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Periodical volume 29. Oktober 1892, No. 5.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

Entfernung einer Meile rings um das genannte Dorf lagen. 
Nun giebt es zwar ein und einehalbe Meile südlich von Guben 
einen Ort Starzeddel. Aber eine andere Urkunde vom 
80. November 1370, in welcher Kaiser Karl IV. Heinrichs 
Gründung bestätigte, nennt als die Dörfer, welche das Kloster 
seit seiner Gründung besessen habe: Wellmitz, Stcinsdorf, 
Streichwitz, Seitwann, Schwerzko, Möbiskruge und Läwitz. 
Es find das Ortschaften, die heute noch das Kloster in der 
Entfernung etwa einer Meile umgeben und die ihm bis zur 
Aufhebung desselben gehörten. Danach müßte das Strazeddel, 
von dem Heinrich spricht, auch inmitten der genannten Dörfer 
gelegen haben; es ist ein Ort dieses Namens dort aber nicht 
fördern, sondern durch ihr Beispiel und Wirken Segen über 
die Bewohner dieser Landschaft bringen möchten." In Rück 
sicht auf den letzten Zweck wählte Heinrich wohl nicht ohne 
Bedacht den Cistercienserorden, der für die Ausbreitung der 
Bodenkultur äußerst wichtig geworden ist. 
Segen haben die Cisterciensermönche unzweifelhaft über 
diese Landschaft verbreitet. Die breite, sumpfige Niederung 
an der Oder wurde durch sie in Wiesen verwandelt; sie sorgten 
für die Anlage standhafter Oderdämme, legten Weinberge und 
Obstalleeen an, verbesserten den Viehstand. 
Der erste Abt soll nebst einigen Mönchen der Sage nach 
aus dem Kloster Lehnin nach Neuzelle gekommen sein; doch 
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Nach einer photographischen Aufnahme von C. Ri eg er & Comp, in Guben. 
bekannt. Ohne aus die Hypothesen, die aufgestellt worden find, 
das Rätsel zu lösen, einzugehen, begnüge ich mich damit, 
hervorzuheben, daß das Kloster bestimmt ursprünglich nicht an 
seinem gegenwärtigen Platze gestanden hat. Denn als der 
Abt 1370 die Sliftungsurkunde bestätigen ließ, bat er den 
Kaiser gleichzeitig, das Kloster in die Nähe des Dorfes 
Schlaben, wo es sich noch heute befindet, verlegen zu dürfen. 
Heinrich der Erlauchte stiftete das Kloster „zum Gedächt 
nis und ewigen Heile seiner geliebten Gemahlin Agnes", 
einer Tochter König Ottokars von Böhmen, „und aller seiner 
Voreltern, damit die frommen Bewohner desselben für Ihn 
und die Seinigen beten, nach den Vorschriften des Cistercienser- 
ordens, geschieden von der Welt, gemeinschaftlich leben und 
im Gebete und in Arbeit nicht nur ihr eigenes Seelenheil br 
auch Altzelle bei Nossen wird als das Mutterkloster des neu 
gegründeten bezeichnet und soll die ersten Mönche in die dortige 
Gegend gesandt haben. Das letztere führt mit Neuzelle das 
selbe Wappen, nämlich ein aufrechtstehendes Kreuz und au 
dessen Spitzen die Buchstaben M, 0, R, 8. Das Kloster 
hat im ganzen 41 Aebie gehabt, die großes Ansehen genossen. 
Sie waren erster Landstand der Niederlausitz; manche von 
ihnen wurden zu Doktoren der Theologie und Philologie, 
sechs zu Geheimen Räten ernannt. Die ersten Aebte hatten 
selbstverständlich ihre Sorge vornehmlich auf den Bau des 
Klosters und der Kirche desselben zu richten. Man muß,es 
Diesen Prälaten zugestehen: sie hatten einen Blick für die 
Schönheiten der Natur. Man genießt von den Klostergebäuden 
und den nahe liegenden Bergen eine prächtige Fernsicht, nicht
        
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