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Periodical volume 8. Juli 1893, No. 41.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

-s 491 6- 
Erinnert Euch, daß Ihr Philosoph seid, und daß Euer 
Schicksal nicht von Eurer Seitung abhängt. Mehr als einmal 
hat Euch Eure eigene Erfahrung gelehrt, daß alles dahin ge 
langt. wohin es gelangen muß. Folgt diesem Grundsatz, und 
beruhigt Euch durch die Versicherung, daß ich Euch liebe und 
Euch niemals verlasien werde. Ueberdies bitte ich Gott, daß 
er Euch, mein Herr Graf von Hoditz, in seiner heiligen und 
würdigen Obhut halte." 
Wenige Tage darauf, am 18. März 1778, starb der 
Graf, nahe 72 Jahre alt (geb. 16. Mai 1706), und Friedrich 
der Große ließ die Leiche, geleitet durch ein Kommando seiner 
Garde, zurück nach seinem geliebten Roßwaldau bringen. Weil 
aber mit ihm, dem kinderlosen Mann, sein Geschlecht erlosch, 
so fielen seine Güter an den Lehnsherrn, den Erzbischof von 
Olmütz, zurück, der sie aber ihrer starken Verschuldung halber 
nicht wieder zu Lehen geben konnte. Die Gräfin von Dyhrn, 
eine sehr unternehmende Frau, hatte sich noch im letzten 
Lebensjahre des Grafen, teils aus Freundschaft, teils aus 
Ambition, entschlossen, um den von seinen Gläubigern ge 
drängten Grafen aus seiner Verlegenheit zu retten, die Ad 
ministration seiner Güter zu übernehmen. Bei dem nach dem 
Tode des Grafen ausgebrochenen Konkurse beantragte sie die 
Auszahlung ansehnlicher Vorschüsie, welche sie in die Güter 
gesteckt hatte, und Friedrich bestimmte durch Kabinetts-Ordre, 
die Gräfin wegen dieser Forderung so viel als möglich zu 
unterstützen. Dennoch war die Sache nach zehn Jahren nicht 
zum Austrag gebracht. 
Später find die Güter des Grafen verkauft worden. 
Der große Park wurde nun zu Obstanlagen, Getreidefeldern 
und Wiesen umgewandelt, seine Tempel und Pavillons ver 
fielen, und das Schloß selbst, Friedrichs „Sejour divin“, 
diente von nun an wirtschaftlichen Zwecken, und so zeugt heut 
nichts mehr von der entschwundenen Pracht als des großen 
Königs begeistertes Lob in seinen beiden Gedichten. Wie 
Friedrich den Grafen schätzte, bewies er ihm noch über seinen 
Tod hinaus. So bestimmte er durch die Kabinetts-Ordres 
vom 21. und 24. März 1778, daß der Magistrat von 
Potsdam von dem Nachlaß des Verstorbenen und von allem 
dem, das nach Roßwaldau zurückging, kein Abschoßgeld er 
heben solle, und daß die den Leuten des Grafen zukommende 
Summe von 2550 Thlrn. nebst den im Testament enthaltenen 
Legaten sofort ohne allen Abzug auszuzahlen und auch hiervon 
kein Abschoß zu erheben sei. 
Sechs Jahre nach dem Tode des Grafen, 1784, be 
stimmte der König, daß der Teil der Jägerstraße in Potsdam, 
in welcher Hoditz gewohnt hatte, zur^ bleibenden Erinnerung 
fortan Hoditzstraße heißen soll. In dieser Straße bewohnte 
Hoditz das Haus Nr. 9, in welchem bis 1758 der Prinz 
Heinrich, Bruder Friedrichs des Großen, gewohnt hatte. Hier 
hat der Mann seine letzten Tage verlebt, besten Originalität 
in einem wunderlichen Gemisch von Weisheit und Thorheit 
bestand, den feine Bildung und mancherlei Misten auszeichneten, 
der aber ohne Zweifel ein großer Epikuräer war. Nichts, 
was er geschaffen, hat ihn überdauert, nur sein Name lebt 
durch Friedrichs Gnade fort. So endigt, früher oder später, 
aller Glanz und Ruhm menschlicher Schöpstmgen; und mit 
dieser Betrachtung wollen wir diese Mitteilung aus dem Ge 
biete fiirstlichen Familienlebens im vorigen Jahrhundert endigen. 
Kleine Mitteilungen. 
Der Tod Kriedrirh» de» Großen gab Anlaß ,u einer 
Flugschrift, die uns durch die Güte des Herrn Or. Bsringuier zugestellt 
wurde, und die mit folgendem merkwürdigen „Klagegedicht auf den 
betrübten Hintritt Friedrichs des Unvergeßlichen eingeleitet 
wird: 
„So wagt sich denn des Todes Streich 
Auch an die Mächtigsten auf Erden? 
Und Götter müßen, Menschen gleich, 
Auch endlich seine Beute werden? 
Wer war so groß wie Friederich, 
Der Größte unter allen Brennen? 
Wer war'S, der Ihm, dem Helden, glich? 
Wer kann mir einen Weiser» nennen? 
Wer konnte wohl, mit größerm Recht, 
Den Namen Landesvater führen? 
Wem wird vom menschlichen Geschlecht, 
Wohl größrer Ruhm, als Ihm, gebühren? 
Der größte Mensch, der größte Fürst, 
Der größte Held, dem Du, o Sonne! 
Je schienst und jemals scheinen wirst. 
War Friedrich, Preußens Glück und Wonne. 
Und dieser König ist nicht mehr? 
Die Parze gab den lauten Bitten 
Des treuen Volkes nicht Gehör? 
Sein Lebensfaden ist durchschnitten? 
O traure, klage, wein' um Ihn, 
Du Land, an dem er Großmut übte! — 
Um Ihn, der mehr als Antonin, 
Mehr als Trojan die Menschheit liebte. 
Doch Friedrich Wilhelm lebt: und Du 
Kannst auch durch ihn Dich glücklich wißen. 
Er winkt Dir Trost und Gnade zu, 
Froh kannst Du Seinen Scepter küßen." 
S. M. K. „Anrazono." Die Zeitschrift „Marine-Rundschau" 
(Verlag der Königlichen Hosbuchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn in 
Berlin) veröffentlicht in ihrem neuesten Heft einen Aussatz des Wirklichen 
AdmiralitälSrateS Koch über S. M. S. „Amazone", die als erstes 
preußisches Kriegsschiff die erste Periode unserer Flotte bezeichnet (die 
„Amazone" lief am 24. Juni 1843 vom Stapel). Kaum kann greller der 
gewaltige Unterschied zwischen dieser nur fünfzig Jahre zurückliegenden 
Vergangenheit und unserer heutigen Seemacht beleuchtet werden, als durch 
einen Einblick in die Verhandlungen und Erwägungen, die den Bau und 
die Ausrüstung jenes Kriegsschiffes betrafen. Ebenso befremdlich erscheinen 
die Erörterungen über die Uniformierung der Schiffsbesatzung, und woher 
eine Besatzung zu erhalten sei. DaS OffizierkorpS rekrutierte sich haupt 
sächlich auS dänischen Marine-Offizieren, während die Mannschaft auS 
Navigationsschülern gewonnen wurde. In den Listen der Amazone- 
Besatzung findet sich jedoch eine Reihe von Namen, deren in der Geschichte 
unserer Marine rühmlich gedacht wird. 
Die feiüjerett militärischen Verhältnisse Helgo 
lands. Ueber die militärischen Verhältniße, die in früheren Zeilen auf 
Helgoland gehenscht haben, ist, da an allgemein zugänglichen geschicht 
lichen Aufzeichnungen hierüber wenig vorhanden ist, nicht viel bekannt ge 
worden. Die „Marine-Rundschau" ist indeffen in der Lage, in ihrem soeben 
erschienenen Heft „einiges über die Wehrverhältniffe von Helgoland in 
früheren Zeiten" mitzuteilen. Wir entnehmen daraus, daß die Bewohner 
Helgoland«, trotz des häufigen Besitzwechsels der Insel — sie war in 
ältesten Zeiten in friesischem, dann in herzoglich - schleSwigschem, dänischem 
und englischem und jetzt in preußischem Besitz — nur höchst selten in 
kriegerische Aktionen verwickelt waren, obwohl die Völker des Festlandes 
oft in großen Kriegen begriffen waren. ES ist indeffen anzunehmen, daß 
schon früh die Einrichtung einer Landwehr bestanden hat, die auch später 
unter der Herrschaft Dänemarks von Christian VIII. wieder eingeführt 
wurde. Ueber die Einrichtung der Landwehr giebt die im Wortlaut mit 
geteilte Verordnung Christians VIII. Ausschluß. AIS im Jahre 1807 die 
Insel an England fiel, wurde die Besatzung entwaffnet; die Insel erhielt 
erst wieder eine Garnison, als Helgoland dem preußischen Staate einver 
leibt wurde. 
Hon soll cedit. In der Schrift von Konsistorialrat v. Dalton 
„Zur Geschichte der evangelischen Kirche in Rußland", aus 
der wir in der vorigen Nummer einen Abschnitt brachten, findet sich auch 
eine so vortreffliche Zeichnung der Gesinnung, aus der heraus der Große 
Kurfürst das Edikt von Potsdam der Aufhebung des EdiktS' von 
Nantes entgegensetzte, daß wir es uns nicht versagen können, sie unseren 
Lesern mitzuteilen. Sie lautet: „Zu denen, die ihre eigene Heimat für 
vogelfrei erklärte, war die Kunde gedrungen, daß drüben im fernen Osten 
der Große Kurfürst den Vogel ein Haus wolle finden laßen, die Schwalbe
        
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