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Periodical volume 27. Mai 1893, No. 35.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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über Rubens und sein Wirken etwas eingehender orientieren wollen, als 
sie es aus LübkeS Handbuch oder einem Lexikon können, mag eS seinen 
Zweck crsüllen. AIS ein solches ist das Buch wohl auch gedacht; dafür 
spricht schon der Name des Verfassers, der weniger als Kunstgelehrter denn 
als populärer Kunstschriststeller bekannt ist. In diesem Sinne können wir 
die Schrift empfehlen. R. M. 
©in cjefttjidjilidjcr Ilüdtldidi auf die Deutsche 
Kalaurfatrau in Afrika unv Melanesien. Von N. v. Engeln 
stedt. Mit einer Karte. Gotha 1892. Verlag von Friedr. Andr. 
Perthes. Preis 1,80 Mk. 
Eine dankenswerte Arbeit. Kurz und klar schildert der Verfasier die 
koloniale Bewegung der letzten 17 Jahre, die allerdings in ihren Haupt 
zügen wohl noch allgemein bekannt, in ihren Einzelheiten aber in unserem 
schnell lebenden Jahrhundert vielen unter uns bereits auS dem Gedächtnis 
entschwunden sein dürfte. Der Mitwelt fällt es ja auch gewöhnlich recht 
schwer, sich einen Gesamtüberblick über die Ereignisse der neuesten Zeit zu 
verschaffen, weil einerseits daS erforderliche Quellenmaterial nicht zur Hand, 
auch nicht zu beschaffen ist, andererseits aber in der Presse täglich zu viel 
geboten wird, um die Uebersicht leicht zu machen. Wir begrüßen es daher 
mit Freuden, daß der Verfasser eS unternommen hat, die deutschen kolo 
nialen Unternehmungen in Afrika und Melanesien auf Grund der offiziellen 
Aktenstücke der kolonialen wie der Tagespresse und privater Berichte zu 
fixieren und so eine kurze chronologische Zusammenstellung der wichtigsten 
Vorkommnisse auf kolonialem Gebiete zu geben. Für Zeitungsschreiber und 
ZeitungSIeser ist das Buch ebenso unentbehrlich wie für den Kolonialfreund. 
K. H. 
Deutsche Frauou, deutsche Treue oder Krau Kürger- 
ruvisteru uan Datheuaru. Vaterländisches Drama von 
Max Bitlrich. Rathenow. Verlag von Max Babenzien. Preis 
1 Mk. 
Man muß es im Interesse des Verfassers der Spreewaldgeschichten 
bedauern, daß er der Versuchung nicht hat widerstehen können, sein nicht 
unbedeutendes Können in den Dienst der dramatischen Muse zu stellen. 
Hier entschuldigt ihn kein Patriotismus oder guter Wille, sondern wir 
müssen auf das nachdrücklichste gegen eine solche Art von Dichtung 
protestieren, die mit Charakteren umspringt, als wären sie Filzhüte, bei denen 
ein Fingerdruck genügt, ihnen Halt und Fayon zu geben. Es verlohnt sich 
nicht, weiter aus das Machwerk einzugehen. Jeder, der märkische Naturen 
kennt, muß sich auflehnen gegen eine solche Verhunzung derselben. R. II. 
Morliu, dorr Sahu dos Teufels. Ein deutsches Epos von 
August Sturm. Gera - llnlermhaus. Verlag von Fr. Eugen 
Köhler. Preis 1,50 Mk. 
ES berührt recht angenehm, wenn einmal wieder einer von den 
zwanziglausend, die in deutscher Sprache jahraus, jahrein dem Gotte der 
Dichtkunst huldigen, sich besinnt, daß es doch eigentlich auch eine gewisse 
deutsche Vergangenheit giebt, die, unserem Volksempfinden noch immer nicht 
entfremdet, einen dankbaren Stoss für den Dichter abgeben kann. Die 
urdeutsäie Merlinsage, die von Richard Wagner mit großem Erfolg in 
seine Götterdämmerung eingeflochten ist, giebt Sturm Veranlassung zu 
seinem Epos; aber im Gegensatz zu Wagner, macht er Merlin zu dem 
Helden seines Gesanges und fetzt dann da, wo die Sage aufhört, mit 
seinem eigenen poetischen Empfinden ein, um den Riesenstoff künstlerisch 
abzurunden. So ist bei ihm Merlin der „Uebermensch" geworden, der auS 
reiner, echt menschlicher Schwäche dem Verhängnis unterliegt, der aber 
auch nachher noch sich durch- und aufringt zu edelstem Wollen, und der 
seine letzte SegenSthat bezahlt mit seinem Leben. In dieser Fassung ist 
Merlin zum echten Vertreter deS deutschen Volkstums geworden, das in 
Baldur, in Roland und in Faust so unvergängliche Blüten seiner dichterischen 
Phantasie erzeugt hat. Sturm hat offenbar eine mehr lyrische als epische 
Begabung; darum sind ihm elementare Gefühlsausbrüche viel besser gelungen 
als die Schilderung des lokalen Hintergrundes, von dem sich seine Gestalten, 
Merlin und der Satan an der Spitze, kraftvoll abheben. Verse wie: 
Und Satan lacht: „O Fluch, dem Wahn entstammt! 
Wer istS, der den Verdammten noch verdammt? 
Du nahmst die Rache, Stolzer, dort im Licht! 
Mein Bruder bist du, König bist du nicht! 
Und ob der Welt vor meinen Thaten graust, 
Ich nehm sie dir mit meiner Teuselsfaust! — 
mögen als ein Beweis dafür dienen, daß wir eine Dichtung vor uns haben, 
an der wir uns wirklich erfreuen können. R. 11. 
Aru Maldseufoo. Roman von Julius Grosse. Dresden und 
Leipzig 1893. Verlag von E. Pirson. 2 Bd. Preis 5 Mk. 
An den schwarzgrünen Walchensee mit seinen waldumschatteten Usern 
und in die ihn umgebende großartige Gebirgslandschaft deS bayerischen 
Oberlandes versetzt uns der bekannte Verfasier durch seinen neuesten Roman. 
Hierher an diesen düsteren, Schwermut atmenden See ist der einstige Re 
dakteur des „armen ThomS," eines sozialistischen Blattes, nach vielen Irr 
fahrten seines agitatorischen Daseins von den Aerzten abgeschoben worden. 
Denn in dieser Abgeschiedenheit glaubt man den Weltverbesserer und 
Volksbeglücker vr. Manfred Burgschmid, daS vermeintliche verkannte Genie, 
sicher. Aber man täuschte sich, denn auch unter den harmlosen Gebirgs 
bewohnern verbreitete er durch seine Flugschriften Unruhe, sodaß er abziehen 
mußte und schließlich in Paris im Wahnsinn ein freiwilliges Ende fand. Den 
Untergang einer Menschennatur in der modernen Gesellschaftsordnung, die 
Seelenkämpfe einer lieblichen Mädchengestalt, welche Manfred liebt, aber 
schließlich ihre hoffnungslose Neigung zu dem Wahnsinnigen aufzieht, hat der 
Verfasser vorzüglich zur Darstellung gebracht. Ebenso klar gezeichnet sind die 
Charaktere des seiner Freisinns wegen entlasienen RegierungSrateS Maurer 
und der Gräfin v. Windisch, eines abenteuerlustigen, von seinem Gemahl 
getrennt lebenden jungen WeibeS. A. 11. 
Aus dem Sageufctsat; der Harxlaude von F. Günther. 
Illustrationen von H. Mittag. Hannooer-Linden 1892. Verlag von 
Manz & Lange. Preis 5 Mk. 
Der durch mancherlei Schriften als Harzforscher rühmlichst bekannte 
Verfasser bietet allen Bewohnern und den zahlreichen Besuchern deS Harzes 
eine den ganzen Harz umfassende Sagensammlung, wie sie die deutsche 
Litteratur bisher noch nicht geboten hat, obwohl gerade der Harz wohl das 
am meisten besuchte Gebirge Deutschlands ist. Aus dem reichen Material 
hat der Herausgeber mit großem Geschick das Schönste und Beste aus 
gewählt und namentlich alle Gespenstergeschichten, alle der Geschichte geradezu 
widersprechenden Sagen, alle sagenhaften Züge und alles ausgeschlossen, 
was nicht auch für die Jugend geeignet ist. Wie er jede Ausschmückung 
der Sagen verwirft, so hält er sich auch von dem andern ebenso verwerf 
lichen Gegensatze fern, in Satzbau und Ausdrucksweise den Köhler oder 
Brennerknecht nachahmen zu wollen: er bemüht sich vielmehr, und zwar 
mit anerkennenswertem Erfolg, die unverfälschte Sage in einfacher, ver 
ständlicher Sprache zu erzählen. Das Vorwort enthält einen sehr 
interessanten, lehrreichen Ueberblick über die gesamte, für die Sagen 
forschung deS Harzes in Betracht kommende Litteratur. Die stimmungs 
vollen Abbildungen sind von einem talentvollen jungen Künstler, Heinrich 
Mittag, entworfen. Das äußere Gewanv deS Buches ist, dem Inhalt an 
gemessen, ebenso geschmackvoll wie gediegen. Ün. 
Kriefkasten. 
Cst K. in Derliu. Für Ihre freundliche Berichtigung vielen 
Dank! Mit Vergnügen nehmen wir hier davon Notiz, daß sich in dem 
Artikel „Die neue Orgel in der Sophienkirche" (S. 131) die irrtümliche 
Angabe findet, der Altar sei „massiv in Gold", daß derselbe vielmehr aus 
Marmor, daS Altarkreuz aus echter Bronze hergestellt ist. Weitere 
Mitteilungen über die Sophienkirche und deren Altar finden sich S. 286 
und 287. 
Kollektion Hartleben. Vierzehntäzig wird ein Band ausgegeben 
Preis des Bandes eleg. geb. 75 Pf. Pränumeration für ein Jahr 
(26 Bände) 19 Mk. (A. HartlebenS Verlag, Wien.) ES liegen uns in 
den Bänden 14 bis 17 der „Kollektion Hartleben" vier neue Romane vor. 
Der unvergleichliche Thackeray, der ewig junge Dumas (Sohn), Maquet 
und Turgenjew sind Autoren, deren Namen wohl für die Gediegenheit des 
Inhaltes bürgen. Wenn man berechnet, welche Summen man im Laufe 
einer Jahres für Handschuhe, Kravatten, Toilette-Artikel und Vergnügungen 
auSgiebt, und wie verhältnismäßig geringfügig die Beträge sind, die wir 
für gute Lektüre — unser Haupr-Bildungsmittel — verwenden, so erscheint 
es fast unbegreiflich, wie die VerlagS-Buchhandlung Hartleben gediegene 
Romane in schönen, angenehm lesbaren Ausgaben zu einem so fabelhaft 
billigen Preise bieten kann, daß der elegant englische Leinenband mit Gold 
druck kaum damit bezahlt erscheint. Aber es ist eben die Parole deS 
litterarischen Marktes unserer Tage, für wenig Geld viel Gutes zu liefern, 
und wir wünschen, daß die so erfolgreich eingeführte „Kollektion Hartleben", 
von dem Bücher kaufenden Publikum auch weiter protegiert werde und 
immer mehr Anhänger finden möge. Der Prospekt des ersten Jahrganges 
der „Kollektion Hartleben" (26 Bände) umfaßt folgenden Inhalt: Bd. I 
bis IV Carlen, Der Vormund. — V und VI. Dumas, So sei es. — 
VH und VIII. Sue, Miß Mary. — IX. Jokai, Die weiße Rose. — 
X. Sand, Die kleine Fädelte. (Die Grille.) — XI. und XU. Mügge, 
Verloren und gefunden. — XIII nnd XIV. Thackeray, Die Geschichte 
Heinrich Etmonds. — XV. Turgenjew, Frühlingsfluten. — XVI. Maquet, 
Liebe und Verrat. — XVII—XIX. Dumas 'Sohn, Roman aus dem Leben 
einer Frau. — XX. Feval, Der schwarze Bettler. — XXI und XXII. 
Sandeau, Valcreuse, — XXIII. und XXIV. Berthet, Der Wolfsmensch. 
— XXV und XXVI. AinSworth, Der Verschwender. 
Jul) ult: Verrat und Treue. Historischer Roman auS der 
Zeit des 7jährigen Krieges. Von E. H. von Dedenroth (Fortsetzung). 
Noch einmal die Rettung deS PalaiS des Prinzen von Preußen 
im März 1848. Von Richard George. Die Schloßfreiheit. Ein 
Berliner Märchen von Gustav Heinrich Schneideck. Aus dem fürstlichen 
Familienleben deS vorigen Jahrhunderts. Von Heinrich 
Wagner. — Kleine Mitteilungen: Karikaturen auf Napoleon I. (mit 
3 Abbildungen). Meydinger - Schreinersche Stiftung. — VereinS-Nach- 
richten. — Briefkasten. — Büchertisch. — Anzeigen. 
Für die Redaktion verantwortlich: Richard George in Berlin X. 4, Chausieestr. 2ä (Sprechstunden DienSlagS und Freitags nachmittags von 3—4 Uhr). 
Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist untersagt. 
Verlag: Fr. Zillessen, Berlin X., Schönhauser Allee 141. — Druck: Buchdruckerei Gutenberg, Berlin X., Schönhauser Allee 141».
        
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