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Periodical volume 27. Januar 1894, Nr. 4

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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Hülfstmppen auf dem Marsch begriffen und binnen zwei 
Tagen zu erwarten wären. 
Am 24. iing die Batterie ans dem halben Bollwerk zu 
feuern an und zerstörte bald die feindlichen Pallisaden und 
Blockhäuser; auch nahm man die vom Feinde besetzte, vor dem 
Heiligengeistthore belcgene Courtine. Im Lüneburgischen Lager 
hatte man drei Minen verfertigt und eine derselben springen 
lassen, während dies mit den beiden andern am Tage des 
Generalsturms der Fall sein sollte. Dagegen konnte man aus 
der Seite der Lastadie nur bis an den kleinen Fluß kommen, 
der an dem Wall vorbeiläufr und den Stadtgraben bildet. Der 
Kurfürst hatte übrigens für alle Fälle noch fünf Regimenter 
aus dem Klevischen komnien lassen und den Befehl zur Beschleu 
nigung der Minenarbeiten gegegeben, um den feindlichen Wall zu 
sprengen und dann einen Hauptsturm zu beginnen. Am 6. 
Dezember wurde von den Brandenburgern des Nachmittags 
2 Uhr die mit dreifachen Pallisaden versehene Schanze, der 
sogenannte Knopfhäs, die am Fuße der Courtine vor dem 
Heiligengeistthor lag und sehr vielen Schaden that, genommen 
und dann in die Lust gesprengt, wodurch die Stadlmauer 
bloßgelegt ward. Zu dieser Zeit starb auch der schwedische 
Oberst von Jsensee, der einen Schuß in die Brust und einen 
in die Schulter bekommen hatte. Uebrigens war die Besatzung 
bereits so geschwächt, daß die meisten Kompagnieen fich außer 
stände befanden. Dienst zu thun, da fich ihre Stärke mit 
unter nur auf sechs bis sieben Mann belief. Am 9. Dezember 
erschien eine tartansche Gesandschaft im Lager des Kurfürsten, 
und dieser gab derselben, auf einem rotsammetnen, mit Silber 
verzierten Seffel fitzend, Audienz. Der Gesandte überreichte 
drei Schreiben; das eine von dem Chan, seinem Herrn, das 
andere von dessen Sohn, beide an den Kurfürsten gerichtet, 
ein drittes war für die Kurfürstin. 
Am 12. endlich richtete der Kommandant von Stettin. 
General von Wulffen, ein Schreiben an den General ° Major 
von Ende, der die Lüneburger befehligte, in welchem er diesen 
an das ihm gegebene Versprechen erinnerte, ihm einen ehren 
vollen Abzug auswirken zu wollen. Von Ende antwortete, es 
sei hierzu zwar etwas spät, doch wolle er sein Bestes thun, 
das Werk zu einem guten Ausgang zu führen. Obgleich 
bereits alles zu einem Haupsturm vorbereitet war und die 
Soldaten diesen, wegen der in Ausficht stehenden Plünderung, 
sehnlichst herbeiwünschten, fand sich der Kurfürst doch zu einem 
Vergleich nicht abgeneigt, besonders als ihm vorgestellt ward, 
daß er doch die Stettiner von nun ab als seine Unterthanen 
zu betrachten habe und ihm daher die Pflicht obliege, dieselben 
zu schonen. Infolge dessen kamen am 13. Dezember zwei 
schwedische Offiziere als Geiseln ins brandenburgische Lager, 
wogegen sich zwei brandenburgische Offiziere in gleicher Eigen 
schaft nach Stettin begaben. Die Schweden schickten den 
General-Major Plantin, den Oberst Uechtritz und einen 
Ober-Kommissar, der Kurfürst dagegen den Major v. d. Lühn 
und den Hauptmannn v. Krusemark. Gleichzeitig erschien eine 
Deputation des Rates der Stadt im Lager, die betn Kurfürsten 
folgendes Schreiben übergab: 
„Durchlauchtigster Kurfürst! Wie bisher die Pflicht, wo 
mit Ihrer Königlichen Majestät und der Krone Schweden, nach 
unserer an dieselbe mit gemeiner Reichsbewilligung geschehenen 
Uebergabe und der darauf erfolgten Huldigung, wir verbunden 
gewesen, auch uns allerdings, angetrieben, bei Höchstermeldeten 
Ihrer Königlichen Majestät und derer hcchwohllöblichen Krone 
Schweden redlich und getreu zu handeln und folgends un 
verdrossen Gut und Blut aufsetzen, als können wir uns 
nicht anders vorstellen, als daß Euere Kurfürstliche Durch 
laucht an solchen unseren pflichtmäßigen Bezeugungen ein 
gnädiges Gefallen werden gehabt haben. Sondern müssen 
auch glauben und unzweifelhaft dafür halten, daß Eure Kur 
fürstliche Durchlaucht nach Dero wohlbekannten Tugendeifer 
von denjenigen, die fich zu Dero hiernächstigen Unterthanen 
qualifizieren sollten, eine Probe eines künftigen gleichmäßigen 
Comportements requerieren. Und sie sonst nicht würdig zu 
halten, dieselbe in Dero Kurfürstliche Durchlauchtigste Huld 
und Schutz zu nehmen, ehe und bevor sie durch ein öffentliches 
Exempel Euere Kurfürstliche Durchlaucht und der ganzen Welt 
zu erwarten und zu hoffen sein möchte. Nachdem aber nun 
mehr die von uns oberwähnter Maßen erforderte Schuldigkeit 
adimpedieret, uns aber von seiten Ihre Königlichen Majestät 
und der Krone Schweden es so weit ermangelt, daß die uns 
so oft allergnädigst verheißene Rett- und Entsetzung außen 
geblieben, oder durch ein unglückliches Verhängniß vergeblich 
gemacht und impedieret worden, wir aber dannen Hera insonder 
heit bei Euer Kurfürstlichen Durchlaucht unablässigen Vorsatz 
und deren bisherigen Succes nicht anders finden können, als 
daß wir der Nezesfität und von Gott bestimmten Aenderung uns 
submittieren, weichen und zu Euer Kurfürstlichen Durchlaucht 
Ksrh-MedarUr. (B. öl.) 
Aus der Medai'llen-Priigerei von Otto Oertel in Berlin.
        
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