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Volume 7. Oktober 1893, No. 54.

Full text : Der Bär (Public Domain) Ausgabe 19.1893 (Public Domain)

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merken.  Professor  Hartmann,  der  zweite  Vorstand  des  Württembergischen ­
  Altertumsvereins,  hieß  die  Erschienenen  herzlich  willkommen ­
  und  gedachte  der  beiden  früheren  Tagungen  des  Gesamlvereins
  auf  schwäbischer  Erde,  die  zu  Ulm  und  Reutlingen
stattgefunden  halten.
Am  Freitag,  den  22.  September  tagte  im  großen
Saale  des  Königsbaues  die  erste  Hauptversammlung  des
Gesamtvereins.  Bald  nach  9  Uhr  morgens  eröffnete  der
Vorsitzende,  Geh.  Archivrat  Reuter,  die  Versammlung  im
Namen  des  Verwaltungsausschusses  des  Gesamtvereins,  wies
auf  den  Ausfall  der  vorjährigen  Generalversammlung  zu
Münster  i.  W.  wegen  der  damaligen  Choleragefahr  hin  und
sprach  seinen  Dank  den  Vertretern  der  Staatsregierung  und
der  Geschichts-  und  Altertumsvereine,  dem  Ortsausschuß  sowie
allen  Freunden  und  Gönnern  des  Gesamtvereins  aus.  —
Hierauf  entledigte  sich  Professor  Hartmann,  der  zweite  Vorsitzende ­
  des  Württembergischen  Altertumsvereins,  seines  Auftrages, ­
  die  Anwesenden  im  Namen  des  würtlembergischen
Kultusministers  Dr.  v.  Sarwey  willkommen  zu  heißen,  wobei
er  darauf  hinwies,  daß  die  Württembergische  Staatsregierung
der  Sache  der  Geschichtsvereine  stets  ein  warmes  Interesse
entgegengebracht  habe;  schon  das  statistische  Landesamt  habe
gleich  im  Beginne  seines  Bestehens  die  Geschichte  und  die
Altertümer  des  Landes  in  den  Kreis  seiner  Wirksamkeit  gezogen. ­
  Die  Restaurierung  des  Ulmer  Münsters  seit  1844,
die  Errichtung  des  Landeskonservatoriums  für  Kunstdenkmäler
und  zuletzt  1891  die  Gründung  einer  Kommission  für  Landesgeschichte ­
  legten  weiteres  Zeugnis  dafür  ab.  —  Geh.  Archivrat ­
  Reuter-Berlin  erstattete  dann  den  Geschäftsbericht  des
Verwaltungsausschusses  des  Gesamtvereins  über  das  letzte  Geschäfts- ­
  und  Finanzjahr.  Der  Verein  für  die  Geschichte  Berlins
war  1891—92  und,  —  da  1892  die  Hauptversammlung
wegen  der  Choleragefahr  und  deshalb  auch  die  Neuwahl  unterbleiben ­
  mußte,  —  auch  1892—93  mit  der  Geschäftsführung
betraut.  Zu  der  gegenwärtigen  Versammlung  hätten  unter
den  deutschen  Regierungeit  folgende  Vertreter  entsandt:  Württemberg ­
  den  Regierungsdirektor  Dr.  v.  Fincke,  Mecklenburg-Schwerin
  den  Archivrat  Dr.  Grotefend,  Elsaß-Lothringen  den
Archivdirektor  Dr.  Wolffram-Metz,  Braunschweig  den  Archivar
Dr.  Zimmermann  und  Preußen  den  Berichterstatter  selbst,  den
Geh.  Archivrat  Reuter.  Der  Reichskanzler  Graf  Caprivi  bedauerte, ­
  wegen  Geschäftsüberhäufung  keinen  Kommissar  entsenden ­
  zu  können,  würde  aber  gern  von  den  Verhandlungen
der  Versammlung  nachträglich  Kenntnis  nehmen.  Die  Redaktion
des  Korrespondenzblattes  des  Gesamtvereins  sei  leider  mehrfachem ­
  Wechsel  unterworfen  gewesen.  Den  114  Vereinen,
welche  1892  den  Gesamtverein  bildeten,  find  inzwischen  beigetreten: ­
  der  Verein  für  Geschichte,  Altertümer  und  Landeskunde ­
  von  Schaumburg-Lippe  und  die  historischen  Vereine  zu
Donaueschingen.  Karlsruhe  und  Münster;  ausgeschieden  find
dagegen  Bernburg  und  Freiburg  im  Breisgau,  so  daß  der  Gesamtverein ­
  gegenwärtig  116  Vereine  und  Gesellschaften  umfaßt. ­
  Die  Finanzen  des  Gesamtvereins  stehen  jetzt  günstiger
als  bisher;  an  Stelle  des  ständigen  Fehlbetrages  schließt  das
letzte  Rechnungsjahr  mit  einem  kleinen  Ueberschuß  von
260,27  Mk.  Der  erwähnte  Fehlbetrag  ist  überwiegend  durch
die  Abzüge  der  Sitzungsprotokolle  entstanden,  da  das  Korrespondenzblatt ­
  seine  Herstellungskosten  wieder  einbringt.  Mit
Dank  ist  es  aufgenommen  worden,  daß  die  Regierungen  von

Mecklenburg-Schwerin  und  Braunschweig  1892  je  100  Mk.
zur  Tilgung  des  Defizits  bewilligt  haben.  —  Architekt  Walls-Berlin
  brachte  nunmehr  den  Geschäftsbericht  des  Konservators ­
  am  römisch-germanischen  Museum  zu  Mainz
für  das  Jahr  1892—93  zur  Verlesung.  Derselbe  Herr  hatte
auch  die  Berichterstattung  des  Verwaltungs  -  Ausschnsses
  über  die  Angelenheit  des  Denkmalausschusses
übernommen.  Nachdem  die  Aufstellungen  von  Denkmals-Verzeichnissen
  und  der  gesetzliche  Schutz  von  Denkmälern  auf
früheren  Jahresversammlungen  angeregt  worden  war,  ging
man  1890  zu  Metz  noch  einen  Schritt  weiter  und  übertrug
dem  Verein  für  die  Geschichte  Berlins  die  Ausarbeitung  eines
Gesetzentwurfes  nach  dieser  Richtung,  sah  sich  aber  genötigt,
später  davon  wieder  Abstand  zu  nehmen,  wegen  der  Schwierigkeiten, ­
  die  sich  in  dieser  Sache  erhoben.  Man  ging  deshalb
dazu  über,  zunächst  einmal  eine  Uebersicht  der  erhaltenswerten
Denkmäler  in  sämtlichen  deutschen  Ländern  zu  erhalten  und
stellte  dahingehende  Anfragen  an  alle  deutschen  Geschichts-Vereine,
  worauf  85  zum  Teil  an  litterarischen  Nachrichten
überaus  reiche  Antworten  einliefen.  Bayern,  Sachsen,  Württemberg, ­
  Baden  und  die  Reichslande  haben  bereits  mustergiltige
Inventarisierungen  der  Kunstdenkmäler  in  Angriff  genommen,
nur  über  Mecklenburg-Strelitz  liegen  in  dieser  Angelegenheit
noch  gar  keine  Nachrichten  vor.  Kann  man  mit  der  Registrierung
der  Denkmäler  in  Deutschland  wohl  zufrieden  sein,  so  ist  die
eigentliche  Pflege  der  Kunstaltertümer  nicht  überall  musterhaft.
Bayern,  Württemberg,  Baden  und  die  Reichslande  haben
Landeskonservatoren  aufgestellt,  Preußen  und  Mecklenburg
haben  Kommissionen,  Württemberg  ebenfalls  eine  solche  neben
den  Konservatoren.  Sachsen  hat  weder  einen  Konservator,
noch  eine  Kommission,  darf  sich  aber  bis  zu  einem  gewissen
Grade  auf  seine  Vereine  verlassen.  Preußen  will  jetzt  den
Denkmalsschuß  den  einzelnen  Provinzen  übertragen;  in  jeder
Provinz  soll  ein  Konservator  aufgestellt  werden,  dem  eine
Kommission  an  die  Seite  tritt,  welche  durch  den  Provinzial-Ausschuß
  besonders  aus  den  Mitgliedern  der  Geschichts-  und
Altertumsvereine  gewählt  wird.  Der  Versammlung  wurden
vier  Sätze  zur  Beschlußfassung  vorgeschlagen:  die  Bitte  an  die
deutschen  Regierungen,  die  Inventarisierung  der  Denkmäler
überall  da  herbeiführen  zu  wollen,  wo  dies  noch  nicht  geschehen ­
  ist;  Konservatoren  und  Kommissionen  für  größere  Gebiete ­
  anzustreben;  den  Entwurf  eines  Denkmalsschutzgesetzes
wiederum  in  die  Hand  zu  nehmen;  zeitweise  eine  allgemeine
Anfrage  zu  wiederholen.  —  Das  Korreferat  des  Archivrates
Dr.  Grotefend  wurde  den  Sektionsfitzungen  vorbehalten,  womit
an  diesem  Tage  der  geschäftliche  Teil  erschöpft  war.
Dr.  Fraas-Stuttgart,  der  Sohn  des  gleichnamigen  berühmten ­
  Geologen,  erhielt  darauf  das  Wort  zu  seinem  Vortrage: ­
  „Gang  durch  die  württembergische  Urgeschichte",
d.  h.  durch  die  Vorgeschichte  der  Bevölkerung  Schwabens  von
der  paläolithischen  bis  zur  La  Tsne-Zeit  und  bis  zum  Erscheinen ­
  der  Römer  an  den  Ufern  des  Rheins  und  der  Donau.
Fraas  schilderte  das  topographische  Bild  Württembergs  in  der
Gletscherzeit,  in  welcher  der  Rheinthalgletscher  sich  bis  zur
oberen  Donau  vorschob,  auch  der  südliche  Schwarzwald  mit
Firn  bedeckt  war,  nicht  so  die  Schwäbische  Alp,  welche  damals
eine  üppige  Pflanzendecke  aufwies.  Ob  der  Mensch  der  Eiszeit ­
  eingeboren  oder  eingewandert  war,  ist  nicht  festzustellen.
Beim  Zurückgehen  der  Gletscher  verursachte  der  Moränenstaub
            
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