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Periodical volume 26. November 1892, No. 9.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Die Geschichte der preußischen Seidenindustrie 
im achtzehnten Jahrhundert^. 
In früheren Zeiten verband man mit dem Begriff der 
Geschichte nur die Erzählung von diplomatischen Vorgängen 
und kriegerischen Thaten, und diese pragmatische Geschichte 
bildete kaum mehr als ein untergeordnetes Nebenfach, sei es 
der Rechts- und Kameralwiffenschaften, sei es der Philologie. 
Daher geschah es denn, daß auf der einen Seite die Ent 
menschlichen Geistes, und es war daher nur natürlich, daß sich 
späterhin gegenüber der Darstellung lediglich der äußeren 
Politik der Staaten die Forschung auch auf Sitten und Ge 
bräuche, Leben und Gewohnheiten der Völker erstreckte. Leider 
geschah dies oft mit unzureichenden Mitteln, und leider verirrte 
sich diese Forschung zuweilen auch auf Abwege und ermittelte nicht 
sowohl den Entwickelungsgang der Menschheit, als sie vielmehr 
mit einem gewissen Behagen schilderte, wie unsere Vorfahren, 
um es kurz zu sagen, sich „räusperten und spuckten." Daher 
Kütol Firrdvnstsf in Kerlin, Unter den Finden 11 und -18 
Architekten: Cremer und W olffenstci«. 
Wickelung des Volkes, das nationale Leben ganz in den Hinter 
grund traten, und auf der anderen Seite wieder die alte Welt, 
namentlich die griechische und römische Geschichte, in den 
Vordergrund gerückt wurde. In Wahrheit umfaßt aber die 
Geschichte alle Werke der Menschheit, alle Erzeugnisse des 
*) Acta Borussica. Denkmäler der preußischen Staatsverwaltung 
im 18. Jahrhundert. Herausgegeben von der Königlichen Akademie der 
Wissenschaften. — Die einzelnen Gebiete der Verwaltung. Seidenindustrie. 
Besonderer Titel: G. Schmoller und O. Hintze. Die preußische 
Seidenindustrie im 18 Jahrhundert und ihre Begründung durch Friedrich 
den Groben. Band I. Akten bis 1768. Band II. Akten seit 1769. 
Band III. Darstellung von O. Hintze. Berlin. Verlag von Paul Parey 
1892. Preis geb. 8° I. Bd. 15 Mk., II. 17 Mk; III. 9 Mk. Bd. I-III. 
41 Mk., in 4° auf Büttenpapier 82 Mk. 
begegnete denn die „Kulturgeschichte" ilicht selten einem be 
greiflichen Mißtrauen und Achselzucken bei den Historikern von 
Fach. Diese aber schütteten ihrerseits wieder das Kind mit 
dem Bade aus, und, indem sie die Kulturgeschichte bis auf 
den Namen vertilgen wollten, übersahen sie, daß zuletzt alle 
Geschichte im eigentlichen Sinn Geschichte der menschlichen 
Kultur, der Staat aber deren höchste Spitze ist. Und 
wenn auch heut noch hin und wieder politische Historiker allein 
der Geschichte der staatlichen Machtentwickelung nach Außen 
die Krone zuerkennen, und allein mit möglichst breiten Schlacht 
schilderungen vornehmlich bei der Jugend Patriotismus zu 
erwecken glauben, so übersehen sie, daß dieser nur das Resultat
        
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