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Periodical volume 6. Mai 1893, No. 32.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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preußischen Armee, in welcher er an den Feldzügen am Rhein, 
in Ungarn, in den Niederlanden, in Italien und Pommern 
teilnahm. 1693 wurde er Major des Anhaltischen Regiments zu 
Pferde in Brüssel, 1704 Oberst, 21. Januar 1710 Brigadier von 
der Kavallerie beim Major Albrechtschen Regiment, 12. Mai 1713 
General-Major. 28. Mai 172 l General-Lieutenant, nachdem 
er 1717 das nach ihm genannte Regiment v. Wuthenau er 
halten hatte. Er zeichnete sich 1707 im Treffen bei Neer 
winden, 1708 bei der Belagerung von Lille, Gent. in der 
Schlacht bei Qudenarde, 1709 bei der Belagerung von Turin, 
in der Schlacht bei Malplaquet und bei der Belagerung von 
Mons, 1715 bei der Landung auf Rügen besonders aus. 
König Friedrich Wilhelm I. ließ keine Gelegenheit zur 
Bildung neuer Regimenter unbenutzt. Seit 1716 waren Ver 
handlungen mit August II. von Sachsen und Polen geführt 
worden. Letzterer, in Geldverlegenheit, sah sich genötigt, eine 
Anzahl seiner kostspieligen Regimenter aufzulösen, indes war 
er ihnen durch Kapitulation verpflichtet, so daß die Auflösung 
nicht ohne weiteres erfolgen konnte. Der preußische Gesandte 
am Dresdener Hofe leitete die ersten Schritte ein, und so über 
nahm Heinrich Jordan v. Wuthenau am 1. Mai 1717 im 
Städtchen Baruth 780 ganz zerlumpte und abgeriffene sächsische 
Kürassiere und Dragoner und wählte aus ihnen zur Bildung 
des ihm verliehenen Dragoner-Regiments 600 Mann aus, für 
deren Montierung und gleichmäßige Pferdeausrüstung er vom 
ersten Tage an mit Aufwendung seines Vermögens sorgte. 
Der König schreibt: „Unsere intention ging dahin, daß be 
sagtes Rgt. aus 4 Esquadronen und jegliche solcher Esquadrons 
aus 6 Ober-Officiers, 12 Unter-Officiers, 4 Tambours und 
150 Dragonern bestehen müsse. Wir find auch nebenbei ge 
neigt, solch Rgt. 20 Jahre lang in Unsern Dienst zu behalten 
und aus solchen Fuß, wenn es darin zur Richtigkeit kommt, 
die Capitulation einrichten zu lassen. Welches alles ihr zu 
hinterbringen und von weiterem Fortgang dieses negotii an 
uns zu berichten, auch den Punkt wegen der von uns ver 
langten 800 Mann Recruten bereits zu pousfiren habt." 
In einer späteren Kabinetts-Ordre vom 9. April 1717 heißt 
es: „Wir geben Euch hiermit in Gnaden zu wissen, was 
maßen Wir zur Belohnung der Uns von Euch bisanhero mit 
nicht geringem Eiffer als Tapferkeit geleisteter rühmlicher 
Dienste, auch aus allergnädigster zu euch tragender confidenz 
schlüssig worden, euch ein Regiment Dragoner auf Fuss für 
unsere übrige Regimenter Dragoner in Gnaden zu vertrauen 
und zu conferiren. Wie und auf Was Weise solch Regiment 
zusammen zu setzen und formiret werden soll, darüber wollen 
Wir euch unsere resolutiones mit Nächstem wissen lassen." 
— v. Wuthenaus Dankschreiben vom 20. April 1717 lautet: 
„Anfänglich sage ich Sr. Majestät allerunterthänigsten Dank, 
daß Sie mir ein Eigen Regiment mit der Capitulation gleich 
andern Regimentern Dragoner allergnädigst conferiret. Ich 
bin verpflichtet, meinem Könige biß an mein Ende zu dienen 
— Randbemerkung des Königs: Solange ich lebbe, soll das 
Regiment stehen —. Weilen ich aber alt und zeitwehrender 
Dienste viel zugesetzet, so lebe der Hoffnung, daferner Seiner 
Majestät mit diesem Regiment dermahleins einige Aenderung 
treffen möchte, dieselben würden auf solchen Fall dero alten 
Knecht nicht hülflos lassen. 1. wird allerunterthänigst gebeten, 
alsweilen das Regiment aus fremden Leuten und Offizierer 
komponiret wird, und doch einige Zeit von Nöthen, daß diese 
Leute ihre Officiers und die Officierer ihre Leuthe kennen 
lernen, auch die meisten Mondirungsstücke nach hier im Lande 
theils müssen bestellt, theils angeschafft werden, ob nicht das 
Regiment noch 2 vollkommene Monathe hier im Lande bleiben 
könnte? — Randb. des Königs: Ja, bis den 1. augustü 
in die teltoische Stette. — 2. auch ist unterthänigst zu ver 
nehmen, wer das Obergewehr anschaffen soll? — Randb.: 
Ich gebe das vom Albertffchen Regiment. — 3. auch ob Sr. 
Majestät die Fähnlein, Pauken und Paukensahnen aller 
gnädigst gratis zu reichen gesonnen? — Randb.: Ja. — 
4. Wenn unter denen sämmtlichen Mondirungsstückcn indem 
Alles sehr genau gesetzet, nicht vor das Geld zu bekommen 
wäre, wie man sich darinnen zu verhalten? 5. Wenn und 
an welchem Orte die Leute zu empfangen, damit man gleich 
wohl vorhero bedacht sein könnte, sowohl einige Ober- als 
Unterosficiers bei der Hand zu haben, die inmittelst Acht auf 
die Leute haben könnten. — Randb.: nit. — 6. ob dem 
Kommandeur des Regiments nicht frey stehe, alle die Mon 
dirungsstücke an denen Orten zu bestellen, wo er es am besten 
finden könne? — Randb.: Ja, aber in meine Stette. — 7. 
da auch dem Capitain neunmonatliche vacante Fourage voll 
kommen zur Mondirung gleich mit angeschlagen und doch das 
Regiment auch um die Zeit an Pferden komplett sein soll; 
als werden Sr. König!. Majestät allergnädigst gebeten, über 
die 9 Monathe noch 1 Monath zur Anschaffung der Pferde 
allergnädigst vergönnen. — Randb.: Vom 1. Mai sollen 
komplett gehalten werden und umb den 1. Mertz 1718 muß 
alles fix und fertig sein. — 8. Letzlich so werden Ew. Majestät 
allergnädigst belieben, mir ein Maaß und Modell der Pferde 
zu geben, auch dabei ordiniren, ob man sich an eine Farbe 
halten soll? — Randb.: wie mir scheint Pferdt vor 50 Thlr." — 
Am 22. April erfolgte folgende Ordre: „Wir finden Aller 
gnädigst guth, daß ihr die vor Uns aus Sachsen kommenden 
780 demontirte Reuther den 1. bevorstehenden Monaths May 
entweder zu.Baruth oder zu Luckau in Empfang nehmet, um 
mit selbige nach den von mir destinirte Städte Mittenwalde, 
Zossen, Treuenbrietzen und Teltow zu marschiren. So solches 
geschehen, habt ihr die Tüchtigste von denselben auszusuchen 
und sie unter dem von euch zu formirenden Regiment zu 
nehmen und wollen wir demnächst wegen der übrigen und, 
wie es mit denselben zu halten, euch Unsere allergnädigste 
fernere Jntentiones wissen lassen." 
Nach der Tradition hat König Friedrich Wilhelm dem 
polnischen Könige, dem prachtliebenden Sammler von Kostbar- 
ketten und Raritäten, als Preis für die überlassenen Truppen 
ein wertvolles Bernstein- und Porzellan-Kabinett verehrt. 
Thatsächlich sind zu jener Zeit von Berlin aus Porzellan- 
Vasen an den sächsischen Hof abgegangen, die noch im 
Dresdener Johanneum nachweisbar vorhanden sind. Ferner 
wird in den Erläuterungen zu dem Oelgemälde — die 
Uniform des Regiments 1786 darstellend —, welches Friedrich 
Wilhelm HI. dem Regiments am 18. April 1840 verlieh, 
eines solchen Geschenkes Erwähnung gethan. Auch schreibt 
Friedrich II. in seiner Bistoire äs Brandebourg: il (le 
roi Frederic Guillaume I.) troqua douze pots du japon 
contre un regiment de dragons, que le roi de Pologne 
voulait licencier. Le colonel Wense le reynt et on 
l’apella depuis le regiment de porcelaine. 
Nach der oben erwähnten Uebergabe bildete v. Wuthenau
        
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