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Periodical volume 17. Juni 1893, No. 38.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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«schrecke vor dem Gedanken, mindestens noch ein halbes Jahr, 
vielleicht auch länger den übermütigen Feind hier in Dresden 
als Herrn zu sehen; mich drücki die Schande, daß der Mann, 
welcher unsere Armee durch Verrat enlwaffnele, in unserer 
Mitte ruhig die Flöte bläst, seine Witze macht, als gäbe es 
in Sachsen keine Männer mehr, deren Blut bei solchem Hohne 
aufwallt. Ein rebellischer Vasall ist nicht mehr König zu 
Recht. Der Brandenburger zwingt unsere Soldaten, ihm den 
Eid der Treue zu schwören. Für diesen Schimpf verdient er 
den Tod; hätte ich nur Banditen, ich würde sie auf ihn hetzen. 
Ein Dolchstoß, und Sachsen wäre gerächt, Maria Theresia 
von ihrem Todfeinde erlöst, unser Herr, dem wir Treue ge 
schworen, brauchte nicht nach Warschau zu flüchten und unsere 
Königin würde keine Gefangene mehr sein!" 
„Und wenn die That nicht gelänge, Herr General? 
Dann würde Friedrich einen neuen Vorwand haben, unseren 
nommen hatte, zu Kundschafterdiensten benutzt worden, aber 
man brauchte die Vorsicht, ihn niemals, wenn er nach Dresden 
kam, das Schloß betreten zu lassen. Der Hof der Königin 
sollte nicht kompromittiert werden, wenn die Preußen ihn 
einmal bei seiner Thätigkeit ertappten. Er übermittelte seine 
Nachrichten in der Weise, wie wir oben geschildert, an Toni, 
und empfing in gleicher Art Depeschen für Brühl, ohne daß 
er Toni sah und daß diese ihn kannte. 
Toni war die Getäuschte, sie war Roberts Werkzeug, welche 
Folgen sie bei einer Entdeckung der Sache trafen, war ihm 
gleichgiltig. Robert glich dem Schmetterling, der naschend 
von einer Blume zur anderen fliegt und sich nicht umschaut, 
ob er die Blume knickt, mit der er gekost, der aber auch nicht 
die Absicht gehabt, sie zu brechen. Es war keine verdorbene 
Natur, die mit Bewußtsein Böses thut. Der frivole Charakter 
des Dresdener Hoflebens hatte seiner Eitelkeit und seiner 
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Hof und unser Vaterland zu demütigen. Er würde Beweise 
dafür zu finden wissen, welche den Hof kompromittieren; er 
weiß, daß die Königin ihn tötlich haßt." 
„Die That muß gelingen; man darf sie nur dann ver 
suchen, wenn man des Erfolges sicher ist. Der Mensch, der 
sie wagt, müßte unbedingt zuverlässig sein, das setze ich voraus. 
— Aber ich will Sie zu keinem Wagnis verleiten, das Ihnen 
wenig zusagt, wie es scheint. Ich sprach nur eine Idee aus, 
die mir plötzlich kam. Sie haben vollständig recht, es wäre 
besser, daß nichts geschieht, wodurch der Hof kompromittiert 
werden könnte." 
Der General brach hiermit das Gespräch ab. Robert 
überreichte ihm die Depesche, welche er durch Vermittlung 
Tonis erhalten hatte und Spörken schickte sich an, dieselbe der 
Königin zu überbringen. — 
Seit dem Einnicken der Preußen in Sachsen war Fricci 
vom Grafen Brühl, der ihn mit nach dem Königstein ge- 
Selbstliebe die Färbung gegeben und ihn an eine leichtfertige 
Moral gewöhnt. 
Das Saatkorn des Bösen fällt selten auf unfruchtbaren 
Boden und wuchert, wo es einmal Wurzeln faßt. Es war 
ein verführerischer Gedanke, den Spörken ausgesprochen hatte, 
daß der Tod des einen Mannes der Welt den Frieden wieder 
geben und die alte Ordnung wieder herstellen würde. 
Die Bitterkeit darüber, daß Toni ihn betrogen, die Be 
sorgnis. daß man am Hofe der Königin erfahren könne, wie 
durch sein leichtfertiges Vertrauen, also durch seine Schuld, 
Friedrich in die Lage gekommen, die sächsische Armee gefangen 
zu nehmen, erleichterten dem Versucher das Werk. Robert 
beschloß, Fricci aufzusuchen und mit ihm die Idee des Generals 
zu besprechen. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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