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Periodical volume 4. November1893, No. 58.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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und bei gründlicher Kenntnis der gesamten modernen Litteratur seinen 
bewußt antimodernen Standpunkt mit freudiger Entschiedenheit vertritt, ist 
eine beachtenswerte Erscheinung in unserer Zeit. Setteri ist, wie uns 
scheint, so kraftvoll und lebendig der echt deutsche und namentlich der 
christliche Geist zum Ausdruck gebracht, wie in diesen nach Form und In 
halt trefflich gelungenen 40—50 Gedichten, die Sänger und Leser weit 
über unsere moderne realistische Alltäglichkeit erheben, der der Bersasser 
mutig den Fehdehandschuh hinwirft: 
Ich bleibe dem schalen Zeuge fern. 
Und mehr: eS gilt er mit Gott zu bekämpfen, 
Modern ungläubiges Treiben zu dämpfen, 
AIS Deutscher biederen Sinnes zu leben, 
AIS Christ nach dem Reiche der Liebe zu streben, 
Getreu dem Willen des Heilands und Herrn, 
Frei vom Frivolen — antimodern! 
Freudig bekennt der Dichter, dessen ernster Sinn fast aus jeder Zeile 
spricht, sich im „Sturmlied" zu dem dreieinigen Gott, der durch die welt 
überwindende Liebe 
Inmitten der kleinlichen Welt 
Mit all ihren teuflischen Werken 
Erstehen läßt 
In Himmelsluft 
Und strahlendem Sonnenschein, 
In froh erwachender Seligkeit, 
In ewiger Jugend 
Und jauchzender Pracht — 
Ein neues Paradies. 
Für alle Stimmungen und Regungen des Menschenherzens hat der 
Verfasier ein feines Verständnis; tief empfunden find seine Lieder von der 
„reinen Liebe." Wie treffend weiß er in ihnen den rechten Ton zu finden: 
Die Rose weiß. 
Die Rose rot, 
Nimm sie aus meiner Hand! 
Die Liebe heiß. 
Bis in den Tod, 
Hab ich Dir zugewandt. 
oder in dem Abschied von der Geliebten, da er ihr drei weiße Rosen giebt, 
die sie an Reinheit und Tugend gemahnen sollen und besonders in der 
„Aufforderung": 
Nun hatt' ich geglaubt, es wäre vorbei, 
Der Lieb' hatt' ich abgeschworen; 
Den einsamen Pfad, so fest und frei. 
Ihn hatt' ich mir auserkoren. 
Da habe ich tief in zwei Augen geschaut, 
Die leuchteten so lebendig; 
Ein rosiger Mund, er sprach so traut — 
Ich seh' ihn, ich hör' ihn beständig. 
Ach hätt' ich die Augen nimmer gesehn, 
Den Mund nie zu Küssen begehret! 
Nun ist es um Ruhe und Freiheit geschehn: 
Die Liebe am Herzen mir zehret. 
Auch die landschaftlichen Schilderungen des Dichters verraten eine 
vortreffliche Anschauungsgabe, die jeden Freund der Natur entzückt. Der 
Schwerpunkt der dichterischen Begabung Jordans liegt aber auf dem Ge 
biete der religiösen Poesie, wo wahre Musterleistungen vorliegen. Der 
kraftvolle Ernst, mit dem er für das lautere Christentum gegen alle Feinde 
und Spötter eintritt und vor der Ueberschätzung aller äußeren Kultur 
errungenschaften warnt, wird auf jeden tiefen Eindruck machen. Wir 
empfehlen die Sammlung jedem Freunde einer gesunden, ernsten Poesie; 
niemand wird sie unbefriedigt aus der Hand legen. L. 2. 
Mor sührrt's? Roman von E. Vely. Mannheim. Verlag von 
I. BenSheimer. Preis 5 Mk. 
Auf engem Raume — in einem Harzstädtchen spielt die Geschichte — 
wird dem Leser ein erschütterndes Drama vorgeführt, dessen Angelpunkt 
die so oft aufgeworfene und voch mit allem Menschenwitz nicht zu lösende 
Frage an ihn richtet: „Wer sühnt'S — das Unrecht, begangen am Un 
schuldigen durch die „irdische Gerechtigkeit?" Furchtbar rächt sich der falsche 
Richterspruch am Verurteilten, wie an der menschlichen Gesellschaft selbst; 
mit großer Schärfe, treu nach dem Leben gezeichnet, treten die Personen 
in der ihnen zugeteilten Rolle hervor: Ernst Bormann, der zum Verbrecher 
wird, weil der Makel auf ihm haftet. Lene, die in treuer Liebe an ihm 
hängt, der warmherzige alte Doktor, der oberflächliche, höhnende Amts 
richter. Der Leser wird nicht ohne tiefe Bewegung das Buch aus der 
Hand legen. — i. 
Gedichte in Pensa. Von Anna Croissant-Rust. München. 
Verlag von Dr. E. Albert & Co. Preis 2 Mk. 
Diese „Gedichte in Prosa" enthalten mehr Poesie als das süßliche 
Reimgeklingel der meisten modernen „Poeten". Sie sind in ungemein 
kraftvoller Sprache gehalten, in einer DarstellungSweise, die von An 
schaulichkeit bei aller Knappheit deS Ausdrucks strotzt. Der Inhalt zeugt 
von tiefer, wahrhaft poetischer Empfindung und großem Gedankenreichtum. 
Diesem Werke gegenüber kann der Rezensent nur den Rat geben: kaufen 
und lesen. Schade ist, daß das Bändchen so mangelhaft geheftet ist. Die 
einzelnen Bogen fallen nach dem Ausschneiden sofort auseinander. — e. 
Zoits chvrftenscharr. 
Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. 1893, Heft 7/8: 
Biedermann, Geschichte deS deutschen EinheitSgedankens. — Christian 
Meyer, Aus dem LebenSgang eines evangelischen Geistlichen im 17. und 
18. Jahrhundert. — A. Wolter, Ein Ueberbleibsel altwendischer Kultur. 
— A. Denecke, Berlin und die Berliner vor 100 Jahren. 
Anhalt: Der rote Adler auf der Marienburg. Historischer 
Roman von M. Frey (Fortsetzung). — DaS alte und das neue 
Rixdorf. Von Dr. A. Giese (Schluß). — Die Türkenhäuser in der 
Schloßstraße zu Charlottenburg. Von Dr. C. Brecht. — Kleine 
Mitteilungen: Die HimmelsahrtSkirche und die Gnadenkirche in Berlin 
(mit 2 Abbildungen). — König Albert von Sachsen (mit Abbildung). — 
Vereins-Nachrichten. — Büchertisch. — Zeilschriftenschau. — 
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,Für die Redaktion verantwortlich: Richard George in Berlin N, 4, Chausseestr. 2d. — Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist untersagt. 
Verlag: Fr. Zillessen, Berlin N.. Schönhauser Allee 141. — Druck: Buchdruckerei Gutenberg, Berlin X.. Schönhauser Allee 141».
        
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