute 
der Plünderer geworden. Aus dem Ende des 17. Jahr- 
hunders findet sich dann ein altes Kirchenbuch, das von dem 
Pastor Rücker aus Rohrbeck geführt ist und die in den 
Jahren 1684—1701 vorgekommenen Geburten, Trauungen 
und Sterbefälle aufführt, aber erst seit 1713 giebt es stetig 
fortgeführte Tauf- und Sterberegister und Rechnungsbücher 
der Pfarre zu Döberitz. So geringfügig auch die in den 
selben enthaltenen Nachrichten sind, so gewähren fie doch 
immerhin einen sicheren Anhalt und eine klarere Uebersicht 
*) Cüne und Curt sind Abkürzungen des Namens „Konrad".
        
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