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Periodical volume 16. Dezember 1893, No. 64.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

Unter Mitwirkung 
r. R. Köringuior, Dr. K. grcttMdrc, Theod-sv Fontane, Stadtrat G. Fried- 
Ford. Merker, Gymnasialdirektor Dr. M. SdswariZ und Grnst v. Mildorrdrudi. 
herausgegeben von 
Friedrich Billessen und Richard George. 
XIX. : 
Jahrgang. ! 
M 64. I 
Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (No. 70y), Buchhandlung und 
Zeitungsspedition für 2 Mk. 60 pfg. vierteljährlich zu beziehen. 
16. tzttkmber 
1883. 
kv voke Mölev auf 8ev Wavienöuvg. 
Historischer Roman von M. Frerp. 
(17. Fortsetzung.) 
ADicht vergebens hatte er seit Monaten unter Leiden und 
Entbehrungen mannigfacher Art den Polen Spionendienste 
geleistet. Vor wenigen Tagen konnte er Czarnecki berichten, 
daß die Schweden eilends an der Weichsel heraufmarschierten 
und der Kurfürst von Brandenburg seine Truppen, wohl 
zwanzigtausend an der Zahl, an der Stelle der wenigen 
Tausende, mit denen er sich seinem Oberlehnsherrn verpflichtet 
hatte, durch Masovien nach Zackroczyn geführt habe, wo das 
von Pultusk heranziehende Schwedenheer sich mit ihm ver 
einigte. 
Sein Fuß ging sicher den Pfad welcher von Praga aus 
zu dem Lager der Feinde führte. 
Als die ersten Morgensonnenstrahlen des 27. Juli sich 
über die Fluren ergossen, rastete der Jesuit in einem Gehölz, 
angesichts der Schiffsbrücke, welche Karl Gustav über die 
Weichsel geschlagen hatte. 
Bald wurde es in dem Walde von Bialolenka lebendig. 
Jugendfrische und kräftige Stimmen ertönten. Hier erschallte 
ein brandenburgisches, dort ein schwedisches Kriegslied durch 
die Luft. 
Pater Ignaz verbarg sich in einer Bodenvertiefung. Die 
Klänge kamen näher, und als er vorsichtig aus seinem Ver 
steck hervorlugte, sah er Truppenteile brandenburgischer Krieger 
mit Wagenladungen grüner Eichenzweige, mit denen sie sich 
die Hüte schmückten, vorüberziehen. 
Als er später eine Anhöhe erstieg, von welcher das 
Lager bei Zakroczyn zu überschauen war, bemerkte er. daß die 
Schweden die vom Sonnenschein vergoldeten Kornfelder plün 
derten, indem sie sich zum Unterschiede Ähienbüschel auf den 
Kopfbedeckungen befestigten. 
Zu seinem Emsetzen gewahrte Pater Ignaz, daß ihm 
jede Möglichkeit weiter zu gelangen abgeschnitten war. 
Der ganze Teil des Einschnittes, welcher sich zwischen 
Bug und Weichsel befindet, war von schwedischen Mann 
schaften besetzt. 
Auch auf dem linken Ufer der Weichsel konnte er feind 
liche Truppen deutlich erkennen. 
Während Pater Ignaz, heißen Ingrimm im Herzen über 
dieses neue Hindernis, sich ausrechnete, daß ein bis zwei 
Tagemärsche erforderlich sein würden, wenn er auf Umwegen 
bis nach Plonsk, wo Saßnowski Jwa zuletzt gesehen, gehen 
wollte, drangen plötzlich schmetternde Fanfaren an sein Ohr. 
Vor dem blau und gelb bewimpelten Zelte des Königs 
von Schweden ordnete sich deutlich erkennbar ein glänzender 
Zug, welcher sich nach dem ebenfalls an seinen Fahnen 
kenntlichen Lager des Kurfürsten von Brandenburg hinüber 
begab. 
Zweifellos machte Karl X. dem Verbündeten seine Auf 
wartung. 
Kanonendonner begrüßte das Nahen des königlichen 
Besuches. 
Pater Ignaz, der sich eines Auges erfreute, das „durch 
Thüren und Wände" zu sehen vermochte, sah giftig hinüber. 
In diesem Augenblick war er froh, daß Jwa sich nicht an 
seiner Seite befand. 
In Regimentern stand das kurfürstliche Heer aufmarschiert. 
Zornbebend zählte der Jesuit deren achtzehn bei der 
Reiterei und nur eine wenig geringere Anzahl beim Fußvolk. 
Ihn erschreckte die Menge schwerer Geschütze, deren ver 
derbenbringende Läufe im Sonnenlicht blitzten. 
Fröhliche Musik von verschiedenen Kapellen klang herüber. 
Vorsichtig schlich der Jesuit umher. 
Der ganze Tag verging unter ftuchtlosen Bemühungen, 
seinen Weg fortzusetzen. Überall blinkten ihm aus geringer
        
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