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Periodical volume 8. April 1893, No. 28.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Ebenso wird an der Sonne getrocknetes oder gesalzenes Fleisch 
reichlich genossen. Die Masse kennt seineren Tafelgenuß nicht. 
Oft, wenn man in ein Haus tritt, erblickt man. in Netzen an 
Querbalken aufgehängt, zehn bis zwölf Speckseilen, eine Masse 
Würste aller Größen, Aale, Hechle und andere gesalzene und hart 
gewordene Fische, Spickgänse, gepökeltes oder geräuchertes 
Fleisch vom Schwein, Rind oder Schaf, nebst anderem Ein 
gesalzenen, auch Kuhkäse; alles dies ebensowohl Schau wie 
Lebensnoidurfi; für die von außenher Hineinblickenden mehr 
Augenweide als Sätti 
gung. Besonders 
gern aber essen sie 
Schinken. 
Die Häuser der 
Neichen baut man 
aus Ziegel- oder Bruch 
steinen, Mörtel und 
Holz; die der 
Aermeren aus Lehm 
und Holz; letztere auch 
niedriger. In der 
Mütelmark deckt man 
sie mit Ziegeln oder 
Schiefer, sowohl des 
besseren Ansehens, als 
der geringeren Feuers 
gefahr halber; in der 
Lausitz und im 
Krossenschen mit 
Schindeln, was in 
letzterer Hinsicht we 
niger sicher ist. In 
der Uckermark, sowie 
in der alten und 
neuen Mark, sind 
Strohdächer die Regel. 
Alle Häuser stehen 
dicht beisammen und 
bilden, je nach dem 
Wohlstand der darin 
wohnenden Bürger, 
Straßen. Diese sind 
beinahe immer mit 
Feldsteinen gepflastert, 
aber gewohnheils- 
gemäß werden sie durch 
Misthaufen nicht wenig entstellt und verunreinigt. 
Die adeligen Schlösser liegen meist in Gründen oder 
an Sumpf, Teich und See. Sie umschließen Brunnen oder 
sonst klares Wasser, Lusthaine und etwas lichte Waldung. 
Die durch Kunst und Natur festen Städte, an schnellströmenden 
Flüssen oder in der Ebene erbaut, erscheinen stattlicher durch 
Mauern, Wallgräben und Warttürme, als daß sie im Inneren 
schön wären. Bei einigen ist die ringsum gelegene Feldflur 
mit tiefen Gräben umzogen, um sie vor Verheerung zu be 
wahren; andere haben zur Verhinderung von Diebstahl und 
Raub Wachen ausgestellt. 
Eben die Schlichtheit, wie in Lebensweise, Kleidung und 
Bau, beobachten die Einwohner auch im mündlichen Verkehr; 
sie folgen darin alter Gewohnheit. Bei ihrem stillen Wesen 
und ihrer Treuherzigkeit kennen sie weder Betrug noch jene 
prahlerische Redseligkeit, mit der die zahlreich einwandernden 
Schlesier, Franken und Schwaben, mehr mit dem Munde als 
der That nach besser unterrichtet, sich lieb Kind machen und 
zu Aemtern gelangen. Denn die Rede quillt den Märkern 
nicht von der Zunge, sondern aus dem Herzen. Was sie 
sagen, wollen sie durch die That erhärten, und was sie in 
Einfalt versprechen, soll im weitesten Sinne des Wortes ge 
halten werden. Da 
her lernt man sie 
leicht bei der ersten 
Anrede und auf den 
eisten Blick hin kennen. 
Im übrigen sind sie 
nicht minder von ge 
wissenhafter und ar 
beitsamer Sorge für 
ihr Hauswesen, wie 
auch Fremden und 
Gästen gegenüber 
billiger denkend als 
irgend ein anderes 
Volk. 
Das weibliche Ge 
schlecht war früher ge 
wohnt, amSpinnrocken 
zu sitzen oder Wolle 
zu weben. Heute 
ireiben die Frauen 
Handel, wollen Gast 
wirtinnen sein und 
mischen sich in alle 
möglichen Geschäfte. 
Und wie es feststeht, 
daß früher hier zu 
Lande eine größere 
Rauhigkeit und Bar 
barei geherrscht habe, 
so weicht diese zur 
Zeit schon mehr und 
mehr. Die Märker 
fangen an prunkvoller 
aufzutreten, sie bauen 
besser und neigen sich 
mehr der Eleganz und 
einer schöneren Menschlichkeit zu. Von Natur schweigsam, verbirgt 
sich bei ihnen unter dem Anschein der Biederkeit oft eine große 
Schlauheit. Weileine etwas dickereLuft fieumgiebt, werden sieleicht 
korpulent. Von heißem Blute, brausen sie rasch auf und ge 
raten in Zorn. Ihr Magen ist stark und kann im Bechern 
und Verdauen schwerer Speisen viel vertragen. Sie gelten 
für trunksüchtiger als andere. Zwar fehlt es ihnen nicht an 
Mutterwitz, aber diesen, nebst anderen Geistesgaben, verdunkelt 
nicht wenig eine sorglose Diät, der Soff und eine abscheuliche 
Nachlässigkeit. 
In der Kleidung, die ungleich ist, richten sie sich fast ganz 
nach der Mode ihrer Nachbarn. Die Altmark folgt braun 
schweigischem und Magdeburger Beispiel, die Priegnitz und die
        
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