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Periodical volume 14. Juli 1894, Nr. 28

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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nach dessen Regierungsantritt zum Pfarrer von Gramzow und 
geistlichen Inspektor der Gramzower Diözese berufen worden. 
Er schreibt also: „Als % Jahr hier gewesen und alles 
zur Haußhaltung nöthiges mit vielen Unkosten angeschaffet 
hatte, auch kaum meine Bücher aus Preußen bekommen, ent 
stand anno 1714 den 23. Juli, war als am IX. p. Trinit., 
nachmittags um 2 Uhr ein heftiger Brand, wodurch denn alles 
meinige eingeäschert wurde, sodaß ich von allen meubles nicht 
mehr denn meine Biebel herausbrachte. Das Feuer kam an 
der Ecken dieser Gaffen oben am Markte, woselbst damals 
ein Pfälzer, Namens Hans Schaffer, wohnte, aus, und zwar, 
wie einige wollen, vom Tabackrauchen, andere aber vom 
Backen und Brauen, so vorigen Tages geschehen, und welches 
eine Entzündung in dem almichten Holze im Schonisteine 
verursachet, so anderen Tages durch den starken Wind auf 
geblasen worden. Und eben durch den starken Wind wurde 
auch die entstandene Flamme mit solcher force fortgetrieben, 
daß das Feuer so schnell als ein Strohm fortging und in un 
glaublicher Geschwindigkeit die trockenen Stroh-Dächer, da es 
in einigen Wochen nicht geregnet, ergriff. Und eben hierdurch 
wurden nicht nur unterschiedene Persohnen, so sich nicht bald 
retirieret, durch die Flamme beschädiget, daß einige davon 
wenig Tage darauf verstürben, sondern es blieben ihrer 4 
sogleich im Feuer, Ursula Elisabeth Löwerdt, eine Schneider 
wittib, Jürgen Mönch, ein Knecht, eine alte Bettelfrau und 
ein Kindlein, so alsbald an den Wunden verstarb. Dieser 
von dem gerechten Gott über Grambzow verhängten schweren 
Straffe da nebst dem gantzen Amte und allen auf und bey 
demselben sich befindenden Erb-Pächter Häusern und der Pfarre 
(franzöfisch-reformierten wie lutherischen) noch andere 26 Wohn- 
Häuser im Flecken abbrandten, habe die Gemeinde jährlich 
den IX. p. Trin. öffentlich erinnert und solchen Tag zu 
einem besonderen Gedächtniß, ja Buß-Tag erwehlet, und 
werden hoffentlich meine HHE. Successores gleichfalß nicht 
unterlaßen, an benanten Sontage jährlich oben gedachte Feuer- 
Straffe der Gemeinde zu Gemüthe zu führen. Die Kirche 
(Pfarrkirche) war in solcher Gefahr, daß bereits eine Thüre 
brandte, auch ein Fenster gantz durchs Feuer minieret wurde, 
aber doch von der Hand des Herrn erhalten blieb. 
Die Franzosen hatten biß hieher ihren Gottesdienst in 
der großen Eloster-Kirchen auff dem Amte gehalten, weil aber 
solche gleichfalß mit abgebrandt, hielten fie bey uns an um 
Erlaubniß, fich unserer Kirchen, ohne uns an unserem Gottes 
dienst im geringsten hinderlich zu seyn. mitzubedienen, welches 
man denn, ohne einen Befehl deßhalb zu erwarten, zugab. 
(Seitdem ist die Pfarrkirche Simultankirche.) 
Nebst dem Verlust des Meinigen hatte vom Brandte 
dieses empfindliche Unglück, daß meine liebe Ehegattin von 
großer »Iteration, nachdem fie mich noch am 14. November 
durch die Geburt eines Söhnleins erfreuet, erkrankte und endlich 
an der Wasser-Sucht in eben der Wochen des folgenden Jahres, 
in welcher im vorhergehenden das Feuer entstanden, alt 29 
Jahr, verstarb. Es ist dieselbe in der Kirchen vor der Cantzel 
beerdiget und auff das Grab ein Stein geleget worden, wobey 
meine UM. Successores ersuche so gut zu seyn und zu 
sorgen, daß der Stein auff dem Grabe liegen bleibe und nie 
mals weggehoben, auch wenn er gesunken, wieder erhöhet 
werde. Sölten von den Meinigen keine mehr fich finden, so 
daS wenige, so solches kosten würde, hergeben könten, so wird 
es hoffentlich doch aus regard meiner vielen Mühe und 
Arbeit, ja Unkosten, so an der Kircke und Pfarre hier an 
gewandt, geschehen." 
So weit Herr Johann Friedrich Gruft. Er kam, nach 
dem er in Gramzow wahrlich nicht aus Rosen gebettet war, 
1720 in gleicher Amtseigenschaft nach Beeskow. Seine beiden 
Erwartungen, die er ausgesprochen hat. find, heutzutage 
wenigstens nicht mehr erfüllt. Der Spezialbußtag für 
Gramzow am IX. n. Trin. ist eingegangen. Unsere Zeit ist 
der Buße nicht hold. In Neu-Ruppin, das am 26. August 
1786 auch Sonntags nachmittags durch eine große Feuers 
brunst in wenigen Stunden zu zwei Dritteln eingeäschert 
wurde, pflegt wenigstens noch immer durch Glockengeläut der 
Pfarrkirche in der Woche des 26. August nachmittags um 
2 Uhr die Erinnerung an jenes Unglück wach erhalten zu 
werden. Und der Stein über der den Schrecken von damals 
erlegenen Pfarrfrau ist auch nicht liegen geblieben. Pietät 
lose und wenig kunstfinnige Hände haben ihn bei der 
Renovierung der Kirche in den zwanziger Jahren unseres 
Jahrhunderts von dem Grabe abgehoben und ihm. zusammen 
mit andern, im dunklen Turm seine Stätte gegeben. Nur 
eine geringe Fußbodensenkung, seitlich zum Taufsteine, zeigt 
noch die Stelle, wo er gelegen hat. Nicht bloß diese an die 
Vergangenheit erinnernden Grabsteine, auch die mit vielen 
Zieraten und bildlichen Darstellungen geschmückte alte Kanzel 
und der Taufstein mit hohem Podium für die Paten wurden 
entfernt, und die an den Wänden der Kirche zum Andenken 
an die Verstorbenen aufgehängten Blumenkronen mit langen 
Bändern mußten für immer weichen. Die neue nüchterne 
Kanzel wurde mehr praktisch als kirchlich über dem Altar an 
gebracht, und die neuen Kirchenstühle erbauen nicht mehr wie 
ihre Vorgänger durch an ihnen angemalte fromme Sprüche. 
Das Wohlgefühl, das man in einer Kirche empfindet, wo die 
früheren Geschlechter so viele Spuren ihres Daseins zurück 
gelaffen haben, daß man fie noch gegenwärtig halten möchte, 
kommt da nicht mehr auf. „In unsern jetzigen nackten Kirchen 
giebt es keine Vergangenheit!" 
(Schluß folgt.) 
Zur Geschichte der ritterlichen Waffen und 
Turniere. 
(Mit Mbildungen.) 
Die historische Entwicklung der Kriegswaffen, ein Gebiet, 
welches den Kulturhistoriker, den Künstler, den Offizier und 
den Sammler in gleichem Maße interessiert, hat in August 
Demmin einen Darsteller gefunden, wie ihn die historische 
Litteratur keines anderen Volkes aufzuweisen hat. Seine 
Encyklopädie der Waffenkunde: „Die Kriegswaffen in 
ihren geschichtlichen Entwicklungen von den ältesten 
Zeiten bis auf die Gegenwart," erschien 1869 in drei 
Sprachen in erster Auflage. Dte deutsche Ausgabe liegt jetzt 
bereits in vierter Auflage vor (Verlag von P. Friesenhahn 
in Lcipzig 1893), und wir können uns nicht versagen, mit 
warmer Empfehlung auf diese Geschichte der Waffen hinzu 
weisen. Der gewaltige Stoff ist in dieser Encyklopädie auf 
1100 Setten völlig erschöpfend behandelt worden; 4500 Ab 
bildungen von Waffen und Ausrüstungen, sowie über 
650 Marken von Waffenschmieden erläutern den Text. Ein
        
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