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mühen mit seinen Truppen geteilt, zog er tm Jahre 1864 mit
in den dänischen Krieg, wo er im Gefecht bei Satrup die
Feuertaufe erhielt.
Auch 1866 stand er seinem königlichen Oheim treu zur
Seite; von Böhmens Grenze aus erreiche er im neunstündigen
anstrengenden Ritt am 3. Juli Königgrätz, gerade in dem
Augenblick, in dem die Entscheidungsschlacht begann. Am
19. Juli führte er sein Korps nach Bayern zu dem siegreichen
Gefecht bei Seybottenreut.
Der Großherzog war ein vielbewährter Vorkämpfer des
geeinigten deutschen Reiches. Welch hervorragendes Verdienst
er sich um Deutschlands nationale Einheit auf dem Schlacht-
felde erworben, hat die Geschichte mit goldenen Lettern in die
Annalen des ruhmvollen Krieges von 1870—71 eingetragen.
Die dem Großherzog von Mecklenburg unterstellten Truppen
nahmen den hervorragendsten Anteil an den Kämpfen gegen
die Loirearmee. Der erste Sieg bei Dreux am 17. November
war ein so glänzender, daß die Franzosen in wilder Flucht
ihren Rückzug antraten. Bei Loigny war es, wo kaum fünf
Schritte von ihm eine Granate krepierte; nur einer auffallenden
Wendung des tätlich erschreckten Pferdes war es, nach Aussage
von Augenzeugen, zu verdanken, daß die umherfliegenden
Sprengstücke den Grotzherzog nicht verwundeten.
In jener großen erhebenden Zeit hat Friedrich Franz II.
sich unter den Feldherren einen wohlbegründeten Ruf er
worben, seinem Lande auch nach Außen hin eine geachtete
Stellung errungen. Der deutsche Kaiser bezeugte seinem er
probten Kampfgenossen seinen Dank für solche treue Hilfe durch
Ernennung zum Inspekteur der II. Armeeinspektion und zum
Generaloberst der Infanterie.
Von großer Wichtigkeit für Mecklenburg war die Stellung,
welche der Großherzog von Anfang an zum preußischen Hofe
einnahm. So war es in erster Linie seinem energischen Ein
schreiten und seiner persönlichen Verwendung beim Könige
Friedrich Wilhelm zu danken, daß die für Mecklenburgs Wohl
stand so wichtige Verbindung der Bahnlinie Wismar-Hannover
mit Hamburg zu Stande kam. Der Bau der Eisenbahn be
gann im Jahre 1844, und bereits am 25. Dezember 1846
konnte die ganze Bahnlinie dem Verkehr übergeben werden.
Das herzliche Einvernehmen zwischen Kaiser Wilhelm und
seineni großherzoglichen Neffen ist allbekannt. Es trat klar
zutage, als der greise Fürst angesichts seines so früh zum
Tode erblaßten Neffen in Schwerin öffentlich äußerte:
„Ich habe viel verloren! Ich habe den treusten Ver
wandten und Anhänger meiner Familie, meines Landes und
meiner Regierung verloren."
Der Großherzog war in der That ein häufiger und gern
gesehener Gast im Königshause der Hohenzollern; es gab
seiner Zeit keinen deutschen Fürsten, der so oft in Berlin er
schienen wäre, wie er. Gelegentlich der goldenen Hochzeits
feier des Kaiserpaares am 21. Juni 1879 erzählte der hohe
Herr mit Vorliebe im engeren Kreise, daß Ihrer Majestäten
grüne Hochzeit die freudig begrüßte Veranlassung seiner ersten
Reise nach Berlin gewesen sei. von der ihm noch zahlreiche
Ereignisse im Gedächtnis geblieben.
Am 22. März, Kaiser Wilhelms Geburtstag, versäumte
der Großherzog nie, seinem erlauchten Onkel seine Glück
wünsche persönlich zu bringen, meist in Begleitung seiner Ge
mahlin; ebenso war er als passionierter Weidmann ein regel
mäßiger Gast bei den kaiserlichen Jagden in Letzlingen, Springe
und in der Göhrde. —
Das Familienleben Friedrich Franz II. war ein äußerst
glückliches. Am 19. März 1851 schenkte die Großherzogin
Auguste ihrem Gemahl den Erben und Thronfolger, Friedrich
Franz; ihm folgten am 19. September 1852 Prinz Paul,
am 14. Mai 1854 Prinzessin Marie und am 8. Dezember 1857
Herzog Johann Albrecht. Zwei Prinzen, Nikolaus und
Albrecht, starben in zartem Kindesalter.
Die rastlose Thätigkeit des Großherzogs ließ ihm nicht
viel Zeit, sich dem Familienleben zu widmen; doch waren die
Stunden, welche er. frei von Regierungsgeschäften, im Kreise
seiner Lieben zubrachte, ihm stets eine Quelle reinsten Glückes.
Das erste Frühstück, dem eine Morgenandacht voranging,
pflegte er mit den Seinen einzunehmen und sich an dem Ge
plauder der Kinder zu ergötzen, deren Erziehung zu frommen
Christen ihm besonders am Herzen lag. Naturgemäß lag die
Erziehung derselben zumeist in den Händen der Großherzogin
Auguste, welche die Erfüllung der Mutterpflichten als die
schönste Aufgabe ihres Lebens ansah und vor allem danach
strebte, die Kinder zum Gehorsam und zur Wahrhaftigkeit an
zuhalten.
Leider sollte der sonnige Glanz, der auf 'bem Fürsten
hause ruhte, nicht von langer Dauer sein. Nach siebenjährigem
glücklichen ehelichen Zusammenleben begann die Großherzogin
zu kränkeln, und stete Sorge um der geliebten Gattin Ge
sundheit wurde des Fürsten ständiger Begleiter. Ganz all
mählich schwand die Lebenskraft der Leidenden dahin; am
20. Februar 1862 stellten sich katarrhalische Fiebererscheinungen
ein, zu denen sich eine Lungenentzündung gesellte. Am
31. März endete ein sanfter, Tod die langen Leiden der fürst
lichen Dulderin; er raubte dem Großherzoge die treuste Ge
fährtin, den Kindern die sorgende Mutter, den Armen des
Landes die wohlthuende Trösterin.
Ganz Mecklenburg trauerte mit seinem Fürstenhause.
Der vereinsamte Großherzog erfuhr jetzt an sich selber,
welche Wohlthat bei herbem Seelenschmerz die tägliche dringende
Arbeit ist. Es bemächtigte sich seiner in noch stärkerer Weise
als bisher ein rastloser Thätigkeitsdrang. Auch eine Reise
nach England und Schottland, welche er in Begleitung des
Prinzen Reuß XU unternahm, übte eine lindernde Wirkung
auf sein bedrücktes Gemüt aus. Die Großartigkeit der
Scenerie in den schottischen Bergen fesselte seinen für Natur
schönheiten empfänglichen Sinn, auch lernte er dort das eigen
artige Verfahren der Hochlandsjagd kennen. Die nachhaltigen
Eindrücke dieses Ausfluges gewannen dem Großherzoge seine
ursprüngliche Elastizität wieder, und er kehrte zur Freude
seiner Umgebung, speziell seiner erlauchten Mutter, sichtlich
erfrischt an Herz und Gemüt heim.
Mehr denn je vermißte nun aber der Großherzog in
seiner Häuslichkeit die treue Gefährtin seiner Freuden und
Sorgen; auch der Anblick seiner verwaisten Kinder ließ den
Gedanken an eine Wiedervermählung in ihm aufkommen.
Bei einem Besuche in Darmstadt lernte er in der Prinzessin
Anna von Hessen eine begeisterte Verehrerin seiner verstorbenen
Gemahlin kennen. Gleich bei der ersten Begegnung lieh die
Prinzessin ihrer Bewunderung für die Verewigte warme
Worte. Das gab den ersten Grund zu einer Annäherung,
die bald zur innigen Neigung wurde, als der vereinsamte