Path:
Periodical volume 6. Mai 1893, No. 32.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

« 381 &— 
sie bei einer herrschenden schweren Krankheit unversehrt ge 
blieben waren. So entstanden die heiligen Orden der 
Johanniter, Marianer und Templer, zwischen welchen vielfach 
Freundschaft und gegenseitiger Verkehr stattfand. Zuletzt kam 
die Sache vor Kaiser Heinrich und vor Papst Cölestin HI., 
welche kraft höchster Autorität die Orden bestätigten. Es lagen 
damals nicht wenige Ritter an Malariafieber und Pest krank, 
und ihre Pflege ward den frommen Brüdern aufgetragen. 
Diese kauften, die dringende Notwendigkeit eines solchen Liebes 
werkes einsehend, einen großen Garten in gesunder Lage und 
ließen es an nichts Zweckmäßigem mangeln. Unter ihnen 
verdiente sich als Krankenpfleger Heinrich Walpath ganz be 
sonderes Lob; ihn erwählte man daher auf gemeinsamen Beschluß 
zum Vorsteher jenes Hospitals. In dem Maße, als die Be 
wunderung für seinen Eifer und 
für seine Redlichkeit wuchs, und 
man Walpath sich in einem Leben 
voller Heiligkeit der weltlichen, oft 
so dornenvollen Gelüste entschlagen 
sah, nahm auch die Neigung, sich 
dem frommen Wirkungskreise ganz 
zu widmen, zu. Solchen Bei 
spielen folgend, traten bald noch 
mehr Ritter in die Gesellschaft ein. 
Kreuzritter wurden sie genannt 
nach dem Zeichen des von ihnen 
getragenen Kreuzes. Nachdem 
König Balduin von diesen gott 
seligen Bestrebungen, die allein 
auf Krankenpflege abzielten, 
Kenntnis erhalten hatte, räumte er 
ihnen noch andere Gotteshäuser 
ein, in denen sie ihnen zu teil 
werdende fromme Gaben annehmen 
durften. Aber dies nur kurz 
andauernde Glück fand sein^Ende 
in der ungerechten Gewaltthätig 
keit der Saracenen. Durchs diese 
vom Boden Palästinas vertrieben, 
wandten sich die Marianer nach 
Italien, insbesondere nach 
Venedig und Neapel, später nach 
Marienburg in Preußen, 
und von hier wieder weiter wandernd, schlugen sie zu Maricn- 
thal in Franken ihren Wohnsitz auf. Hieher gehören heut 
noch viele Komture, die auf weiten Besitzungen in Franken, 
Hessen, Sachsen und anderwärts am Rhein und Main 
glänzend leben. Nur Deutsche von Adel werden in diesen 
Orden aufgenommen, der stets bereit sein soll, gegen des 
allerheiligsten Kreuzes Feinde zu kämpfen. Ihr Kleid ist ein 
weißer Mantel mit darauf befindlichem schwarzen Kreuze. 
Den Bart ließen alle die wachsen, welche nicht zugleich priester- 
liche Funktionen ausübten. Das Vaterunser hatten sie zu 
allen kanonischen Stunden zu beten. In den Wissenschaften 
blieben sie ungelehrt, als solche, die nur den Waffendienst zu 
Lande und zur See kennen sollten. 
Die Johanniter führten den Namen von Johannes dem 
Täufer. Als die Saracenenmacht ins Unermeßliche stieg und 
schwer auf der Christenwelt lastete, schlossen sich sehr viele 
Kerrrrtph glmrircm tum Muthortair. 
Nach einem Gemälde i» Schlosse zu Groß-Paschleben. 
Ritter, um Proben der Tapferkeit abzulegen, dieser heiligen 
Miliz an. Von mächtigen Fürsten unterstützt, eroberte die 
selbe Rhodus im Jahre 1310; sie har es mit männlichem 
Mute bis 1522 behauptet. Soliman weichend, erhielten sie 
als ein Geschenk Karls V. Malta, in dem sie sich durch Kunst 
und zahlreiche Mannschaft fest behaupten. Diese tragen auf 
schwarzem Mantel ein schneeweißes Kreuz. 
Die Tempelherren, deren Orden noch 1308 in Branden 
burg bestand, häuften, über ganz Europa zerstreut, durch 
königliche und fürstliche Freigebigkeit und vermöge des sie um 
gebenden Tugendscheines, unermeßliche Reichtümer an, deren 
Besitz sie so kühn machte, daß sie weder an die Religion, 
noch an Gehorsam gegen die Gesetze sich banden. Sie scheuten 
sich nicht, ein lasterhaftes Leben in verschwenderischem Prunk, 
ohne Unterschied zwischen Ehrbar 
keit und Schande, zu führen; ja, 
sie verspotteten offen das Christen 
tum und gingen soweit, dasselbe 
durch ihre Blasphemien zu 
schmähen und zu beleidigen. So 
einer wilden Zuchtlosigkeit in die 
Arme geworfen, begannen sie aller 
orten die saracenische Tyrannei zu 
begünstigen. Man glaubte, sie 
verrieten den Mohamedanern alle 
Geheimnisse der Christenheit, und 
es verbreitete sich die nicht immer 
grundlose Furcht, sie möchten im 
Kriegsfälle zu diesen übergehen. 
Auf Veranlassung des Papstes 
Nikolaus erging 1311 eine ge 
heime Aufforderung an alle Könige, 
sie zu ein und derselben nächt 
lichen Stunde ohne Ausnahme 
jämmerlich töten zu lassen. 
Einer von diesen Rittern, der ein 
Gerechter war, rief dabei aus: 
Auf Grund so grauenhafter Unbill 
appelliere ich als Flehender an 
das Gericht Jesu Christi. 
(Fortsetzung folgt.) 
Gründung eines preußischen Regiments durch 
Heinrich Aordirn v. Muthenau. 
Bon Dr. Gec-r-g Scsirnidt. 
(Mit Abbildung). 
Heinrich Jordan v. Wuthenau. Sohn des Friedrich auf 
Trebbichau. Cösitz (Anhalt) und Weidenfeld (Stift Ellwangen) 
und der Agnes Armgard v. Werdensleben aus dem Hause 
Brumby, entstammte der alt-havelländischen. 1594 durch den 
Ankauf von Groß-Paschleben nach Anhalt verpflanzten Familie 
v. Wuthenau, deren erster urkundlich bekannt gewordener 
Stammvater, Nikolaus de Wtonowe, in einer zu Plauen aus 
gestellten Urkunde der Markgrafen von Brandenburg genannt 
wird.*) Geboren 1650, diente er von Jugend auf in der 
*) Die Familien-Geschichte, nach deren Manuskript der vorliegende 
Aufsatz zusammengestellt ist, erscheint in unmittelbar nächster Zeit im 
Verlag von Stargard in Berlin; cf. Bernhard v. Bärensprung. Geschichte 
des weftpreußischen Kürassier-Regiments Nr. 5. Berlin bei Mittler 1878.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.