Path:
Periodical volume 1. September 1894, Nr. 35

Full text: Der Bär Issue 20.1894

■<* 422 &■- 
Kaum scholl der Mtltagsglocke Ton, 
Da naht 'der harrenden (Stätte schon 
Auf feurigem Rappen der Rittergreis. 
Ein Zelter, schimmernd wie Schnee so weiß. 
Trägt her schön Rosamunde. 
O welch ein wunderseltenes Schaun, 
Es scheinen Winter und Frühling traun 
Vereint zur selbigen Stunde. 
„Seid mir willkommen, Ihr Ritter wert, 
Nun, da Ihr wißt, was mein Sinn begehrt. 
So prüft Eure Kunst an meinem Ziel. 
Des Lohnes wird Euch genug und viel, 
Wohl wert, darnach zu ringen. 
O schaut, wie die Burg ins Blaue dort strebt, 
O schaut, wie mein Kind voll Erwartung bebt, 
Sie krönen Euer Gelingen." 
So sprach Herr Quitzow mit lautem Mund, 
Wie wächst da der Nim in der R tler Rund, 
Wie pocht an den Panzer von Stahl und Eiz 
Gar laut und heiß manch Junkerhcrz, 
Verlangend nach solchem Preise. 
Manch Auge schwebt wie im Traumesglück 
Vom Schloß zu der Jungfrau hin und zurück, 
Die aber zittert leise. — 
Da tönt durch die Luft Trompeienschall. 
Es rüsten sich die Ritter all, 
Und jeder, wie das Los ihm fiel. 
Erprobt den Bolzen am fernen Ziel, 
Das Herz voll stolzem Hoffen. 
Und tausend Augen folgen dem Roß, 
Sie folgen dem Reiter und seinem Geschoß — 
Noch hat kein Bolz getroffen. 
Und immer erneut sich das alte Bild, 
Es stürmt das schnaubende Roß durch's Gefild 
Dahin über Staub, über Stock und Stein 
Bei Hörnerschall und Hussaschrein, 
Und immer die Bolzen fliegen. 
Wie wenn der Sturm die Zinnen umbraust, 
Geschoß um Geschoß den Ring umsaust — 
Den sieht man schimmernd sich wiegen. 
Schon zweinial die Sonne scheiden ging, 
Noch blitzt im Blauen der Silberring. 
Der Mut den Rittern fast entsank, 
Dem Burgherrn selber ward schwül und bang, 
Er läßt die Weisung verbreiten. 
Daß, wer bislang den Ring berührt, 
So drüber den Beweis er führt, 
Zum Weitschuß neu mag schreiten. 
Der Vollmond gießt seinen Silberscheiu 
Mild in die Burgkapelle hinein. 
Dort kniet vor dem Muttergottesbild 
Und betet heiß und bittet wild 
Die bleiche Rosamunde. 
„O Heilige, lenke der Bolzen Lauf. 
Daß niemand aus der Ritter Häuf 
Mich zwingt zum verhaßten Bunde! 
Dein Auge taucht bis zum Herzensgrund, 
Dir ist mein tiefstes Geheimnis kund. 
Du weißt, meine Seele klammert sich fest 
An den einen, den sie nimmer läßt, 
Und der in den Kampf gezogen. 
In Gnaden wahre sein junges Blut, 
O führe ihn heim in treuer Hut 
Durch Länder und Meereswogen!" (Schluß folgt.) 
Kleine Mitteilungen 
Gin Gdikt Friedrich Mithvints I. gegen das 
Tragen tum Koizschuhen hat folgenden Wortlaut: „Patent 
daß von Dato an Die Tragung der Hölzernen Schuhe oder 
Pantoffeln In allen Bor- und Hinter - Pommerschcn Landen bey 
Straffe »erhöhten seyn soll. Lud Dato Berlin den 21. Augusti 1722. 
Stargard, gedruckt bey Johann Tiller, König!. Preuß. Pomr. Regier. Buchdr. 
Wir Friederich Wilhelm von Gottes Gnaden König in Preußen, Marggras 
zu Brandenburg, des Heil Römischen Reichs Ertz-Cämmerer und Churfürst, 
Souverainer Prinz von Oranien, Reuschatel und Balengin, in Geldern, 
zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Berge, Stettin, Pommern, der Caffuben und 
Wenden, zu Mecklenburg, auch in Schlesien, zu Croffen Herzog, Burggraf 
zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden, Camin, Wenden, Schwerin, 
Ratzeburg und Mörs, Graf zu Hohenzollern, Ruppin, der Mark Ravens 
berg, Hohenstein, Tecklenburg, Lingen, Schwerin, Bühren und Lehrdam, 
Marquis zu der Vchrc und Vliffingen, Herrn zu Ravenstein, der Lande 
Rostock, Stargard, Lauenburg-Blltow. Arlay und Breda rc. jc. Wir haben 
auf Unserer Preußischen Reise Selbst wahrgenommen, war Massen gar viele 
Hölzerne Schuhe oder Pantoffeln auf dem Lande getragen werden, welcher 
aber sowol denen Schustern und anderen Gewercken als Unserm Jntereffe 
nachtheilig ist; Dannenhero wir es auch ferner nicht verstattet, sondern 
gänzlich abgeschaffet wiffen wollen; Befehlen demnach allen und Jeden 
Unseren Unterthanen, so wol Unsern Aembtern als Städten und Adelichen 
Unterthanen bey harter Straffe, in Zukunfft keine hölzernen Schuhe oder 
Pantoffeln ferner zu tragen; in, gleichen wird denen Eigenthümern der 
Adelichen. und Städte, Dörffer und Beambten, auch Magifträten in Städten 
angedeutet, daß: Sie bey 200 Ducaten Straffe zur Reccuten - Casie, mit 
Nachdruck darüber, daß ihre Unterthanen und Leute keine hölzerne Schuhe 
oder Pantoffeln mehr gebrauchen, hallen sollen; Wie dann Unseren FiS- 
calischcn und anderen Bedienten bereits anbesohlen worden, wohl acht zu 
geben, damit diesem Unserm allergnädigsten Beseht ausS genaueste nach- 
gclebet werde. Damit auch dieser Patent zu MänniglicheS Notiz gebracht 
werden möge, soll solches nochmahls von den Cantzeln publiciret, wo eS 
gebräuchlich in denen Dörffern im Köder, auf oder vor dem Kirchhofe, von 
dem Küster abgelesen und nachmahls in locis publicis asfigiret werden. 
Uhrkundlich unter Unserer eigenhändigen Unlerschrifft und aufgedruckten 
königlichen Jnnsiegel. Gegeben Berlin den 21. Augusti 1722. Fr. Wilhelm. 
— F. W. v. Grumbkow." 
Das Märkische Proninriai-Museurn hat sich nach 
dem soeben erschienenen Jahresbericht für 1893/94 um 3718 Nummern ver 
mehrt, so daß die Gesamtzahl aller Gegenstände auf 71 993 gestiegen ist. 
Hiervon kommen 8770 Nummern auf die naturgeschichtliche, 62 223 auf 
die kulturgeschichtliche Abteilung Eine Bereicherung erfuhr das Museum 
insbesondere durch zwei Siistungen. Konsul Paul Mcrling-Berlin widmete 
eine reiche, mehr als 600 Blätter umfaffende Sammlung von Portraits 
Friedrichs der Großen und sonstigen Darstellungen, die sich aus den König 
beziehen. Die Sammlung ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen des 
verstorbenen Generalkonsuls Bamberg und enthält eine ganze Reihe hervor 
ragender Blätter von und nach Künstlern wie Pcsne, G. F. Schmidt, 
Chodowiecki, Taffaert, Rode, Berger bis auf Adolf Menzel. Obwohl das 
Museum selbst nicht arm an Darstellungen Friedrichs des Großen ist und 
die Schenkung damit ergänzen könnte, so bleibt dieselbe doch zur Erinnerung 
an den Geber ungetrcnnt als Konsul Merling-Stiftung bestehen. Fabrik 
besitzer Albert Bogt überwies dem Museum das kostbare Modell des Parade- 
sarges und der Aufbahrung der Leiche Kaiser Wilhelms I. im Dom und 
des Baldachins, der bei der Uebersührung nach Charlotlcnburg benutzt wurde. 
DaS Modell ist vom Buchbindermeister Müller, welcher bei Herstellung der 
Originale thätig war, vortrefflich gearbeitet und bildet ein fesselndes Schau 
stück der Sammlung. An der Stiftung der Wappcnzcichcn, welche in dem 
projektierten neuen Museumsgebäube zur Ausstattung der Fenster dienen 
werden, haben sich 132 Städte, 221 adelige Familien, 65 Berliner Ge 
werke, 41 studentische und 4 wissenschaftliche Vereine beteiligt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.