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Periodical volume 12. November 1892, No. 7.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

•HS 81 fr 
Mit dem Regierungsantritt Kaiser Friedrichs HI. wurden 
die letzten Ueberreste der alten Heerschildsverfassnng zu Grabe 
getragen, denn mit ihm beginnt eine Reihe von Verleihungen 
des Adels durch Diplome; es entstand ein neuer Stand: der 
Briefadel. Außer derartigen Verleihungen, in denen stets die 
Rittermäßigkeit, welche die Erhebung in den Adelstand be 
deutet, ausgedrückt ist. begannen die Kaiser bald, an eine 
größere Anzahl Bürgerlicher Wappen zu verleihen. 
Die Empfänger derselben werden jetzt als „Wappen- 
genossen" bezeichnet, ein Ausdruck, der früher lediglich dem 
Adel zukam. Eine weitere Unterscheidung zwischen adligen 
und bürgerlichen Diplomen tritt, zuerst selten, dann als ge- 
ihren Adel noch besonders bestätigen ließen, war eigentlich 
überflüssig, da gelegentlich eines analogen Falles bereits 1450 
dem Patrizier-Geschlecht Muffel in Nürnberg, miihin allen 
anderen dortigen Geschlechtern der Adel schon als ein ritter 
mäßiger durch Kaiser Friedrich IH. Bestätigt worden war. 
Allein die Eitelkeit und das Standesbewußtsein waren zu 
groß. Demzufolge sah sich die Kaiserliche Adelskanzlei ge 
nötigt, unter Kaiser Maximilian zur weiteren Unterscheidung 
der bürgerlichen und adligen Personen bei Nobilitierungen 
noch „die Erhebung in den Stand des Adels" und dreißig 
Jahre später die „Turniermäßigkeit" in das Formular der 
Adelsbriefe besonders aufzunehmen. 
Das MelanchthonUaus in Mittonderg. 
wöhnlich auf, nämlich die Verleihung des Turnierhelms bei 
Adelsbriefen, und zwar zuerst in dem Diplom, das Kaiser 
Friedrich d. d. Linz 24. Oktober 1492 dem berühmten Ge 
lehrten Reuchlin verleiht. 
Nachdem nun einmal der neue Stand des Briefadels, in 
den alsbald eine Reihe bürgerlicher Geschlechter in den Städten 
erhoben wurde, geschaffen war, stiegen die bisherigen regierenden 
Geschlechter der Städte, d. h. die sogenannten regiments- oder 
ratssähigen wappenführenden Patrizier-Familien, eine Klasse 
hinauf, d. h. sie wurden ohne Diplome plötzlich adelig. Dies 
war insbesondere in den damals schon sehr mächtigen Reichs 
städten von Süddeutschland der Fall. 
Daß sich die Patrizier von Ulm durch Kaiser Karl V. 
in einem besoitderen Diplom d. d. Diedenhofen 29. Okt. 1552 
Portal am Kuthcrhausr in Wittenberg. 
Der Turnierhelm, d. h. der offene, vorn mit Spangen- 
Visier versehene Helm, der ursprünglich nur dem höheren Adel 
zukam, wurde etwa um das Jahr 1540 durch die Kaiserliche 
Kanzlei in den Nobilitations-Diplomen zum adligen Helme 
erklärt, und zugleich degradierte man komischer Weise den viel 
älteren geschlossenen oder Stechhelm zum bürgerlichen Helme, 
also für Wappenbriefe. In der Folge finden wir daher bei 
Verleihung eines bürgerlichen Wappens durchgehend den ge 
schlossenen oder Stechhelm verliehen, während bei jeder 
Nobililierung stets vom „offenen oder Turnierhelm" ge 
sprochen wird. 
Daß eine solche willkürliche, allen historischen und Stil 
regeln widersprechende, analoge „Kommiß"-Rangordnung nicht 
lange Bestand haben konnte, ist erklärlich. Wir begegnen
        
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