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Periodical volume 18. März 1893, No. 25.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

Silder aus der Mark. 
II. Burg Rabensteiu. 
Mit Abbildung.) 
Von Kran; Tisrnar. 
Abseits von der großen Verkehrsstraße, 12 km südlich 
von Belzig und 8 km südöstlich von Wiesenburg, liegt, 
weltvergessen das Dorf Raben. Die 130 Einwohner des 
selben, mit ihren geringen Bedürfnissen fast ausschließlich auf 
sich und den leichten Ackerboden angewiesen, ernten gerade so 
viel, wie sie gebrauchen; für den Betrieb einer Spiritus 
brennerei reichte die Kartoffelernte oftmals nicht aus, er wurde 
eingestellt. Aus Wehmui wohl über seinen verfehlten Beruf hat 
sich der hohe Schlot der Brennerei stark geneigt, so daß seinem 
schiefen Dasein bald ein Ende gemacht werden dürfte. Auch 
der hölzerne Turm der alten romanischen Feldsteinkirche zeigt 
eine geneigte, wenn auch weniger bedrohliche Stellung. 
Birken gemischter und an Dam-, Reh- und Schwarzwild sehr 
reicher Kiefernwaldung besteht. Kurz vor dem Dorfe Grubo, 
welches in einer Thalmulde sehr hübsch gelegen und durch 
einen mächtigen Ziehbrunnen inmitten des Dorfes, sowie durch 
mehrere uralte Lindenbäume ausgezeichnet ist, ändert sich die 
Scenerie. Die alte Waldesgeneration ist durch jüngere ersetzt, 
überall ist der Boden mit der roten Erica bedeckt; hin und 
wieder leuchten hellgrün die Waldmoose hindurch, auch die 
jungen 20jährigen Waldburschen haben sich in ein hellgraues 
Kleid von Flechten und Bartmoosen gesteckt, um auf dem 
welligen Boden, der nunmehr anhebt, mit uns nach Rabenstein 
zu pilgern. Mehr und mehr zerschneidet sich das Plateau und 
scheidet plastisch Thal und Kuppe, manch schönes Bild bietet 
sich dem Auge durch die immerwährenden und stets wechselnden 
Zusammensetzungen von Berg und Schlucht, dunkler Ertca und 
Hellen Moosen, von Kieferngrün und weißgelben Sandstreifen. 
Krrvg Ravonllern. 
Nach einer photographischen Aufnahme von Franz Tismar. 
Unter dem Schutze der Burg Rabenstein im 13. Jahr 
hundert entstanden, blühte Raben schnell empor und galt bis 
1530 als Marktflecken; dann verlor es im Laufe der Jahr 
hunderte mehr und mehr an Bedeutung, so daß die nach 
Belzig und Wittenberg führenden Chausseen und der Landweg 
nach Niemegk von den Einwohnern Rubens zur Verfolgung 
von Handelsinteressen wenig benutzt werden. Und doch ver 
dient Dorf Raben die Beachtung aller Liebhaber der Mark, 
aller Natur- und Geschichtsfreunde, nicht zum mindesten auch 
der Geologen. 
Erreicht wird das Dorf von Belzig aus auf oben 
erwähnter Chaussee, welche herzlich schlecht ist und wenig An 
ziehendes bietet, bis sich kurz vor Raben ein schönes Land 
schaftsbild zeigt, das im tiefen Thaleinschnitt gelegene Dorf 
mit der Burg Rabenstein im Hintergründe. 
Für den Wanderer bequemer und reizvoller ist der Zu 
gang von Wiesenburg. Von hier führt der Weg zumeist durch 
Forst, welcher vorerst aus hochstämmiger, mit Buchen und 
Doch auch das Wasser, unentbehrlich fast zur Erhöhung 
des Reizes einer märkischen Landschaft, fehlt hier nicht. Kurz 
vor Raben entspringt in einem Elsengebüsch die Plane (nicht 
Plaue, wie der Druckfehlerteufel in Bergaus „Bau- und 
Kunst-Denkmäler" behauptet). Von diesem Flüßchen sagt 
Beckmann 1751: 
„Die Plane, oder wie sie in den alten Nachrichten 
heißet, die Plune, Plane und insgemein die Poleke ge 
nannt, entstehet auf Sächsischem Boden aus einem Berge, 
und gehet auf Götzow, und fället dichte bei Brandeburg in 
die Havel. Führet gute Krebse." 
Für andere Gegenden wäre der Ursprung eines wenn 
auch noch so kurzen Gewässers weniger bedeutungsvoll, wie 
für den Fläming, auf dessen Hochplateau wir uns befinden. 
Zum befferen Verständnis dieses besonderen Umstandes soll 
daher erwähnt werden, daß die Plane das einzige Gewässer 
ist. welches in den zahlreichen Thalschluchten des sonst wasser 
armen Fläming entspringt. Eine Folge des Wassermangels
        
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