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Periodical volume 29. Juli 1893, No. 44.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Die Stadt Spremberg, der Hauptort des kleinsten 
Kreises der Mark Brandenburg, des Spremberger Kreises, ist 
im allgemeinen wenig bekannt. Der Geograph weiß, daß die 
Stadt seit dem Jahre 1871 der geographische Mittelpunkl des 
Deutschen Reiches ist, weil sich in ihr der mittelste Parallel 
kreis (51 o 34' 22 ") und der mittelste Längengrad (14° 22' 
21^ " ö. L.) schneiden; der Kaufmann weiß, daß dieser Ort 
der Sitz bedeutender Tuchfabriken ist und viele Industriestädte, 
so auch Berlin, mit Tuchwaren versorgt. Im übrigen aber 
ist die Stadt den meisten nur dem Namen nach bekannt; nur 
sehr wenige haben sie aufgesucht, und selten wird ein Wanderer 
in diesen abgelegenen Winkel 
der Mark Brandenburg ver 
schlagen. Trotzdem Sprem- 
berg eine bedeutende Fabrik 
stadt ist, welche man mit 
der Berlin-Görlitzer-Bahn 
in ungefähr drei Stunden 
erreichen kann, trotzdem es 
in der Nähe des viel 
besuchten Spreewaldes, in 
der Nähe des reizenden 
Badeortes Muskau liegt, ist 
nur wenigen die schöne Lage 
und die idyllische Umgebung 
der Stadt bekannt. Woran 
liegt das? — Zum großen 
Teil wohl an der Lage 
Sprembergs selbst, denn es 
liegt etwa eine halbe Stunde 
von der Bahnstrecke entfernt, 
lief unten im Thale der 
Spree, dem Auge des Vor 
überreisenden durch einen 
ansehnlichen: Höhenzug ver 
borgen. 
Verläßt man den Bahn 
hof bei Spremberg. so sieht 
man sich vergebens nach den 
Anzeichen einer Stadt, nach 
Häusern oder nach einem 
Kirchturm um. Ringsum 
plattes Land, hier und da 
von einem Stückchen Wald 
durchzogen, und am Hori 
zonte ebenfalls Waldung. 
Sehr einförmige Gegend! dies 
kommenden. Verschmäht man 
Kageplan dos dor SoliulthorH' Korrucroi A.-G. in Pankow 
gehörondon Krndorhclrns (S. 528). 
und ungarischer Pilgerwar. Jetzt ist die Kapelle, deren Schniuck 
ein gotischer Altarschrein mit den Statuen der Jungfrau Maria 
mit dem Kinde und vier Heiligen bildet, der lutherischen Ge 
meinde als Gotteshaus überlassen. Von der Kapelle führt ein 
breiter, mit stattlichen Linden bepflanzter Weg zu dem am Rande 
des Berges stehenden Kriegerdenkmal, dessen Obelisk von einem 
Adler gekrönt ist. 
Von diesem Punkte aus bietet sich ein unvergleichlich 
prächtiges Bild dar. Am Fuße des hier steil abfallenden 
Berges liegt inmitten saftig-grüner Wiesen, gelber Kornfelder 
und blumenreicher Gärten, vom Silberbande der Spree durch 
zogen, die Stadt Spremberg. 
heute, an ihrem Ehrentage, 
im Schmucke zahlloser Fahnen 
und Wimpel. Geradeaus 
auf einer Insel, von den 
Armen der Spree umschlossen, 
die Altstadt, aus deren 
dicht zusammengedrängtem 
Häusergewirr die von der 
Sonne beleuchteten Türme 
der ehrwürdigen Hauptkirche 
und des schlichten Rathauses 
emporragen. Dahinter auf 
dem jenseitigen Ufer der 
Spree, weitläufiger angelegt, 
die Neustadt mit ihren 
breiten Slraßen und zahl 
reichen Schornsteinen, welche 
hauptsächlich Tuchfabriken an 
gehören. Rechter Hand vom 
Beschauer erhebt sich inmitten 
grüner Wiesen zwischen der 
Spree und dem östlichen 
Höhenzuge, abseits von den 
Häusern der Bergstraße, der 
rote Backsteinbau der katho 
lischen Kirche, während am 
entgegengesetzten Ende der 
Stadt nach demDorfe Slamen 
zu das alte herzogliche Schloß 
trutzig in die Lande hinaus 
schaut. Umsäumt und durch 
zogen wird dieses Bild 
überall von prächtigen Alleen 
und Baumgruppen, so daß 
ijzosir. 
ist der erste Gedanke des An- 
es aber nicht, die mit Kirsch 
bäumen bepflanzte Allee vom Bahnhof zur Stadt zurückzulegen, 
so wird man überrascht und eittzückl sein, soviel Naiurschönheit 
und Lieblichkeil an einem Orte vereinigt zu finden. Allmählich 
ansteigend führt diese Allee auf die Höhe des Georgenberges, 
welcher den allen Friedhof der Stadt umschließt und mit 
seinen wohlgepflegieii Blumenanlagen und seinen lauschigen 
Laubengängen die schönste Zierde derselben bildet. Inmitten 
prächtiger Baumgruppen und uralter Grabsteine erhebt sich der 
einfache, kunstlose Bau der Georgenkapelle, welche nach 
dem Patron der Stadt, dem heiligen Georg, benannt, ehemals 
als belühinte Wallfahrlskapelle das Ziel zahlreicher böhmischer 
unser Auge, welches nach Westen zu über die jenseitigen Erhebungen 
des Spreethales ins weite Land hineinschweift, stets mit Ent 
zücken zu dem idyllischen Anblick zurückkehrt. 
Ein Gang über den Friedhof des Georgenberges, welcher 
sowohl der herrlichen Laubgänge als der alten Grabsteine 
wegen für den Natur- und Geschichtssreund äußerst lohneird 
ist, führt uns zu einem zweiten Aussichtspunkte, der einen 
Blick über den südlichen Teil der Stadt und ihrer Umgebung 
gestattet. Von dieser Stelle aus steigt man durch eine mit 
Stufen versehene Schlucht zu dem vielbesuchten, romantisch ge 
legenen Wirtshaus „Kuhles Berg" hinunter und gelangt von 
dort aus durch das Dorf Slamen auf die Muskauer Chaussee, 
welche zum Schlosse führt. 
UM
        
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