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Periodical volume 6. Oktober 1894, Nr. 40

Full text: Der Bär Issue 20.1894

■e 481 fr- 
gemordetes Schlachtopfer, darunter steht nn Abschnitte: 
0ori8rlls ac IX civibus trucidatis, die Umschrift: 
Crudelitate Jesmtarum violata. Das Gewicht dieser 
Münze ist 4^/2 Gulden Preuß.*) 
Zur Beurteilung der Sittengeschichte der damaligen Zeit 
in Thorn geben die vielfachen vom Rat gegen die Sitten- 
Verderbnis gegebenen Erlasse Aufschluß, nach denen zu urteilen 
Vielweiberei. Ehebruch und Trunkenheit an der Tagesordnung 
gewesen zu sein scheint. Wie oft die Verbrechen mit 
des Krieges zwischen Schweden und Polen für Thorn schwere 
Zeiten ein, in welchen es mehrfachen Angriffen und längeren 
Belagerungen ausgesetzt ist. Zwar hat Thorn in den ersten 
Jahren des Krieges nur durch den Durchmarsch von polnischen 
Truppen zeitweise zu leiden, da sich der Krieg vornehmlich in 
Livland abspielt; dennoch sinkt Thorns Handel bedeutend. 
Erst als der unternehmende Schwedenkönig Gustav Adolf 
1626 mit der Eroberung Pillaus und der Landung von 
15 000 Mann unter Feldmarschall Wrangel den Krieg nach 
dem Tode bestraft wurden, geht aus dem vom Rat ange- ! Preußen hinüber spielt und in schnellem Siegeslauf Brauns 
schafften Blutbuch hervor, worin die Urteile eingetragen werden 
mußten. Nach einer Handschrift soll dieses Blutbuch, welches 
in der Kanzlei seinen Platz hatte, schwarz von Farbe, ver 
silbert am Schnitt, zuerst den 24. April 1600 eingeführt 
worden sein, worüber jedoch die Geschichtsschreiber nicht ganz 
einig sind. 
Hand in Hand mit diesem 
ausschweifenden Leben gehen 
große prächtige Turniere und 
Volksbelustigungen. So heißt 
es in der Chronik: „Den 1. 
März 1593 wurde eine prächtige 
Kollation im Artus-Hofe ge 
halten, vorher fand ein Kröllen 
oder Junkerstechen statt auf dem 
Markte, da vorgängig jedem 
Hofstecher ein Stück schlesisches 
Tuch zur Kleidung ihrer 
Laqueien gegeben worden. Es 
ging Alles herrlich, fast Fürst 
lich zu mit Rossen, Trabanten. 
Trompeten. Etliche Bürger 
von Danzig und anderen um 
liegenden Städten, auch die 
vom Adel im Lande kamen 
zur Stadt, solch Stechspiel in 
ganzen Kürassen und Krönlein 
anzusehen." 
Auch von einem Tier 
kampf zwischen einem Löwen 
und einem Bullen 1580 meldet 
die Chronik. Ebenso finden 
sonderbare Wetten statt. Gregor 
Rummelar wettet 1588, in einer kupfernen Braupfanne die s 
Weichsel nach Danzig herunter zu fahren, und gewinnt die ! 
Wetie. 1584 wettet Heinrich Rüdiger, in einer Stunde auf 
demselben Pferde nach Leibitsch hin und zurück zu reiten, und 
gewinnt ebenfalls die Wette. 
Wenn Thorn durch den Frieden 1466 sich auch seine 
Selbständigkeit gewahrt hatte, so wurde es doch naturgemäß 
von jetzt mehr oder weniger in die Händel und Kriege des 
Königreichs Polen verwickelt, und treten mit dem Ausbruch 
*) Im Jahre 1833 wurde im Hof des alten ehrwürdigen Rathauses, 
in der Nähe der Stätte, wo die Hinrichtung stattgefunden batte, ein 
Denkmal enthüllt, welches sein Zustandekommen lediglich Beiträgen ver 
evangelischen Geistlichkeit und des Gustav-Adolf-Vereins verdankt. Das 
Denkmal zeigt als Medaillon in Sandstein den in Bronze gegossenen Kopf 
des Bürgermeisters Rörner mit folgender Unterschrift: Bürgernreister Gott 
fried RöSner und neun Bürger ThornS starben am 7. Dezember 1724 
.Getreu bis in den Tod." 
Kuppel des Fernfprorft-Amtes 
in der Gruuivndurser Strafe zu Koriin« 
berg, Guttstadt. Frauenburg. Elbing besetzt, tritt auch für 
Thorn selbst unmittelbare Kriegsgefahr ein. Jetzt erst werden 
die Mauern der Stadt in Stand gesetzt und durch Erdwälle 
nach niederländischer Manier verstärkt, von denen vorher nur 
die Schanze auf der Bazar-Insel vorhanven war. Diese 
Erdwerke sind noch unvollendet, 
als 1629 der vorhin er 
wähnte Feldmarschall Wrangel 
mit 8000 Mann plötzlich vor 
Thorn erscheint und es zu 
überrumpeln versucht. An der 
Wachsamkeit und Tapferkei der 
Bürgerschaft scheitert jedoch 
der Versuch, wiewohl die 
Schweden bis in den Zwinger 
vor dem Culmer Thor dringen, 
hier aber durch die Tapferkeit 
des Stadtobersten Friedrich von 
Roßen zurückgeschlagen werden. 
Eine Aufforderung, sich zu 
ergeben, wird nach mehreren 
vergeblichen Versuchen. Thorn 
von der Weichselseite zu nehmen, 
abgelehnt, und so zieht Wrangel 
unter Drohungen gegen die 
Stadt mit seinem Heere nach 
Elbing zurück, nachdem er 
sämtliche Vorstädte und Land 
güter niedergebrannt, Getreide 
und Vieh aber fortgeführt 
hatte. Die Verteidigung hatte 
der polnische Oberst Graf 
Dönhoff geleitet. 
Der durch Vermittelung Englands zwischen Polen und 
Schweden vereinbarte 26 jährige Waffenstillstand schützte Thorn 
vorläufig vor den Drohungen Wrangels. Jedoch füllte die 
Stadt die Friedenszeit nur mit religiösen Händeln aus, ohne 
ihre Festungswerke und ihre Verteidigungsfähigkeit zu stärken, 
und so finden wir bei Wieder-Ausbruch des Krieges 1655 
die Festungswerke Thorns in keineswegs besserer Verfassung, 
als sie 1629 gewesen. Wiewohl jetzt angesichts der drohenden 
Gefahr die Werke in Stand gesetzt werden, auch Friedrich 
Wilhelm, der große Kurfürst, den Thorn um Unterstützung 
angegangen, bei seiner persönlichen Anwesenheit in Thorn 
solche zusagt und gegen Entschädigung 500 Mann zurückläßt, 
find einerseits die Werke bei Ankunft der Schweden zur Ver 
teidigung höchst mangelhaft und die Brandenburger, welche 
auf den Landgütern in der Nähe Thorns sträflich gehaust 
haben, wie die Chroniken melden, räumen bei Ankunft der
        
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