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Periodical volume 21. April 1894, Nr. 16

Full text: Der Bär Issue 20.1894

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neues Handwerkszeug der Wissenschaft. Dienstmädchen heischten 
farbige Briefbogen, unter denen die roten besonderen Vorzugs 
sich erfreuten; morgen war Sonntag, der Geliebte mußte auf 
den Nachmittag, an welchem die Küchenfeen steten Ausgang 
genosien, nach Schöneberg. Moabit oder Tempelhof bestellt 
werden; es war deshalb höchste Zeit, die Post in Nahrung 
zu setzen. Dann erschien ein biederer Landbebauer aus 
Wilmersdorf, der einen Plan der Berliner Umgebung ver 
langte; der weite geographische Horizont dieses Mannes be 
ruhigte sich erst bei Unterbreitung einer Wandkarte von 
Deutschland, weil „da ooch allens druff wäre." Und so 
blühte das Geschäft; die Nachfrage war keineswegs matt, im 
Gegenteil, die Ware war begehrt und ging schlank ab, wie 
sich Dufayel erleichtert sagte. Das neue Ministerium Bismarck 
brachte doch noch nicht gleich Handel und Wandel ins Stocken, 
wie man befürchtet hatte. 
überzutreten, weil er nur so Carriere zu machen hoffen konnte; 
es war ihm gelungen, bis zum Rat im Unterrichtsministerium 
aufzusteigen; das genügte ihm indeffen keineswegs. Höher 
hinaus! lautete sein Wahlspruch. Und nun hätte der Hand 
lungsgehilfe sich erkühnen dürfen, einen Strich durch diese 
Rechnung zu machen! Lächerlich! 
tFortsctzung folgt.) 
Ritterliches Men im Mittetatter. 
Von Ricstard Gesrge. 
(Mil Abbildungen.*) 
Das Rittertum mit seiner Fehdelust, seinem Minnedienst, 
seiner Mannentreue, seiner Ritterpoefie hat dem ganzen Mittel 
alter sein charakteristisches Gepräge verliehen, und nicht mit 
Es war 7, es war 8 und 1 / 2 9 geworden; allmählich 
flaute der Umsatz in der Hirschelstraße ab. Dufayel zog sich 
in sein kleines Mittelzimmer zurück, um seinen Träumen noch 
ein wenig zu stöhnen, ehe ihn Krelinger zum gewohnten Abend 
ausgang abholte. Durch die Fensterscheiben flimmerte das 
Licht der Laterne herein, welche drüben an der Stadtmauer 
angebracht war. 
Wieder und wieder trat Josephine Leo vor den inneren 
Blick Dufayels. Fast dreißig Jahre waren verfloffen, doch 
merkwürdig, Josephinens Bild war in der Erinnerung dieses 
Mannes nicht verblaßt. Deutlich schwebte sie vor ihm. die 
schlanke, glutäugige Geheimratstochter, die selbst im Hause 
das schwarzseidene Kleid nicht ablegte. Freilich, der Wahnsinn 
hatte den wenig bemittelten Kommis geplagt, seine Augen zu 
jenem Mädchen zu erheben, mit dem der ehrgeizige Vater 
noch einen Trumpf auszuspielen gedachte. Papa Leo hatte 
bereits als Student die Umsicht bewiesen, zum Christentum 
*) Die Abbildungen sind dem Werke über dar Rittertum von 
O. Henne am Rhyn (Verlag von P. Friescnhahn, Leipzig) als 
JllustrationSproben entnommen, (Preis 4 Mk., eieg. geb. 6 Mk.) Dieser 
Werk ist der III. Band der „Illustrierten Bibliothek der Kunst- 
und Kulturgeschichte." In der Ankündigung zu diesem vortrefflichen 
Sammelwerk, welcher zur Verbreitung von kunst- und kulturhistorischen 
Kennlnisien un« alr überau« geeignet erscheint, heißt er: „Die illustrierte 
Bibliothek der Kunst- und Kulturgeschichte versucht er, auf Grund sorgfältiger 
Studien in kurzen Umrisien da« ganze Gebiet der Kunst« und Kulturgeschichte 
von alter Zeit bi« zur Gegenwart in Wort und Bild zusammenzustellen. 
Die Darstellung wird sich von trockener Gelehrsamkeit ebenso fernhalten, 
wie von der Oberflächlichkeit der TagcSschriststeller. Er soll dem gebildeten 
Leser der riesige Stoff in knapper, aber anregender Form übermittelt werden, 
und er soll zugleich dem Künstler und Kunstgelehrten zur Erleichterung der 
Uebersicht dienen. An großen und kostspieligen Spezialwerken aur dem 
Gebiete der Kunst- und Kulturgeschichte ist kein Mangel, aber die streng 
wisienschaftliche Darstellung einerseits, der relativ hohe Preis der Bücher 
andererseits lasten sie nur für den ernsten Forscher und den vermögenden 
Bücherfreund als geeignet erscheinen, obwohl sich da« Jntereste an diesen 
Fächern gewiß auch in breiteren Schichten leugnen nicht läßt." 
Er bedarf keiner Frage, daß der Verleger mit dieser kunst- und 
kulturhistorischen Bibliothek einem wirklichen Bedürfnis entgegengekommen 
ist, und der bisherige Fortgang de« Unternehmen«, die Namen seiner Mit 
arbeiter bürgen dafür, daß diesem Bedürfni« in mustergiltiger Weise nach 
gekommen wird.
        
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