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Periodical volume 25. März 1893, No. 26.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

^3 305 S» 
von Napoleon sich durch einige wohlangebrachte Schmeicheleien 
bestechen ließ, wurde in das Hauptquartier des Kaisers ab 
gesendet. Beim Abschiede fragte er den Prinzen hämisch 
triumphierend: „Haben Ew. Königliche Hoheit keine Befehle 
für mich nach Wien?" Mit Würde antwortete der Prinz: 
„Herr Graf, hätte ich Befehle zu geben, Sie würden sie nicht 
überbringen." 
Das preußische Heer rückte ins Feld, doch hielten die 
siegreichen Fortschritte Napoleons in Oesterreich dasselbe in 
seinem Laufe auf. 
Prinz Louis 
Ferdinand war bei 
den Truppen in 
Sachsen und traf hier 
mit dem Herzog von 
Weimar und auch mit 
Goethe wieder zusam 
men. Diesmal trat 
er dem Dichter näher, 
und er schrieb darüber 
an eine Dame aus 
Gera uach Berlin: 
„Ich habe nun Goethe 
wirklich kennen gelernt; 
er ging gestern noch 
spät mit mir nach 
Hause und saß dann 
vor meinem Bette, 
wir tranken Cham 
pagner und Punsch, 
und er sprach ganz 
vortrefflich! Endlich 
deboutonnierte sich 
seine Seele; er ließ 
seinem Geiste freien 
Lauf; er sagte viel, ich 
lernte viel und fand 
ihn ganz natürlich und 
liebenswürdig." Der 
Herzog von Weimar 
erzählte viele Jahre 
später noch gern diese 
Zusammenkunft;^ er 
selber hatte sich früh 
zeitig zurückgezogen, 
„die anderen aber 
tranken die ganze 
Nacht ungeheuer viel," 
sagte er, „um die Wette, und Goethe blieb nichts schuldig, 
er konnte fürchterlich trinken!" 
Unterdessen hatte Graf Haugwitz im französischen Haupt 
quartiere mit Napoleon neue Verträge geschlossen, welche der 
zum Kriege geneigten Partei alle Hoffnung darauf benahmen 
und außerdem einen für Preußen höchst bedenklichen Länder 
tausch enthielten. Die Armee kehrte ohne einen Schwertstreich 
zurück. Scham und Ingrimm erfüllte die Gemüter. Niemand 
war jedoch mehr über diesen Ausgang empört als Prinz Louis 
Ferdinand. Aus diesem vereitelten Feldzuge kam er nach 
Halle a. S. und aß bei dem Kapellmeister Reinhardt in 
Giebichenstein, der, wie er selber, Napoleon von ganzer Seele 
haßte. Um recht auszudrücken, wie schmachvoll für die 
Deutschen die Allgewalt des Usurpators sei, that der Prinz 
bei Tisch die charakteristische Aeußerung: „Ja, wenn Bonaparte 
einmal ein Gericht Prinzenohren haben will, so sind meine" 
— und er faßte sich an beide — „in Gefahr, denn bekommen 
wird er sie!" 
In Berlin war die Verstimmung am hefiigsten und 
lautesten. Dem zurückgekehrten Haugwitz wurden die Fenster 
eingeworfen, dagegen 
dem Minister Harden 
berg. welcher ent 
gegengesetzten An 
sichten folgre und 
darum für einige Zeit 
aus dem Staatsdienste 
scheiden mußte, von 
der kriegerisch gesinnten 
Jugend und besonders 
v on den t onangeb enden 
Offizieren des Regi 
ments Gensdarmen 
fast jeden Abend in 
auffallender Weise 
Ständchen durch Mi 
litärmusik gebracht. 
Der Prinz lebte seit 
seiner Rückkunft von 
der Armee zurück 
gezogen. er schien 
weit ernster geworden 
zu sein. Er schloß 
sich jetzt vorzugsweise 
enger an Männer 
einer festen Richtung 
an. Dazu gehörte 
vor allem der 
Minister Stein, den 
der Prinz oft sah. 
Was in jener Zeit 
den Geist des Prinzen 
beschäftigte, traf in 
Stein auf anklingende 
Saiten. Bei Gleich 
heit der Ansichten 
und Gefühle fehlte es 
an wohlthuenden Be 
rührungspunkten nicht, 
und bald erwachte in ihm eine Achtung und ein Zutrauen 
für den Minister, die der eines Jüngers gegen den Meister 
zu vergleichen war. Auch zu dem Könige trat er wieder in 
ein minder gespanntes Verhältnis. Durch die Bemühungen 
der Königin Luise, welche ihre Blicke auf die äußere Lage 
Preußens richtete, war es gelungen, eine Versöhnung zwischen 
diesen sich schroff gegenüberstehenden Charakteren herbeizuführen. 
Der Prinz bezog eine Sommerwohnung in Moabit bei Berlin. 
In dieser Villa waren Johannes von Müller und Huinboldt 
sehr oft gesehene Gäste. Hier traf man auch die geistreiche 
Rahel, welche der Prinz überaus hochschätzte und die ihm. 
Märkiftctres Ptroninziat-Ulusourn in Kortin. (S. 3t 2) 
Entwurf von Regierungs- und Baurai Eggert in Wiesbaden. (II. Preis.)
        
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