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Periodical volume 13. Januar 1894, Nr. 2

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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nämlich ein böser Geist durch den Backenstreich ausgetrieben 
wurde. — Wegen dieser und anderer Wunderzeichen glaube 
ich, daß Bischof Evermod in Christo lebt." — 
Ewig schade ist es, daß die Mark Brandenburg 
nicht eine ähnliche farbenreiche Vorgeschichte hat, wie sie uns 
für das Herzogtum Lauenburg durch die Geschichtsschreiber 
Pippins und Karls des Großen sowie die übrigen genannten 
und mehrere nicht ausdrücklich angeführte Chronisten überliefert 
ist. Gerade um die Gegend der deutschen Reichshaupt 
stadt herum liegt ein höchst bedauerliches Dunkel, andauernd 
fast bis zur vollen geschichtlichen Epoche unter den Askaniern. 
Mit gelegentlichen Berichten, welche die Ortschaften Branden 
burg. Lenzen und Havelberg streifen, müssen wir uns leider 
Helmold schließt seine Slavenchronik i. I. 1172 mit 
den Worten: „Das ganze Gebiet der Slaven, welches an der Eider, 
wo die Grenze des Dänenreichs ist. beginnt und sich zwischen dem 
baltischenMeere und der Elbe hin durch weite Länderstrecken bis nach 
Schwerin ausdehnt, dies Gebiet, welches nicht durch räuberische 
Anfälle unsicher und öde gemacht war, ist jetzt durch Gottes 
Gnade gleichsam eine große Ansiedlung der Sachsen geworden, 
in der Städte und Dörfer erbaut werden und die Zahl der 
Küchen und Diener Christi zunimmt." Die Entstehung 
Möllns ist in die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert zu 
setzen Wie der Name Mölln oder Möllen besagt, verdankt 
es den von Wasser getriebenen Mahlmühlen, auf welche u. a. 
auch die städtischen Anfänge Berlins mit seinem Mühlen- 
Former dos „Neuen Tlzenters" iu Dorlirr. (S. 27.) 
begnügen, d. h. mit Nachrichten, welche nur vorsichtige Schlüffe 
auf den Spree-Gau zwischen Havel und Oder erlauben. 
Offenbar liegt dies sowohl an der Volkseigenlümlichkeit 
der unsere Mark bewohnenden, in zahllose Sippschaften zer- 
splitterten, selten unter einem Fürsten wirklich staatlich vereinigten 
Wilzen-Wenden, als auch an der im Verhältnis zu Lauenburg 
in Bezug auf den Weltverkehr damals mehr versteckten Lage der 
Mark. Dagegen find die Elbmündungen seit der Römerzeit 
dem Weltverkehr geöffnet, und der frühmittelalterliche Handels 
verkehr nach der Nord- und Ostsee hat das von demselben 
umschloffene und gekreuzte Polabenländchen frühzeitig in das 
Ringen der germanischen (deutschen wie skandinavischen) und 
der slavischen Völkerschaften, des Christentums, des Wodans 
und des Radegast - Glaubens hineingezogen und damit welt 
geschichtlich bekannt gemacht. 
dämm zurückweisen, seinen Ursprung an der Siecknitz und dem 
noch heute sogenannten Mühlengraben*). Die Wassermühlen 
wurden von den christlichen Deutschen ins Land der Slaven 
gebracht, welche nur Handmühlen kannten. 
Also schließt für diese wieder verdeutschten Gebiete die 
letzte Vorgeschichte; damit ist auch für unser Mölln der eigent 
liche und ursprüngliche Boden, auf dem es geruhig und 
gesichert gediehen, historisch gewonnen. 
(Fortsetzung folgt). 
*) Dr. G. Hey: die slavischen Ortsnamen von Lauenburg 
(Archiv pp. 2. Bd. 2. S. 33) erklärt M. richtig als deutsch schon 1217 
als Molne, 1230 Mulne bezeichnet Antiqua Molne, Alt-Mölln, 
wird schon 1194 erwähnt, vgl. Dührsen, Archiv pp. 4. Bd. 1. S, 3 
und 10. 1>r. Bestmann: Zur Gesch. der Stadt M. im Mittelalter. 
Archiv pp. 2. Bd. 3, S. 77, will den Namen M. ohne rechten Grund 
aus dem Slavischen ableiten.
        
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