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Periodical volume 24. Juni 1893, No. 39.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

'S 461 fr- 
Die Verbreiterung 
des MHlendanlmes und feine Neubauten. 
Von Stadtbau > Inspektor Zetreli. 
(Mit Abbildungen.) 
(Schluß.) 
Der Charakter der Gebäude wurde durch die Beibehaltung 
der durch Rundbögen mit einander verbundenen Lisenen in 
großen Zügen gewahrt, wenn auch statt der kleinen Oeffnuugen 
große Fenster angelegt und die das Hauptgesims krönenden 
Zinnen, die an und für sich schon etwas kleinlich angelegt 
waren, beseitigt und durch größere ersetzt werden mußten. 
Der Turm am Mühlendamm erhält einen reicheren Schmuck 
durch eine große Nische, die über dem Haupteingange mit 
einem Sandstein-Balkon angelegt wird. Ein Majolikafries 
umrahmt sie, und zwischen dem erstenundzweitenStockwerkprangt, 
umgeben von Eichenblättern, das heutige Wappen der Stadt 
Berlin. Das Wappenschild ist dreiteilig und zeigt den 
preußischen und den brandenburgischen Adler und darunter 
den Bären. Oberhalb der Nische ist rechts, auf der Berlinischen 
Seite, das alte Wappen der Stadt Berlin, links, auf der 
Köllnischen Seite, das Wappen der Stadt Kölln, in heraldischen 
Farben angebracht. Fast unverändert ist der schlanke Turm 
am Mühlenwege und der die Flügel verbindende Bogen daselbst 
verblieben, so daß das Malerische, welches der Mühlendamm 
dem Blick von der Kurfürstenbrücke bot, nicht verloren ge 
gangen ist. 
Mit der Ausführung dieses Umbaues ist im Jahre 1891 
begonnen worden. Zunächst war die Front am Mühlendamm, 
welche um ca. 2 m vor der der alten Mühlengebäude vor 
rückte, neu zu gründen, eine Arbeit, die keine sonderlichen 
Schwierigkeiten bereitete, da sich der gute Baugrund in so ge 
ringer Tiefe vorfand, daß von einer Gründung auf Pfahlrost 
abgesehen und eine solche auf Beton gewählt werden konnte. 
Fast gleichzeitig wurde auch mit dem Abbruch der alten süd 
lichen Fronten begonnen. Als die Fundamente für den neuen 
Turm und die drei mächtigen Sandsteinbögen, welche jetzt den 
Verbindungsbau über dem Mittelgerinne tragen, ausgehoben 
wurden, zeigte fich die überraschende und unerfreuliche That- 
fache, daß die Pfähle, auf denen das alte Mauerwerk stand, 
bei weitem nicht die Länge hatten, welche man ihnen bisher 
zuschrieb. Wurde diese Entdeckung zunächst mit Mißtrauen 
aufgenommen, so stellte sich doch bei weiterem Abbruch der 
Fronten am Mittelgerinne, welche ursprünglich erhalten bleiben 
sollten, und nach eingehender Untersuchung heraus, daß an der 
mangelhaften Fundierung nicht mehr zu zweifeln war. 
Offenbar waren beim Neubau der Mühlengebäude in den 
vierziger Jahren die alten Fundamente benutzt und zwischen die 
vorhandenen Pfähle, soweit möglich, neue gerammt worden. 
Diese hatten allerdings eine genügende Länge, sie fanden sich 
aber nur in Entfernungen von 1,5 bis 2 ru und würden nicht 
imstande gewesen sein, den Neubau mit Sicherheit zu tragen, 
umso weniger, als die Sohle der Gerinne, infolge der 
Kanalisierung der Unterspree, um ca. 2 m vertieft werden 
mußte, so daß die älteren Pfähle diese kaum noch erreichten 
und nach der Ausbaggerung jeden Halt verloren hätten. 
Inzwischen waren die Arbeiten an der Südfront schon weit 
vorgeschritten, auch die Spannbögen zwischen den Grundpfeilern 
unter der Kellersohle gesenkt, ferner waren die Eisenkonstruktionen, 
sowie ein Teil der Steinmetzarbeiten vergeben und zum Teil bereits 
in Arbeit und ausgeführt, so daß an ein Aufgeben oder ein 
Aendern des ursprünglichen Planes nicht mehr zu denken war, 
wenn nicht ganz bedeutende Geldmittel vergeblich aufgewendet 
sein sollten. Man fügte fich daher in das Unvermeidliche und 
beschloß die Neufundierung der Fronten am Mittelgerinne, 
und später, als sich dieselbe Wahrnehmungen auch am großen 
Gerinne zeigten, auch der an diesem gelegenen Front. Die 
Das neue Nermaltimgsgot>aude am Mühlondamm. 
Anficht vom Unterstrom.
        
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