Path:
Periodical volume 21. Juli 1894, Nr. 29

Full text: Der Bär Issue 20.1894

847 » 
Sah man gewaltige, irdne Krüge stehen. 
Gefüllt mit Weizen und mit braunem Biere, 
Der Wegezehrung für des Toten Geist. 
Jetzt tönt das Wehgeschrei der Klageweiber, 
Und vor den Scheiterhaufen führle man 
Des toten Fürsten aufgezäumtes Schlachtroß: 
Nicht ohne Roß und Waffen durfte er. 
Der tapfre Krieger, vor die Väter treten. — 
Jetzt bäumte sich der Hengst im Todeskampfe: 
Ein scharfes Schwert hat seine Brust durchbohrt. 
Dann sah man Feuer von dem Scheiterhaufen 
Zum Himmel flammen, und in roten Gluten 
Verschwand der tote Held zu ew'ger Ruhe. — 
Er hatte seinen letzten Kampf gekämpft. — 
Am nächsten Morgen, da die Glut des Feuers 
Erloschen, sammelten in irdner Schale 
Die Wenden des verbrannten Körpers Asche. 
Und auf die Asche legte Pribislav 
Das Diadem des toten Heldengreises. 
Das stolze Zeichen seiner Herrscherwürde, 
Und Kupferringe, die sein Arm getragen. 
Nicht fern dem Brandplatz war ein Fleck gerichtet, 
Im Schatten einer alten, grauen Eiche. 
Dort deckte man das Thongefäß mit Steinen 
Und häufte Erde auf des Toten Reste, 
Bis sich ein hoher, breiter Hügel wölbte. 
Noch einmal sammelten sich rings die Krieger 
Und huldigten dem Toten, mit den Schwertern 
Und Schilden mächtig aneinanderschlagend. 
Dann ward es stille um das Hünengrab, 
Und nur der Nachtwind sang sein Klagelied 
Im grauen Wipfel der bem osten Eiche. — 
So flehst Du heute noch das Hünengrab. 
Ein Denkmal jener fernen Zeiten ragen. 
In Staub zerfallen, der da drunten ruht. — 
In Staub zerfallen, die mit ihm gelebt, 
Und doch vergessen nicht im Lauf der Jahre! 
Denn aus der Asche wuchs ein neu Geschlecht 
Im lichten Sonnenschein des Christenglaubens. 
Das mit dem Schwerte seinen Feind bezwungen, 
Das treu an seiner Väter Scholle hängt. 
Und auch der edlen Toten nicht vergaß. — 
Des alten Fürsten Name wird erklingen, 
So lang im Land noch Mut und Treue walten! — 
(Schluß folgt.) 
Granyow in -er Uckermark. 
Von Arthur Ktrornorrer. 
(Schluß.) 
Nach dem Brande 1714 wurde das Domänenamt auf 
einer andern, von dem Klosterberge durch einen See getrennten, 
gegenüberliegenden Anhöhe wieder aufgebaut, weil von hier 
aus die Bewirtschaftung der Aecker bequemer ist. Nur die 
reformierte Pfarre ward wieder an alter Stelle neben dem 
einzigen Rest der einst so stolzen Marienkirche, der Turmruine, 
errichtet. In diesem Pfarrhause erblickte am 19. März 1780 
der durch seine Predigten und, nicht zu vergeffen, seine Schrift: 
„Die Beredsamkeit eine Tugend" hochberühmte Hofprediger 
Dr. Franz Theremin das Licht der Welt und brachte hier 
eine glückliche Kindheit zu. Wie manchesmal gedenkt er in 
seinen „Abendstunden" seines Heimatsortes, wenn er nach des 
Tages Last und Geräusch in seinem Berliner Studierzimmer 
seine Gedanken in die Vergangenheit schweifen ließ. Da ge 
dachte er des durch warme Frömmigkeit verklärten Lebens im 
Elternhause. Da sah er seinen alten Vater, wie er vor den 
Altar trat und schlicht und doch so warm Gottes Wort ver 
kündigte, oder wie seine grauen Locken unten an dem den 
Pfarrgarten bespülenden See auftauchten, um den Sohn zu 
winken, daß er den Kahn zum Ufer wende, nun es Abend 
war. Da tauchten die schönen Abende vor seiner Seele auf, 
die er unter den dichtbelaubten Linden des väterlichen Gartens 
einsam und mit Freunden zugebracht, während der Mond die 
von hier weithin sichtbare Landschaft mit dem dünken Wald 
am Horizont ganz enthüllte. Und er mußte lächeln, wie er 
als thörichter Knabe vor den Kreuzen Reißaus genommen, 
die am Abend über die Kirchhofsmauer gespenstisch hinüber 
ragten. Er liebte Gramzow und beginnt ein Gedicht über 
seinen Vater mit dem Gruß an seine Heimat: 
„Wie so freundlich, in der Felder Mitten, 
Wo der Frühling Blütenkränze webt, 
Dieses Dorf mit den bescheidnen Hütten 
Und dem alten Turme sich erhebt!" 
König Friedrich Wilhelm III. erwies seinem beliebten 
Hofprediger darum eine um so liebere Gnade, als er ihm 
das reformierte Pfarrgrundstück zum Eigentum überließ und 
in die Verlegung der reformierten Pfarre unten ins Dorf 
einwilligte. Da hat denn der Herr Hofprediger seinen Urlaub 
gerade hier gern zugebracht, und das um so lieber, als sein 
Bruder, mit dem er bei der Union lutherisch geworden war. 
unten die lutherische Pfarre inne hatte. 
Die Turmruine, die man seit 1714 achtlos der Macht 
von Wind und Wetter ausgesetzt haue, und die durch den 
Einsturz verschiedener Bogen im Lauf der Zeit immer kleiner 
geworden war. lenkte endlich den Blick Kunstverständiger auf 
sich und wurde, nachdem schon ein Rentmeister den vandalischen 
Antrag gestellt hatte, sie auf Abbruch zu vergeben. 1885 von 
Staats wegen restauriert. Außer ihr errinnert nichts an die 
alten Mönche. Keine Grabstelle bezeichnet, wo sie ruheu. 
Möglich, daß ihrer viele unten in den Gewölben ruhen, die 
durch den Brand verschüttet find, wie man denn beim Bauen 
auf feste Mauergewölbe gestoßen ist. Vielleicht aber ist ihre 
Asche längst schon durch die Pflugschar mit den Erdschollen 
vermischt. Wer weiß es? Die alte Glocke, die noch geblieben 
wie ihr einzig VermächOits, ruft schon längst zu Gottesdiensten,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.