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Periodical volume 15. September 1894, Nr. 37

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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faßten Plan mit seiner Gemahlin weiter beriet, benutzte Anna 
Elisabeth, um Eggard aufzusuchen. Schon der nächste Morgen, 
daran zweifelte sie jetzt nicht mehr, brachte ihr eine abermalige 
lange Trennung von dem Geliebten. 
Es geschah, wie die Generalin geraten hatte. In aller 
Frühe am nächsten Morgen brach die schwedische Armee nach 
der polnischen Grenze auf. Doch zogen nur die Damen, 
sowie die Bagage und der ganze Troß über die Grenze, wo 
die Polen, nachdem die erste Ueberraschung vorüber war. sie 
mit aller Courtoisie aufnahmen und ihren liebenswürdigen 
Gästen sogar die glänzendsten Feste bereiteten. General 
Boheim aber ließ sich täuschen. Er zog eiligst seine 
Truppen zusammen und jagte den schwedischen Truppen nach, 
um sich ihrer zu bemächtigen. Als er zu seiner grenzenlosen 
Bestürzung seinen Irrtum gewahr wurde, hatte General 
Banner schon seinen Durchzug nach Pommern und seine Ver 
einigung mit dem Wrangelschen Heere bewerkstelligt. 
(Fortsetzung folgt.) 
August Kopisch in Italien. 
Ungedruckte Briefe des Dichters an seine Mutter und an Pisten. 
Mitgeteilt von vr. Otto Kessen. 
(4. Fortsetzung.) 
II. 
Der Sommer 1827 gewann für Kopisch durch den Ver 
kehr mit Plalen eine ganz besondere Bedeutung. Platen hatte 
schon im Herbst 1824 eine Reise nach Oberitalien gemacht, 
sich damals mehrere Wochen in Venedig aufgehalten und 
seitdem das lebhafte Verlangen getragen, auch das übrige 
Italien zu sehen. Im Jahre 1826 nach dem Erscheinen der 
„verhängnisvollen Gabel" sollte sein Wunsch Erfüllung finden: 
Anfang September konnte er die Reise antreten. Nachdem er 
sodann den Winter in Rom verlebt, traf er Ende April in 
Neapel ein. — Kopisch befand sich zu dieser Zeit auf Sizilien. 
Erst wenige Wochen vorher war er von Neapel abgesegelt, 
halte, wie sein Sktzzenbuch meldet, „am 5. April 1827 des 
Morgens um 6 Uhr" das Capo Zaffarano bei Palermo er 
erblickt und sich dann ostwärts gewandt. Am Meere entlang 
wanderte er nach Messina, besuchte Reggio (4. Mai), zog 
dann nach Catania und dem Aetna, und weiter nach Syracus, 
Terranova, Girgenti, Selinunt, bis er wieder Palermo erreichte. 
Mitte oder Ende Juni kehrte er nach Neapel zurück und muß 
bald darauf in dem Kreise der deutschen Landsleute mit 
Platen zusammengetroffen sein. Es war eine bunte Gesellschaft 
von Künstlern, Gelehrten und Diplomaten, in ihrer Mitte der 
schlesische Landschaftsmaler Florian Grospietsch, den Kopisch 
schon aus der Heimat kannte, der Dresdener Landschafter 
Carl Wilhelm Götzloff, der Bildhauer Randel, der Erzieher 
der Gebrüder Frizzoni in Bergamo, vr. Gündel aus Johann 
georgenstadt, Heinrich Alexander von Arnim, damals Legations- 
sekcetär in Neapel, u. a. 
Manch dauernde Freundschaft mochte sich in diesem 
Kreise knüpfen; so schnell und innig schlossen sich jedoch nur 
wenige aneinander, wie Platen und Kopisch. Von dem ersten 
Eindruck berichtet Platen seinem Vertrauten, dem Grafen 
Friedrich Fugger in Augsburg, am 12. Juli 1827: „Es ist 
hier ein Maler aus Schlesien. Namens Kopisch, der plötzlich 
zum Dichter umgeschlagen und eine Tragödie Chriemhild ge- I 
schrieben hat, die mir sehr gelobt wird. Die Verhältnisse find 
so, daß ich sie werde anhören müssen, wiewohl es mir gegen 
wärtig sehr unangenehm ist, ein fremdes Trauerspiel anzuhören. 
Aber auch abgesehen von den Umständen ist der Tragiker selbst 
eine so liebenswürdige Person, daß man ihm nicht leicht etwas 
abschlagen kann." 
Und schon eine Woche später ertönt seine 11. Ode „An 
August Kopisch": 
Stets, doch immer umsonst, unter dem fremden Volk, 
Sei's auch milde gesinnt, sucht' ich ein zärtliches, 
Huldvolles Gemüt, wie Du bist, 
Ein erwünschtes Gespräch, wie Deins! 
woruuf Kopisch mit einer Ode gleichen Versmaßes (Werke II. 62) 
begeistert antwortet: 
Weil Du selbst sie gereicht, drücke ich die edle Hand, 
Ach. wie gern an das Herz! .... 
Laß mich Dir nun vereint, suchen die hohe Bahn, 
Die kein sterblicher Fuß wandelt, den Erdenstaub 
Belastet. — die ewiger Schönheit 
Unerschöpfliche Qnellflut netzt! 
Wenige Tage nach Empfang dieses Gedichtes, am 30. Juli, 
schreibt Platen an Fugger: „In diesem schönen Wunderlande 
genieße ich mit einem Freund wie Kopisch die schönsten Tage. 
Er hat einen vortrefflichen Charakter, eine wahre Asfluenz von 
Talenten, und die größte Annehmlichkeit und Heiterkeit im 
Umgänge Vorgestern bin ich mit ihm in Pozzuoli 
gewesen, und wir haben zusammen die Grotte der Sibylle in 
Cumae und die Tempeltrümmer in Bajae besucht. Des Morgens 
baden wir uns gewöhnlich in einer schönen Grotte am Posilipp, 
wohin wir uns im Kahn fahren lassen. Denn jener Berg ist 
voll von Höhlen, in die sich zum Teil das Meerwasser ergießt. 
Kopisch ist ein großer Schwimmer, wie überhaupt sehr erfahren 
in allen gymnastischen Uebungen. Wir essen auch zusammen 
und sind fast unzertrennlich. Ec nennt mich den liebens 
würdigen Menschenfeinds und will mich mit der Zeit auch 
malen." 
Jeder gab und empfing das Beste aus dem geheimsten 
Schatz der Seele. Platen ward nicht müde. seine eigene 
strenge Auffassung von dem Ernst und der Höhe des Dichter 
berufes dem Freunde ans Herz zu legen, er suchte ihn zu 
schärferer Zucht und Kritik bei seiner Arbeit anzuhalten, wies 
zurück auf die Dichter des Altertums als Maß und Quelle 
des Schönen, regte ihn zur Wiederaufnahme klassischer Studien 
an, flocht in das Beobachten von Land und Leuten das Interesse 
für die geschichtliche Vorzeit und ermunterte ihn, als Dichter 
dem „hochwolkigen Schwung des Adlers" zu folgen, sich in 
Oden, Hymnen und größeren Epen zu versuchen. Kopisch hin 
wiederum war unablässig bemüht, die düsteren Stimmungen 
seines Genossen zu bannen, den „Menschenfeind" zur un 
befangenen Hingabe an die Natur, zur Freude am frohen 
Volkstreiben, zu heilerer Geselligkeit hinüberzuziehen; dem 
strengen Klassizismus gegenüber vertritt er das Recht des 
leichten Volksliedes und der ungebundenen neapolitanischen 
Komödie und macht jenen auch persönlich mit der Schauspieler- 
gesellschaft des Volkstheaters S. Carlino und mit seinem 
Freunde Philippo Cammarano bekannt. Was Platen fehlte, 
was ihm die schwersten einsamen Tage brachte, keiner hat es 
so tief empfunden wie Kopisch; keiner hat mit solcher Wärme
        
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