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Periodical volume 22. April 1893, No. 30.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Berlin, als Ganzes genommen, hat sechs herrliche Kirchen, 
zwei Rathäuser, ebenso viele äußerst zweckmäßig eingerichtete 
Schulen, an welchen es selbst acht, Cölln aber fünf Lehrer 
freigebig unterhält. Das Berliner Gymnasium ist heutigentags 
das berühmteste und besuchteste der ganzen Mark, früher war 
dies das Spandauer, an dem wir selbst gelehrt haben und 
wo, gleich wie in einem gelehrten Athen als zweiter Kratippus 
Michel Parnemann die märkische Jugend zu sich zog. Das 
Amt des göttlichen Wortes ist ausgezeichnet und spendet, dem 
Ritual und dem Orte nach verschieden, dreifache Lehre. Ein 
Teil der Berliner Diözese und dieser untergeordnet find die 
Kirchen des Barnim; ein Teil derselben jedoch und die des 
Teltow, steht unter Cölln; noch andere hängen vom Dom ab. 
Diesem gehorchen auch die Domherren und alle diesen durch die 
Freigebigkeit der Fürsten zugewiesenen Gotteshäuser. Im 
übrigen ist die Stadt so groß und hat so reiche Bürger, daß 
sie alle übrigen märkischen Städte weit überflügelt. Um den 
unruhigen Geist der Berliner zu steuern, baute Kurfürst 
Friedrich I.. aus der burggräflichen Familie von Nürnberg, 
hier zuerst ein landesherrliches Schloß und verlieh der Burg 
jene Größe, von der man noch jetzt die Trümmer erblickt. 
Später hat Joachim II. daselbst mit ungeheueren Kosten einen 
Palast und andere eines Königs würdige Bauten errichtet. 
Das auf einer Spreeinsel gelegene Köpenick ist berühmt 
durch sein Schloß, seine Jagden und durch den hier erfolgten 
traurigen Tod des Kurfürsten Joachim II. Es bildet den 
Schlüssel zur Mark von Süden her. Dort ließ Joachim II. 
einen Kanal graben, um die Zossener Seen mit der Spree 
in Verbindung zu setzen. Er that dies, damit er den ostwärts 
von der Spree, nordwärts von der diese aufnehmenden Havel, 
westwärts von breilen zu Thal strömenden Bächen umschlossenen 
Teltow auch südwärts vermöge solcher Kanäle mit Wasser um 
schlösse. 
Schloß Zossen, durch Natur und Kunst stark befestigt 
und mit dem Grabmal Eustachs Schlieben, aus dem Hause 
Torgau, nicht unedel geschmückt, liegt zwischen unwegsamen 
Morästen. Die genannten Herren waren weil mächtiger, als 
ihnen noch Torgau an der Elbe, eine nicht minder glänzende 
als berühmte Stadt, eigentümlich gehörte. Sie halten Grafen 
rang. Ihr Wappen war ein Brettspiel mit weißen und roten 
Feldern auf dunklem Grunde. Einer dieses Geschlechts, 
namens Richard, führte dem Vogelsteller Heinrich 931 Hilfs- 
mannschafr gegen die Slaven zu. Von gleichfalls nicht ge 
ringem Rufe sind Leuthold. Johannes und Heinrich gewesen. 
AIs aber Kaiser Adolf von Nassau*) 1247 dem Thüringer 
Markgrafen Meißen und die Lausitz verkauft hatte, griff dieser 
waffenstarke, mächtige Herr die meisten Städte an Elbe und 
Mulde an, und unter dergestalten Umständen ward Torgau 
durch die Gewalt des Stärkeren seinen Grafen entrissen. 
Durch Feindesmacht verjagt, schlugen dieselben ihren Wohnsitz 
in der Lausitz auf. wo sie, um nicht der Willkür des ersten 
besten preisgegeben zu sein, und um nicht aufs neue in 
feindliche Hände zu fallen, Zossen stark befestigten. Sie be 
gnügten sich forran mir dem Freiherrntitel. Einer von ihnen, 
Botho von Torgau, Herr auf Arensveste, nahm nach dem 
*) Leutinger berichtet hier irrtümlich. Adolf von Nassau regierte 
1292—98. Im Jahre 1247 starb Heinrich RaSpe von Thüringen kinder 
los. Infolge hiervon fiel der östliche Teil der Landgraffchaft Thüringen 
an Meißen. 
Tode des märkischen Landeshauptmanns Johann von Strehlen, 
mit Bewilligung des Markgrafen Ludwig, Beeskow und 
Storkow in Besitz. Er hinterließ diese Plätze 1383 dem 
Dietrich, welcher sie 1387 den Bibersteinern zurückgab. Zu 
letzt starb die ganze Familie aus, und die Herrschaft Zossen 
fiel an Joachim II. Amtleute unter ihm waren daselbst 
Stein und Eustach Schlieben. Hieher gehören noch ein paar 
Dörfer in Sachsen, u. a. Reichenbach, die vom Landgewinn 
abgetrennt, in der Nähe von Sydow liegen. Das Geschlecht 
derer von Torgau steht in jener Gegend noch in gutem An 
denken. Bei Wittstock und auch anderwärts sind noch Ruinen 
ihm einst zugehörender Burgen vorhanden. 
Trebbin liegt in naffem Sumpfgelände, durch welches 
nur Räuberpfade liefen; ein schlimmer Platz war es für den 
Handelsmann. Es wurde 1413 von dem damals die Mark 
verwaltenden Burggrafen Friedrich eingenommen, nachdem in 
folge der denkwürdigen Schlacht bei Zossen das Heer der 
Raubritter von jenem vernichtet und ihre Burgen Golßen, 
Plauen, Friesack, Saarmund, Wittstock u. a. m. gebrochen 
worden waren. Saarmund suchte 1398 Markgraf Wilhelm 
von Meißen mit Waffengewalt heim. Dietrich Quitzow hatte 
es 1407 als einen für die Willkür der Gegner des Gemein 
wohls bequem gelegenen Ort in seine Hände gebracht. 
Potsdam bildet gewissermaßen einen Havel-Chersones. 
Kurfürst Joachim I. fing an, den schon von Natur festen 
Platz in eine wirkliche Festung umzuwandeln. Diese Hoffnung 
ist fehlgeschlagen und hat keinen weiteren Fortgang gehabt. 
Teltow, welches seinen Namen dem ganzen Landstrich 
zwischen Spree und Havel gegeben hat, war ursprünglich ein 
Feldlager Karls des Großen. Es ist brandenburgischer Besitz. 
Gegenwärtig ist es von einer kleinen Stadt zu einem Dorfe 
herabgesunken. 
Brietzen war eine Kultusstätte der Brisantier, darauf 
ein fester Platz Albrechts des Bären. Es hat zwei Kirchen, 
Privilegien, als Lokalindustrie den Wagenbau, Jagdrecht, 
Weinberge, Töpferthon. Sein Ruhm ist der beharrliche Sinn 
seiner Bürger, der ihm unter Waldemar und Ludwig den 
Beinamen des „treuen" verschaffte, weil es zuerst jenen, als er 
durch Rudolf von Sachsen geschlagen worden war, als Flücht 
ling in seine Thore aufnahm, dem letzteren aber gegen den 
falschen Waldemar Hilfe leistete. 
Belitz wurde von den Schlesiern, gelegentlich eines 
Jahrmarkts, hinterlistig eingenommen. Von Albrecht, dem 
deutschen Achill, ward es in Brand gesteckt, und die Feinde 
darin kamen teils in den Flammen um, teils wurden sie ge 
fangen genommen. Als Joachim II. hier ein Salzwerk an 
zulegen versuchte, entsprach der Erfolg den Erwartungen nicht, 
denn auch hier verleugneten italische Werkmeister italische 
Sitten nicht.*) 
Bernau (Bernoa) erhebt sich über die Gewöhnlichkeit 
durch sein gutes Bier, durch die Niederlage der Hussiten im 
Jahre 1453 und durch einen ihm angehörigen Mann, Paul 
Prätorius, Gründer von vier Stipendien für arme orts- 
angehörige Studenten. Es ist in demselben Jahre 1144 mit 
dem Schloß zu Alt-Landsberg durch Albrecht den Bären ins 
*) Belzig hat Leutinger unter den chursächsischen Städten aufgeführt. 
Von ihm heißt eS: Belzig (Bellicium) ist ein bedeutender Ort vermöge 
seiner kunstvoll erbauten, sehr weitläufigen Burg Man kennt eS von 
wegen der Niederlage die der Sachse Friedrich hier 1460 dem märkischen 
Adel zufügte.
        
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