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Periodical volume 8. Juli 1893, No. 41.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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das Nest, ihre Jungen zu Hecken. In kürzester Frist, auf den unzugäng 
lichsten Wegen, als ob die Engel der Himmels selber die Briefboten 
gewesen, war bis in daS entlegenste, verschlossene Betkämmerlein der 
Hugenotten in Frankreich Kunde und Wortlaut von dem „Edikt von Potsdam" 
gedrungen, des Hohenzollern umgehende Antwort auf den 
Widerruf der Ediktes von Nantes. Solch' eine Antwort kann nur 
ein Held von Gottes Gnaden geben. Der Laderuf, welcher den um ihres 
Glaubens willen Flüchtigen in ergreifenden Worien voll Zornesmut über 
die Frevelthat, voll erbarmender Liebe zu den grausam Mißhandelten eine 
warme Zuflucht in den brandenburgischen Landen öffnete, war wohl mit 
die kühnste That des Großen Kurfürsten, ein Wagnis frommen Grimmes, 
festen, unerschütterlichen Glaubens, der aller einsetzen kann, um daS Höchste, 
das Reich GotteS, zu wahren. Wiederholt hatten die höfischen Schmeichler, 
diese gefährlichsten, verderblichsten Leute in der Umgebung eines Herrschers, 
Ludwig XIV. als Sonnenkönig (Roy Soleil) gefeiert. Nun erhebt sich in 
diesem Edikt von Potsdam, kühn wie nie zuvor, der junge preußische Aar 
aus seinen, Horste und steigt auf zu seinem ersten Hochflug: non soli 
cedit, er weicht auch der Sonne nicht. 
Mchertifch. 
Fantancs Führer dnnch die Umgegend Dentins. 
2. Teil: Norden. Herausgegeben vom Touristen-Klub für die 
Mark Brandenburg. Berlin 1893. Verlag von F. Fontane 
u. Co. Preis 0,ö0 Mk. 
Der soeben erschienene 2. Teil deS Fontanefchen Führers erfüllt alle 
Forderungen, die man billig an ein solches Buch stellen kann. Die gute 
KartenauSitaltung. dar handliche Format, die bequeme Anordnung des 
Stoffes und umfassende historische und lokal-geographische Hinweise sichern 
ihm ein mehr als vorübergehendes Interesse. ES schließt sich also in 
seinen Vorzügen dem ersten Teil an, der den Osten Berlins behandelt. 
Gerade die weilen Seen und Waldgebiete im Norden Berlins, die erst 
durch den Vorortverkehr dem Naturfreund so recht erschlossen wurden, sind 
dem größeren Publikum zum Teil unbekannt, und so mancher Sonntags 
wanderer wird den Herausgebern für die Hinweise dankbar sein. Soweit 
eine in den vier Wänden stattgefundene Prüfung erkennen läßt, ist der 
Führer durchaus zuverlässig, was allerdings bei einem Verein, der seit 
Jahren für die vieloerkannten Schönheiten der Mark eintritt, selbstver 
ständlich ist. ES soll auch nicht verschwiegen werden, daß der Verein den 
etwaigen Gewinn aus dem Verkauf des Werkes für die Ausstellung von 
Wegweisern bestimmt hat, ein Grund mehr, demselben einen herzlichen 
Glückwunsch mit auf den Weg zu geben. R. M. 
5.1.1 io roh VttijriftlloUrx* gewandert Ritt. Erinnerungen au§ 
den fünfziger Jahren von Ludwig Pietsch. Verlag von 
F. Fontane & Co. Berlin 1893. Preis 6 Mk. 
Obiges Memoirenwerk umfaßt die Jahre 1848—1858 und giebt ein 
lebendiges, reizvolles Bild der hochinteressanten Laufbahn Pietschs, eine 
getreue Schilderung, wie er erst Maler, dann Schriftsteller geworden ist. — 
AIS Hintergrund entwirft der Verfasser einen kulturhistorisch wertvollen 
Beitrag des vormärzlichen Berlins. — Sein ausgedehnter und naher 
Verkehr mit höchsten Kreisen, sowie seine intimen Beziehungen zu den 
Koryphäen der Künstlerwelt ermöglichten dem Autor, seine Arbeit von ganz 
besonderen Gesichtspunkten zu beleuchten. Pietschs hervorragende Künstler 
natur und feine prägnante, charakteristische Art, seine Thätigkeit als Bericht- 
erstaüer der Reisen des Kaiser Friedrichs als „Kronprinzen", sowie seine 
Kritiken und Essays in der „Vossischen Zeitung" haben ihn in den weitesten 
Kreisen populär gemacht, sodaß jeder mit ganz besonderem Interesse den 
fesselnden Erinnerungen des Verfassers, die er in einer fo herzlich liebens 
würdigen Art niedergeschrieben hat, folgt. — Eine besondere Zierde deS 
trefflickien BucheS ist ein meisterhaft reproduziertes Portrait Ludwig 
PieischS. — x— 
Federt ttttb Thaten des scharfsinnigen Gdten Dan 
(sinijote non der Manche. Von Miguel Cervantes 
de Saavedra. Neu bearbeitet von Ernst von Wolzogen. Mit 
Illustrationen von Gustav Dore. Leipzig Verlag von Th. Knaur. 
80—35 Lieferungen zu je 60 Pfg. 
Ein Wort der Lobes über den Don Quijote der Cervantes zu 
sagen, hieße Eulen nach Athen tragen. Dieser humoristische Roman steht 
in der Litteratur aller Zeiten und Völker unerreicht da. Er ist eine groß 
artige Allegorie zur Darstellung der Gegensätze zwischen Geist und Materie, 
Ideal und Wirklichkeit, Poesie und Prosa. Er sucht an treffender und 
konsequenter Charakterzeichnung, an unversieglicher Ursprünglichkeit und 
tiefhumoristischer Lebensauffassung seinesgleichen. Daß die Verlagshandlung 
uns diesen Roman in einer Neubearbeitung von Ernst von Wolzogen 
mit den trefflichen Illustrationen Gustav DoreS bietet — dafür sind 
wir ihr in der That zu Dank verpflichtet. Wir wünschen dem glänzend 
ausgestatteten Werk recht viele Käufer. — o— 
Die alten Deutschen während der Urzeit und Uällton- 
tuanderung. Schilderungen und Geschichten zur Stärkung 
vaterländischen Sinnes der Jugend und dem Volke, dargebracht 
von Gotlhols Klee. Gütersloh. Verlag von C. Bertelsmann. 
Preis drosch. 2.40 Mk., geb. 3,00 Mk. 
Keine Jugendschrist im engsten Sinne haben wir hier vor uns, 
sondern ein Buch, packend und lebendig geschrieben, daS sich an die 
weitesten Volksschichten wendet, an die Kreise, welche die Geschichte noch 
nicht als Disziplin der Philosophie, sondern mehr als poetische Didaktik 
auffassen. In der gewählten Form der in sich abgeschlosienen Einzelbilder 
tritt der erfahrene Schulmann, in dem Hervorheben des allgemein Fesselnden 
aber der Menschenkenner in den Vordergrund, eine Verbindung, die mit 
Berücksichtigung der neuesten Geschichtsforschung ein vollständig gelungenes 
Werk hervorgebracht hat. Heute, wo gerade die heimische Geschichte endlich 
die verdiente Würdigung gefunden hat, wird daS Buch hoffentlich die An 
erkennung aller Interessenten finden, so daß der Verfasser seinen Plan, 
eine weitere Folge erscheinen zu lassen, wird verwirklichen können. Der 
Verleger würde aber gut thun, die kommenden Bände etwas besser heften 
zu lassen als den vorliegenden. L. K. 
Aeltesie pnensiisih -dentfche Fahnen, das Ordens- 
Hans ;n Maniendnng nnd die Scisiarsit dri 
Tannendong. Mit 80 Fahnen-Abbildungen nebst oen Wappen 
der deutschen Ordensritter und den preußischen und deutschen 
Wappen und Flaggen. Von B. Emil König. Saalfeld a. S. 
1893. Verlag von Schlick und Schmidt. Preis 4 Mk. 
Das prachtvoll ausgestattete Werk knüpft an einen Teil der deutschen 
Geschichte an, der glanz- und ruhmvoll, doch im allgemeinen nicht so be 
kannt ist, wie er cs verdient. ES ist dar schade, weil derselbe nicht allein 
ungemein lehrreich ist, sondern weil noch heute jedes ReichSwappen von 
seinen Wandlungen Kunde ! giebt. Der Wunsch ist darum nicht un 
bescheiden, daß jeder Deutsche die Ereignisse kennen lernen möge, von 
denen jede Briefmarke, jeder Groschen mit seinem Adler spricht; aber wer 
weiß etwas über der Reicher heiligster Symbol? E. König in Saalfeld, 
den Lesern der „Bär" wohl bekannt, hat es unternommen, uns die Ent 
stehung des preußisch-deutschen Wappens auf Grund eingehender Studien 
und aller Wappenbilder zu erzählen. DaS Ergebnis liegt nun in Gestalt 
einer Prachtwerkes vor, dar den Versuch als gelungen erscheinen läßt. 
Der Verfasser leitet sein Buch mit der Abbildung und Beschreibung der 
hehren Ordensburg zu Marienburg ein, der eine solche der Schlacht bei 
Tannenberg folgt — deS Ordens größtes Denkmal und feine verhängnis 
vollste Katastrophe. Die Fahnen und Banner deS deutschen Ritterordens, 
die Wappen der Hochmeister und die Fahnen, Flaggen und Wappen 
Preußens und des Deutschen Reiches werden in Wort und Schrift vor 
geführt, und eine biographische Skizze des Herzogs Albrecht I. von Preußen, 
der daS OrdenSland verweltlichte, schließt den historischen Teil ab. Die 
folgenden poetischen Zugaben hätten wir gern vermißt; da daS Buch aber 
ein HauS- und Familienbuch sein soll, so finden sie vielleicht auch ihre 
Verehrer. —e. 
Zeitscsinistensihan. 
Anzeiger dos gonrnanisihen Uatianal-Mns'enms. 
1893, Nr. 2: Gotische astronomische Uhr (1500—1520, Abbildung). — 
Eine Karte von Flandern vom Jahre 1538 von Eugen Träger. — 
Geschwornenbuch der Nürnberger Barbiere und Wundärzte von Hans Boesch. 
— Katalog der im Germanischen Museum befindlichen Gemälde. 
Knandendnngia. I. Jahrg. Nr. 10—12. II. Jahrg. 1—2: 
Der Kunstunterricht am Hofe deS Großen Kurfürsten von Dr. Georg 
Galland. — Alte Berliner Bilder von L. Alfieri (die Zelten 1761, Blick 
nach Charlotlenburg und Bellevue). — DaS HauS Schloßplatz Nr. 11. — 
Symbolische RechtSaltertümer von Carl Altrichter. — Ueber vorgeschicht 
liche weibliche Handarbeit von E. Lemke. — Ueber Fastnachtsgebräuche 
unter Berücksichtigung der Provinz von Dr. E. GaSner. — Tierleben der 
Provinz Brandenburg von Dt. Ernst Friedei. 
Der dorrtsitze Donald. 1893. Nr. 3—5: Eine Kritik der 
Wappen der deutschen Minnesänger von F. Mona. — Grabsteine auS der 
Kirche zu Alswede von Freiherrn K. v. d. Horst. — Zur Hohenzollernschen 
Genealogie. — Jllustralionsbeilagen: Wappentafel in der Ratsstube zu 
Kalmünz, Wappen deS Fürsten zu Stolberg - Wernigerode; Phil. Jac. 
Spener u. s. w. u. s. w. 
Mittoilnngen des Uenoins fürt die Geschichte 
Dentins. 1893, Nr. 1 — 6: Oeffentliche Sicherheit in der Mark im 
Jahre 1810 von Justus v. Grüner. — Eine Erinnerung an daS Jahr 1866. 
— Die deutsche GewerbeauSstellung zu Berlin im Jahre 1844. — Die 
Entwickelung von Boxhagen und Rummelsburg. 
Deitsihnist fite derrtsihe Hnltnngosci>ichte. 3. Folge, 
3. Jahrg. Heft 4: Studien zur Geschichte der modernen Gesellschaft von 
Christian Meyer. — Zur Kulturgeschichte des westlichen Böhmens von 
Alois John. — Thomas von Chantimprs über daS Bürger- und Bauer 
leben seiner Zeit von Alexander Kaufmann. 
Inhalt: Verrat und Treue. Historischer Roman auS der 
Zeit deS 7 jährigen Krieges. Bon E. H. von Dedenroth (Fortsetzung). 
Die Epheuschtucht im neuen Viktoriapark. Von Dr. Carl Bolle 
(mit 3 Abbildungen). Eine interessante Bekanntschaft. Humoreske 
von Carlot Neuling. AuS dem fürstlichen Familienleben deS 
vorigen Jahrhunderts. Von Heinrich Wagner (Schluß). — Kleine 
Mitteilungen: Der Tod Friedrichs des Großen. S. M. S. „Amazone". 
Die srüheren militärischen Verhältnisie Helgolands. Non soli cedit. — 
Büchertisch. — Anzeigen. 
Verlag und Redaktion: Fr. Ziliessen, Berlin X., Schönhauser Allee 141. — Druck: Buchdruckerei Gutenberg, Berlin X., Schönhauser Allee 141a. 
Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist untersagt.
        
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