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Periodical volume 27. Januar 1894, Nr. 4

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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Dööeritz im Osthavellande. 
Von vr. Gustav Albrectit. 
(I. Fortsetzung.) 
Die wiederholte Erwähnung des Ministers von Katsch 
giebt uns Veranlassung, an dieser Stelle näher auf diesen 
Besitzer, sowie auf die Geschichte des Dorfes überhaupt einzu 
gehen. Es find nur dürftige Nachrichten, welche uns in 
Lehnsbriefen oder Schloßregistern von den Besitzern und den 
Schicksalen des Ortes aus früherer Zeit überliefert find. 
Ueber den Ursprung des Dorfes läßt sich bei dem 
Mangel an historischen Quellen über die Gründung märkischer 
Dörfer natürlich nichts Be 
stimmtes feststellen. Zu ver 
muten ist nur, daß Döberitz 
eine wendische Nieder 
lassung ist, denn darauf 
deutet sein Name hin. 
Döberitz. wendisch 
dobrice, ist von dem 
slavischen Worte dobry- 
gut, schön, abzuleiten und 
bedeutet guter, schön 
gelegener Ort, eine 
Bezeichnung, welche der 
lieblichen Lage des Dorfes 
wegen sehr treffend ge 
wählt ist. Wann aber 
eine solche Niederlassung 
in dem in früherer Zeit 
sehr sumpfigen und wal 
digen Gelände entstanden 
ist, darüber vermögen wir 
nichts anzugeben. Erst im 
13. Jahrhundert lichtet sich 
einigermaßen das Dunkel, 
welches über der Ge 
schichte des Dorfes schwebt. 
In den Urkunden aus 
jener Zeit wird vielfach 
eine Familie von Döberitz 
erwähnt, ein altritterliches 
märkisches Geschlecht, wel- 
ches im Havellande ange 
sessen war und die Ritter- 
sitze Lietzow (bei Nauen) 
und Lentzke (bet Fehrbellin) 
in Besitz hatte. Es dürfte nun keine zu weitgehende Vermutung 
sein, daß der Name dieses Geschlechts in Beziehung zu 
unserem Dorfe steht und daß die Familie sowohl dieses Dorf 
wie das gleichnamige im , Westhavellande in Besitz gehabt 
und von einem derselben ihren Namen entlehnt hat. 
Die erste sichere urkundliche Erwähnung unseres Dorfes 
findet sich im Karolingischen Landbuch vom Jahre 1375, 
welchem zufolge der Umfang von „Döberitz" 50 Hufen be 
trug, von denen 4 dem Pfarrer gehörten und abgabenfrei 
waren, während die anderen 46 zu Pacht und Bede ver 
pflichtet waren. Die Zahl der Hufenbefitzer wird nicht genannt, 
dagegen wird erwähnt, daß sich fünf Koffätenhöfe im Dorfe 
befanden, von denen zwei zur Zeit wüst waren. Ein Wirts 
haus und eine Mühle waren nicht vorhanden. Die Bede 
Hanen die Ritter Johannes und Heinrich von Kröcher, die 
Pacht, den Zins und das Obergerichl die Witwe Schosses 
als Leibgedinge im Besitz. Der Wagendienst wurde dem 
Markgrafen geleistet. 
Im Jahre 1414 wurde die Familie Bamme in Döberitz 
mit 16 Hufen und allen mit diesen verbundenen Gerechtsamen 
belehnt. Der Wohlstand einzelner Dorfbewohner scheint um 
diese Zeit ein recht günstiger gewesen zu sein. Dies ersehen 
wir aus einer Klageschrift des Kurfürsten Friedrich I. von 
Brandenburg wegen der 
seit 1412 durch den Erz 
bischof von Magdeburg 
und deffen Unterfassen in 
den Marken stattgehabten 
Beschädigungen vom 
24. Mai 1420. Darin 
heißt es: „Anno domini 
MCCCCXVI peter 
Kotcze mit synen 
belfern hat den vnsen 
also tyle brosekenin 
dem dorffe czu dobericz 
genommen an pberden, 
trugen, betten, kesseln 
etc. den schaden er 
achtet uff XXX beh. 
chog gr. (ca. 1200 Mark 
i. heut. Gelde) *). Im 
Jahre 1435 gelangten 
„czu döberitz fueff- 
czehn huben vnd das 
halbe uberste vnd 
ryderste gerichte“ an die 
Gebrüder Otto und Hein 
rich v. Hake (Riedel, Cod. 
dipl. I, 11. S. 339). 
Diese 15 Hufen hatten 
vorher schon dem Vater 
der beiden Brüder gehört 
und gingen später in den 
Besitz ihres Oheims Achim 
von Hake über, der 
1453 als Herr auf 
Döberitz erwähnt wird 
(Riedel a. a. O. I. 11.. S. 384). Dieser Achim von 
Hake, welcher auch auf Dallgow angesessen war, trat indes 
in dem letztgenannten Jahre seinen Grundbesitz in Döberitz 
an einen gewissen Gelfart Toyse ab, und dieser verkaufte im 
Jahre 1472 „das dorf doberiz mit allen seinen 
czinsenn, pechten, Ackern, wesen, weidenn, Bracheren, 
pusschenn, beiden vnde allen holczen mit dem Kirch- 
lehen, mit obirsten und nydersten gerichten, auch den 
Weingarten**) do bey gelegen, mit der bethe vnde 
*) Riedel, Cod. dipl. Bd. II, 3. S. 369. 
**) Vermutlich bezeichnet der .Weinberg", westl. von Döberitz auf 
dem Wege nach Buchow-Carpzow gelegen, die Stelle diese« alten Wein 
garten«. 
Kaiser Milhelrn II. 
Nach einer Photographie von E. Bieber, Kgl. Bayer.'Hofphotograph in Berlin.
        
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