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Periodical volume 29. April 1893, No. 31.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

—s 372 
Kleine Mitteilungen 
Das Kaiser Friedriri, - Denkrrrai vor Märtis. 
Am 6. August 1895 wird ein Vierteljahrhunderl verflossen sein, seil Kron 
prinz Friedrich Wilhelm an der Spitze der zur III. Armee vereinigten 
preußischen, badischen, württembergischen und bayrischen Truppen bei 
Wörth über den französischen Erbfeind den ersten großen Erfolg errang. 
An demselben Tage wird das Reiterstandbild des kaiserlichen Helden und 
Dulders, entworfen und modelliert von Map Baumbach, einem talent 
vollen Schüler von Reinhold Begas, auf dem blutgetränkten Ehrenfelde 
— etwa in der Milte zwischen Wörth und Dieffenbach — enthüllt werden. 
Unser Bild auf S. 865 zeigt uns den Kronprinzen in feldmäßiger Aus 
rüstung im Infanterie - Waffenrock, hohen Stiefeln und Feldmütze. Sein 
Auge blickt über daS Schlachtfeld. Die Rechte weist nach Fröfchweiler, 
wie um die Truppen zur Einnahme dieses Fleckens und so zur Vollendung 
des Sieges anzuspornen. Der Sieger pariert sein Roß auf einer Fels- 
kuppe, welche den Eindruck erwecken soll, als sei sie die natürliche Krönung 
des weltgeschichtlich merkwürdigen Plateaus, von dem aus der Kronprinz 
den männermordenden Streit leitete. Dieser Gedanke erscheint un§ überaus 
glücklich; rüst er doch in dem Beschauer aus? lebhafteste die Erinnerung 
an jene wellhiitorische That wach. Auf der Vordeiseite deS PiedestalS 
reichen sich zwei markige Kriegergestalten die Hände: die Personifikationen 
von Norddeutschland (mit dem sächsischen Wappenschild) und Süddeutschland 
(mit dem bayrischen Löwen). Hinter ihnen steht dar Wappenschild von 
Elsaß-Lothringen, über dem sich schirmend der deutsche Aar ausbreitet. Der 
felsige Unterbau (aus dunkelrotem elsässischen Sandstein) ist 7 m hoch, 
die Reiterfigur, die wie das Rotz aus Bronze gegossen wirb, 5*4 m hoch. 
An Originalität oer Koniposition, Kraft der Auffassung und populärer 
Darstellungsform dürsten sich nur wenige Denkmäler mit dieser Schöpfung 
des noch jungen Bildhauers messen können. R. G. 
Die Königin Kuiso erscheint auf dem Gemälde von Kanne 
gießer, das wir auf S. 368 in einer Reproduktion wiedergeben, in all 
ihrer körperlichen Schönheit und königlichen Majestät, die sich bei ihr so 
herrlich mit lieblicher Frauenwürde eint. Ihre hohe Gestalt wird von 
einem Gewände eingehüllt, nach griechischer Art, das sich in damaliger 
Zeit großer Beliebtheit erfreute; dasselbe ist einfach und schlicht von weichem 
Stoffe, dessen Grund durch hmeingestickte verstreute Blumen belebt wird. 
Von der Schulter wallt oer Hermelinmantel herab. Nur wenig Schmuck 
sachen zieren die Königin. Auf dem Haupte strahlt dar Diadem, um den 
schönen Hais schlingt sich jene Perlenschnur, von der sie einmal sagte: „Ich 
liebe sie sehr und habe sie zurückbehalten, als es darauf ankam, meine 
Brillanten herzugeben. Sie paffen besser für mich, denn sie bedeuten 
Thränen, und ich habe deren jo viele vergossen." 
„Itnsor Frilz" als Protektor. In den fechSziger Jahren 
wandte sich ein kleiner Knabe aus einer alten Militärfamilie an den hoch- 
feligen Kaiser Friedrich und bat denselben, seine Aufnahme in daS 
Kadettenkorps, um die sich bereits seine Mama bemüht hatte, aber eines 
wichtigen Grundes wegen abschlägig bescknedcn war, dockt ermöglichen zu 
wollen. Der Vater der Kindes, von dessen Brief an den Prinzen die 
Mutter keine Ahnung hatte, hatte nämlich, weil er sich im Avancement 
übergangen glaubte, seinem Leben durch Erschießen ein Ziel gesetzt. Der 
kindliche Brief, der dem Knaben von keinem Erwachsenen diktiert sein 
konnte, verschaffte ihm beim Thronfolger eine Audienz, die ihn zu seinem 
Ziel führte. Allerdings nicht sogleich geschah dies; da aber eingezogene 
Erkundigungen über den ehrgeizigen Selbstmörder nur Günstiger ergaben, 
so Halle der Kronprinz den Kleinen mit den Worten: „Na, ich will mal 
sehen, was mein Papa König für Dich thun kann," entlassen. Die Mutter 
des jungen Selbsthelfers war nicht wenig erstaunt, als sie eines schönen 
Tages einen Brief erhielt, der eigentlich an ihr Söhnchen gerichtet war 
und folgendermaßen lautete: 
„Mein kleiner Freund! 
„Mein Papa, der König von Preußen, Wilhelm, hat meine Bitte 
erhört. In einigen Tagen wirst Du erfahren, wann Du Dich im 
Kadettenkorps zur Aufnahmeprüfung zu melden hast. Bis dahin sei 
recht fleißig, damit Du die Prüfung auch bestehst. 
ES grüßt Dich Dein großer Freund 
Friedrich Wilhelm, Kronprinz. 
Nach einem halben Jahre absolvierte der unternehmende Knabe daS 
Examen, und wie als Kadett, so später auch als Offizier erfreute sich der 
Halbvcrwaiste stets der Teilnahme des Thronfolgers. Da er von Haufe 
auS unbemittelt war, unterstützte ihn der Kronprinz auch pekuniär. 
21, 21. 
KLcherttsch. 
Gskar Jägers Meltgesrt)iäito in vier Bänden. Wohlfeile 
Lieferungsausgabe 1893. Mil 1014 authentischen Abbildungen und 
80 Tafeln in Schwarz und Buntdruck, Erscheint in 64 Lieferungen 
ü 60 Pf. Wöchentlich eine Lieferung. Verlag von Velhagen und 
Klasing in Bielefeld und Leipzig. 
OSkar Jägers Weltgeschichte ist daS erste neuere universalhistorische 
Werk, welches sich in den Büchereien der deutschen HauseS eine wirkliche 
Heimstätte errungen hat. Bei seinem ersten Erscheinen im Jahre 1887 von 
der Kritik, wie von der gebildeten Laienwelt mit gleicher Anerkennung und 
Auszeichnung begrüßt, ist das Werk seither in immer wachsendem Maße zu 
einem Lieblingsbuch der Gebildeten unseres Volkes geworden. 
Die neue wohlseile Lieferungsausgabe soll daS treffliche Buch noch 
weiteren Kreisen zugänglich machen, sie soll eS auch dem Minderbegüterten 
ermöglichen, sei eS zum eigenen Studium, sei er zur Fortbildung der 
heranwachsenden Söhne und Töchter, ein Buch zu erwerben, das wie kaum 
ein zweiter geeignet sein dürfte, daS Verständnis für die großen Lehren der 
Geschichte zu erwecken, daS mit gründlicher Geviegenheit eine allgemein 
verständliche Darstellungsweise verbindet, und dar in bisher unerreichter 
Vielseitigkeit die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung durch einen 
sorgsam ausgewählten Bilderschmuck, von dem wir auf S. 369 eine Probe 
bringen, erläutert. 
Durchsichtig, klar in seiner Schreibweise, die sich von allem phrasen 
haften Beiwerk völlig frei hält, weiß der Verfasser trotz des verhältnis 
mäßig knappen Raumes, auf den er angewiesen war, nicht nur alles 
Wichtige, Unentbehrliche in feine Darstellung einzufügen, er versteht auch 
die, für jedes populäre Buch unentbehrliche Kunst, überall das Jntereffanteste 
hervorzuheben. Daher ist seine Weltgeschichte nicht allein ein überaus be 
lehrendes Buch, sondern auch ein überaus unterhaltendes, ES giebt sich 
nicht als eine trockene Zusammenstellung geschichtlicher Thaten, sondern es 
entrollt eine fortlaufende Reihe großangelegter Bilder, in denen das 
Werden, Wachsen und Vergehen der Staaten, daS Emporkommen, die Blüte 
und der Verfall der Völker in fesselndster Weise geschildert wird. 
Wenn die Jägersche Weltgeschichte eine Ehrenstelle in der Bibliothek 
deS Gelehrten beanspruchen kann, so ist sie ebenso ein Familienbuch, das 
in dem schlichten Bücherschrank der Bürgers recht eigentlich am Platze ist. 
Gerade hier wird sie ihre schönste und höchste Aufgabe erfüllen, neben der 
Verbreitung positiver Kenntnisse den historischen Blick unseres Volkes zu 
erwecken. —i— 
Dorr grroHe Kaiforr irrr doutlcthorr Lied. Ein Gedenkbuch 
für Schule und Haus. Von Paul Grotowsky. Leipzig, Deutscher 
Verlag (Gerhard Werner.) Preis 2,60 Mk., geb. 3,50 Mk. 
Kaiser Wilhelm I. wird im Herzen der deutschen Nation und in 
ihren Liedern neben Karl dem Großen und Friedrich Barbarossa fortleben. 
Er war daher ein dankenswertes Unternehmen, in einer ziemlich um 
fassenden Sammlung dem deutschen Volke ein poetischer Gedenkbuch darzu 
bringen, welches von dem großen Kaiser in Gedichten erzählt, welche die 
Mitwelt in ihren hervorragendsten Vertretern bei seinen Lebzeiten und 
kurz nach feinem Tode zu seinem Preise gesungen hat. Die Sammlung 
ist dem großen Kanzler des großen Kaisers gewidmet, der seines kaiserlichen 
Herrn höchste Huld genoß und in höchster Liebe und Verehrung an dem 
Heimgegangenen Monarchen hing, — rr— 
Dorrräitigung. In Nr. 34, Jahrgang XVIII, des „Bär" 
findet sich in dem Artikel über „Stadt und Burg Ziesar" von Heinrich 
Schütz am Schluffe folgender Paffus: 
„Jetzt ist Ziesar ein stilles Landstädtchen von etwa 3000 Einwohnern 
und außer seinem Schlöffe erinnert nichts mehr an die Zeit, wo eS noch 
bischöfliche Residenz war. Letzteres ist auch in Prioathände übergegangen 
und befindet sich arg im Verfall. Der schlanke Rundturm, die Haupt 
zierde der Ruine, dient einer Stärkefabrik als Schornstein. So vergeht 
die Herrlichkeit der Welt." 
Wir entsprechen gern der an unS ergangenen Bitte, diesen PaffuS 
dahin zu berichtigen bezw. zu erklären, daß mit demselben nur hat gesagt 
werden sollen, daS bischöfliche Schloß sei seiner ursprünglichen Bestimmung 
entfremdet, befinde sich jetzt in Privaihänden, und ein Turm des Schlaffes 
diene nunmehr einer Stärkefabrik als Schornstein. Der bedeutende Wert 
des Besitztums, die geeignete Verwendung der Burg zu teils herrschaftlichen, 
teils industriellen Zwecken, die der gegenwärtigen Bestimmung entsprechende 
sorgsame Instandhaltung derselben u. s. w. hat damit nicht im geringsten 
beanstandet werden sollen. Die Notiz war vielmehr rein historischer Art 
und hatte die Thatsache zu ihrer Voraussetzung, daß bischöfliche Paläste 
und Burgen nicht zur Benutzung für industrielle Zwecke erbaut werden. 
Die Redaktion deS „Bär". 
Inhalt: Verrat und Treue. Historischer Roman aus der 
Zeit des 7jährigen Krieges. Von E. H. von Dedenroth (Fortsetzung); 
Fragment aus LeutingerS Topographia2tarchiae. Uebertragung 
auS dem lateinischen Urtext von Dr. Carl Bolle (Fortsetzung); Das Dorf 
Großlübbenau. Von P. Fahlisch (Schluß); Der Schiffbauerdamm 
und seine Umgebung. Von Ferdinand Meyer. — Kleine Mittei 
lungen: Das Kaiser Friedrich-Denkmal bei Wörth (mit Abbildung). Die 
Königin Luise (mit Abbildung). „Unser Fritz" als Protektor. — Bücher 
tisch. — Anzeigen. 
Für die Redaktion verantwortlich: Richard George in Berlins. 4, Chauffeestr. 2ck (Sprechstunden Dienstags und Freitags nachmittags von 3—4 Uhr). 
Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist untersagt. 
Verlag: Fr. ZiIIessen, Berlin X., Schönhauser Allee 141, — Druck: vuchdruckerei Gutenberg, Berlin X., Schönhauser Allee 141a.
        
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