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Periodical volume 12. August 1893, No. 46.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Erinnerung an den am 11. August 1345 zu Spremberg ge 
schlossenen Frieden. Zahlreiche Kriegsleute zu Fuß begleiten 
diesen Wagen (s. Abb. 2 in vor. Nr.). Musiker im Kostüm des 
fünfzehnten Jahrhunderts schreiten dem nächsten Wagen vorauf, 
deren erster einen Teil der 1479 vollendeten Stadtbefestigung 
darstellt und mit Baukünstlern, Malern, Schlossern und anderen 
Handwerksmeistern besetzt ist (siehe Abb. S. 544), während 
der zweite das Tuchmacherhandwerk verherrlicht und Wollschur. 
Webstuhl und Tuchmacherwappen aufweist. Hinter dem Wagen 
Tuchmacher, fahrende Sänger, Bürgerfrauen und Mädchen, 
welche sich zu einem Volksfeste begeben. Darauf ein hoher 
braungetäfelter Festwagen mit Katheder und Schranken, auf 
welchem die ernsten Gestalten der Reformatoren Luther, 
Melanchthon und Bugenhagen nebst einem Bürgermeister und 
vier Ratsherren thronen. Rings um den Wagen tummeln 
sich Patrizier, Bürger, Bürgerfrauen, Studenten und Lands 
knechte in buntem Gemisch. Und nun ein farbenprächtiges 
Bild aus der Zeit des Rokoko, ein Jagdzug Herzog Heinrichs 
aus seiner Residenz Spremberg 1731. Voran eine Gruppe 
Waldhornbläser, darauf Herzog Heinrich, begleitet von sechs 
Kavalieren mit ihren Damen, welche sich in ihren verschieden 
farbigen samtnen Kostümen, mit Spitzen und Federn geschmückt, 
sehr vorteilhaft ausnehmen. Die Gruppe beschließen Armbrust 
schützen, Jäger und Jagdknappen mit einem reichbekränzten 
Wagen, auf dem die Jagdbeute liegt (siehe Abb. S. 545). 
Jetzt wankt eine Truppe geschlagener und verwundeter Oester 
reicher und Kroaten vorbei, in ihrer Mitte Feldmarschall Daun, 
preußische Soldaten unter Führung Friedrichs des Großen 
auf dem bekannten Schimmel folgen ihnen — eine Gruppe 
zur Erinnerung an das Gefecht bei Spremberg und den Besuch 
Friedrichs H. daselbst im Jahre 1759. Dann, auf die Ein 
verleibung Sprembergs in Preußen 1815 hinweisend, ein von 
Lützowern und Landwehrleuten geleiteter Festwagen, auf 
welchem die von einem blauen Sammetmantel umhüllte hehre 
Gestalt der Borussia thront. Mit der einen Hand hält sie 
das hochragende Adlerbanner, während sie mit der anderen 
den Wappenschild der Stadt von der auf den Stufen des 
Thrones ruhenden Spremberga entgegennimmt. 
Nun naht die letzte historische Gruppe, ein Bild aus 
der Gegenwart — ein Wendenzug. Zwei Reiter in langen, 
weißen Röcken mit buntgeschmückten Cylindern eröffnen den 
selben, hinter ihnen ein Hochzeitswagen, ein Wagen mit der 
Spinnstube und mehrere Erntewagen. Melancholisch erschallen 
ine wendischen Gesänge der Bauerndirnen, mancher Juchzer 
der umhertummelnden Burschen tönt dazwischen, und Dudelsack 
und Fiedel spielen zum lustigen Tanze auf. In buntem Ge 
misch flutet dieses packende Bild echt wendischen Volkslebens 
vorüber. Der historische Teil des Zuges ist hiermit beendet. 
Es folgen noch der „Verein der Spremberger zu Berlin" mit 
dem neuen Banner und einem mächtigen, kostbar dekorierten 
Festwagen, auf welchem Berolina die Spremberga zum frohen 
Feste begrüßt, die Fahnendeputationen der Schützengilde und 
die Innungen der Stadt, unter ihnen bemerkenswert diejenige 
der Tuchmacher, welche einen Faschingszug aus dem Jahre 1862 
zur Darstellung bringen. Den Beschluß machen die Bergleute 
mit einem Bergwagen und der Bacchuswagen mit einem 
riesigen Faß. 
Vorüber ist das Getriebe, alles drängt zum Festplatz, 
der bald von frohem Getümmel erfüllt ist. Uns aber ruft 
die Pflicht heimwärts, langsam schreiten wir die Straße nach 
dem Berge St. Georgs hinauf und mit einem langen, weh 
mütigen Blick nehmen wir Abschied von diesem idyllischen 
Stückchen Erde. 
Dir ältesten Nähnadeln. 
Von G. Iernko. 
(Schluß.) 
Die Zahl der bis dahin bekannt gewordenen broncenen 
Nähnadeln ist eine recht große und dies auch daher, als sehr 
viele Exemplare garnicht in die Broncezeit gehören, sondern 
späteren Jahrhunderten zugewiesen werden müssen. Weiter 
über die ersten Perioden der Eisenzeit hinaus, als auf die 
sogenannte Hallstatt-Kultur die La Tsne-Zeit gefolgt war. und 
nach längerem Gebrauch von eisernen Nähnadeln, tauchen die 
broncenen wieder auf. In Fig. 11—12 sehen wir broncene 
Nähnadeln, welche dem Urnengräberfelde bei Fohrde im Kreise 
Westhavelland entstammen und bereits in die römische Kaiser 
zeit gehören. Fig. 13 zeigt eine eiserne Nähnadel, welche 
ebenfalls aus der Mark Brandenburg, nämlich von dem Urnen 
gräberfelde bei Krielow im Kreise Zauch-Belzig, stammt, aber 
der jüngeren La Tsne-Zeit zukommt. Diese Nadel ist — wie 
viele ihresgleichen — ein in seiner Art gewaltiges Instrument 
und läßt uns ahnen, von welcher Mächtigkeit und Zuverlässig 
keit die Stoffe gewesen sein müssen, die damit bearbeitet 
wurden. Die Breite des Kopfes, überhaupt des oberen Teiles 
muß keineswegs hinderlich gewesen sein. Diese Vermutung 
ist auch den broncenen Nähnadeln gegenüber gestattet, bei 
denen wir zum Teil mühelos erkennen können, wie sich das 
Oehr durch den Gebrauch geweitet hat — wenn es nicht schon 
vorher diese Form erhalten hatte. 
In dem vorhin erwähnten Werke von Voß und Stimming 
heißt es S. 28: „Als Frauengräber dürfen wir wohl mit 
Sicherheit jene bezeichnen, in denen sich eine Nähnadel ge 
funden hat." Im Anschluß daran sei einiges über die in 
Rede stehenden Gräber von Fohrde mitgeteilt. (Eine sehr 
ausführliche Beschreibung dieser 10 Gräber, welche Nähnadeln 
enthielten, findet sich bei Voß und Stimming, und das 
„Monatsblatt" der „Brandenburgia" brachte s. Z. meine dort 
entnommene, kürzere Zusammenstellung der charakteristischen 
Grabgefäße und Beigaben). Die Schmucksachen in Bronce, 
Eisen und Silber find ziemlich zahlreich und zum Teil von 
feiner Arbeit. Wiederholt treffen wir armbrustförmige Fibeln 
an. Gleichfalls wiederholt sehen wir als Omament das so 
genannte „Sonnenzeichen" (ein einfacher oder doppelter Kreis 
um einen Punkt), u. a. auf einem Kamme aus Hirschhorn. 
Ein thönerner Spinnwirtel, ein eiserner Schlüssel mit Auf 
hängering. ein kleines eisernes Meffer und der silberne Bügel 
eines Kästchens lassen ungezwungene Schlüsse auf Beschäftigung 
und Neigung der in den resp. Gräbem Bestatteten zu. Voß 
und Stimming vermuten, daß das kleine Meffer ein „Trenn 
messer" gewesen ist, und sehen den silbernen Bügel als Be 
schlag eines Kästchens an — dem wir allen Ernstes den 
Namen „Handarbeits"- oder „Schmuckkästchen" geben können. 
In Fig. 14—15 haben wir broncene Nähnadeln vor 
uns, welche aus Rauschendorf, Kreis Ruppin, stammen; in
        
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