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Periodical volume 29. April 1893, No. 31.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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diese, nachdem sie wiederholt über Bredows Haupt dahin 
galoppiert waren, unverrichteter Sache abziehen mußten. 
General von Bredow hat nach dieser Hatz nur noch zwei 
Jahre gelebt. Der damalige Pastor Großlübbenaus, Diakonus 
Jenichen zu Lübbenau, trug aus Anlaß des Ablebens dieses 
Mannes folgende Mitteilung in das Kirchenbuch ein: „Den 
25. Sept. 1761 ist nach göttlichem Rath und Willen der 
Hochwohlgeborene Herr, Herr Carl Wilhelm von Bredow, 
Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Großlübbenau und Bisch 
dorff, Sr. König!. Mas. in Preußen Hochbestallter Herr 
General-Major und Obristen über ein Regiment zu Fuß, 
Kommandant der Festung Stettin, wie auch Riiter des Ordens 
pour le merite etc., zu Cottbus in einem Alter von achtzig 
Jahren aus dieser mühseligen Zeit in die frohe Ewigkeit ver 
setzet worden. Dessen entseelter Körper den 1. Oktober mit 
einer Leichenpredigt und Abdankung in sein Erbbegräbnis zu 
Großlübbenau zur Ruhe gebracht wurde. Der Herr verleihe 
ihm dieselbe bis an den jüngsten Tag, erquicke seine Seele 
im Himmel und vereinige sie wieder mit ihrem Leibe zum 
ewigen Leben. Tröste aber auch die hinterlassene, schmerzlich 
betrübte Frau Generalin mit seinem göttl. Troste und erfreue 
sie nach seiner Güte auf andere Art und Weise, lasse Selbige 
bei langem Leben und guter Gesundheit und thue solches alles 
durch Jesum Christum. Amen. Der Leichentext des seligen 
Herrn Generals, den er sich selbst erwählt, war aus dem 
73. Psalm, V. 25,26: Herr, wenn ich nur dich habe." — 
General von Bredow war zum zweitenmale mit der Schwester 
seiner ersten Gemahlin verheiratet. Er hinterließ mit beiden 
Frauen keine Kinder. Seine erste Gemahlin war 26 Jahre, 
seine zweite 36 Jahre jünger, als er selbst. Die zweite Ge 
mahlin überlebte ihn um 27 Jahre. Sie starb am 9. Ja 
nuar 1789 auf dem Rittergute Radensdorf bei Drebkau, wurde 
aber ebenfalls in Großlübbenau beigesetzt. 
Da General von Bredow keine Erben hinterließ, fiel 
sein Ritlerfitz an einen Verwandten seiner Gemahlin, an 
Karl Wilhelm von Pannwitz. Die Witwe von Bredow setzte 
diesen bereits bei Lebzeiten, im Jahre 1773, zum Erben von 
Großlübbenau ein. Derselbe verkaufte jedoch die Herrschaft 
sehr bald (im Jahre 1788) an den 15jährigen Grafen Rochus 
August zu Lynar. Unter einem seiner Nachkommen, dem 
Grafen Hermann Rochus zu Lynar, der am 31. Dezember 1878 
starb, ist das Schloß in den Jahren 1872 bis 1878 würdig 
renoviert worden und erglänzt jetzt wieder gleich einer kost 
baren Perle im Lausitzer Lande. 
Der Schiffbauer-mmn und seine Umgebung. 
Von Ferdinand Meyer. 
Als den Orten Berlin und Cölln um das Jahr 1225 
von den Urenkeln Albrechts des Bären, den gemeinsam 
regierenden Markgrafen Johann I. und Otto III., die 
Stadtgerechtigkeit verliehen wurde, erhielt Berlin eine Dotation 
von 124 Hufen Acker. Ein Teil desselben gehörte zur früheren 
Feldmark des während der Wendenkämpfe zerstörten und um 
die Milte des 12. Jahrhunderts als „wüst" bezeichneten 
Dorfes Wedding. Dann verzichtete Markgraf Otto IV. 
(„mit dem Pfeil" genannt) unterm 14. August 1289 zu Gunsten 
der Bürger Berlins auf die ihm zustehende Lehnsherrlichkeit 
über den „alten Hof" (den Kern des eingegangenen Dorfes), 
indem er alle Rechte für „ewige Zeit" an die Stadt abtrat. 
Zu jener Dotation gehörten ferner die erforderliche Wal 
dung und Viehweide; denn die städtische Betriebsamkeit be 
ruhte während des 13. Jahrhunderts hauptsächlich auf Ackerbau 
und Viehzucht, so daß keine Stadt ohne mit bedeutenden 
Ländereien angelegt werden konnte. 
Die Berliner Waldung bestand aus der großen Stadt 
heide, die mit kleinen, waldbedeckten Hügeln (den sogenannten 
Wolfsbergen) in der Gegend der heutigen Charite begann, 
östlich bis zur Jungfernheide sich hinzog, nördlich aber die 
Reinickendorfer Feldmark begrenzte. Eine zweite, von der 
Stadtheide nur durch die Panke getrennte Waldung war die 
städtische „Hasenheide", auf deren Territorium im vorigen 
Jahrhundert das sogenannte Voigtland erstand. Sie schob sich 
längs des alten Spandauer Weges (der heutigen Oranien- 
burgerstraße) bis zur Artilleriestraße vor, und begrenzte 
andererseits die Feldmarken von Pgnkow, Weißensee und 
Lichtenberg. Im übrigen dienten beide Waldreviere den 
Patriziern und wohlhabenden Bürgern zur Abhaltung von 
Jagden, oder man lag dem damaligen Hange des Vogelfanges 
ob. Von höheren Lebensbedürfnissen konnte, im Vergleich mit 
der heutigen Zeit, nicht entfernt die Rede sein. 
Zur Sicherung der städtischen Ländereien und der 
weidenden Viehherden gegen räuberische Ueberfälle war an der 
äußeren Grenze der Waldung, unweit des Weddings, eine 
Landwehr mit befestigtem Turm angelegt, von dem bewaffnete 
Mannschaften Ausschau hielten. 
Als umfangreichste jener Viehweiden erscheint die „Bullen 
wiese". Sie erstreckte sich vom Spree-Ufer des heutigen 
Schiffbauerdammes, zwischen der Panke und dem späteren 
Unterbaum (jetzigen Kronprinzenbrücke), und nördlich bis zu 
den vorlängs der Stadtheide sich hinziehenden Ackerflächen. 
Inmitten der Wiese, etwa zwischen der heutigen Marien- und 
Schumannstraße, lag des Heidereiters Acker, seitwärts begrenzt 
von der Albrecht- und Luisenstraße. 
Ueber die Obliegenheiten des Heidereiters, welchem die 
Charge eines Oberförsters beigelegt werden kann, sagt das 
alte Berliner Stadtbuch, daß er für die Beaufsichtigung der 
Wiesen 26 Schillg. Pf. und 1 Sch. Pf. zum Pfandgeld habe, 
so oft er pfänden werde auf den Wiesen und in den Heiden. 
Ferner bezog er gemeinschaftlich mit dem Wachtsetzer (Wacht 
meister) das Stättegeld von den beiden Jahrmärkten für die 
Bewachung der Buden während der Nachtzeit („dar sy di 
leite vor müden malen des nachtes"). 
Die Dienstwohnung des Heidereiters befand sich in der 
noch heutigen, zwischen der Spandauer- und Rosenstraße mit 
nur 13 Häusern besetzten „Heidereiter-Gasse," vordem kurzweg 
das „Reitergäßchen", auch wohl „Bödel- und Büttelgasse" 
nach der bis 1724 auf dem Grundstück Nr. 8 befindlich ge 
wesenen Büttelei oder Scharfrichterei genannt. 
Die vorzugsweise Begünstigung, deren die ursprünglich 
noch getrennten Schwesterstädte durch Verleihung größerer 
Freiheiten und Rechte schon bei ihrer Gründung teilhaftig ge 
worden, hatte deren schnelle Entwickelung und Erweiterung 
bald nach dem Jahre 1307 zur Folge, in welchem die Ver 
einigung beider stattfand. Es sank die Feffel der ersten Be 
festigung, die bis dahin einen Flächenraum von etwa 
400 Magdeburgischen Morgen umschlossen hatte, und die neue 
Stadtmauer zog sich auf dem hier in Betracht kommenden 
Teil vom Oderberger Thor her. in der Richtung der jetzigen
        
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